Vogel des Jahres 2027: Die Mehlschwalbe fliegt zum Sieg
67.050 Stimmen für die Sommerbotin
(nabu 17.10.26) Die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) ist zum Vogel des Jahres 2027 gewählt worden. Mit 67.050 Stimmen und einem Anteil von 45,2 Prozent setzte sich die Sommerbotin bei der öffentlichen Wahl von NABU und LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) durch. Insgesamt beteiligten sich 148.506 Menschen an der Abstimmung.
Auf Platz zwei landete der Trauerschnäpper mit 33.181 Stimmen (22,3 Prozent). Der Kolkrabe erreichte 22.587 Stimmen (15,2 Prozent), gefolgt von der Wasseramsel mit 16.074 Stimmen (10,8 Prozent). Den fünften und letzten Platz belegte der Kranich mit 9.614 Stimmen (6,5 Prozent).
Gefährdeter Zugvogel mit langer Reise
Bei ihrer Kür war die Mehlschwalbe nicht anwesend: Derzeit überwintert sie Tausende Kilometer entfernt in Afrika südlich der Sahara. Erst Anfang April kehren die Vögel nach Deutschland zurück, um hier zu brüten. Obwohl eine einzelne Schwalbe sprichwörtlich noch keinen Sommer macht, gelten die Tiere als Vorboten der warmen Jahreszeit.
Doch der neue Jahresvogel ist gefährdet. „Bis zu 770.000 Brutpaare gibt es noch in Deutschland. Der Bestand geht aber stetig zurück, vor allem durch illegale Zerstörung von Nestern und Vergrämungsmaßnahmen an Häusern. Moderne Architektur und die zunehmende Versiegelung machen es Schwalben oft unmöglich, ihre Nester zu bauen. Auch der Insektenschwund spielt eine Rolle, da Fluginsekten die Nahrung der Mehlschwalbe sind“, erklärt NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler.
Weißer Bürzel und kunstvolle Lehmnester
Mehlschwalben werden etwa 14 Zentimeter groß und haben einen kurzen, leicht gegabelten Schwanz. Ihre Oberseite und die Flügel sind schwarz, Kopf und Rücken schimmern metallisch blau. Unterseite und Bürzel sind dagegen auffällig weiß. Diese Färbung erinnert an Mehl und gab der Art ihren Namen.
Die Vögel leben gesellig. Sie brüten in Kolonien und sind auch außerhalb der Brutzeit häufig in großen Schwärmen unterwegs. Ihre runden, nahezu geschlossenen Lehmnester bauen sie an Gebäuden unter Dach- und Fassadenvorsprüngen sowie in Nischen an Felswänden.
Für ein Nest benötigen sie bis zu 1.500 kleine Lehmkügelchen, die sie aus Pfützen sammeln. Ihre Nahrung fangen Mehlschwalben im Flug, häufig auch in großer Höhe.
So lässt sich die Mehlschwalbe unterstützen
Wer den Jahresvogel schützen möchte, kann bereits am eigenen Haus einen Beitrag leisten. „Helfen kann man dem neuen Jahresvogel, indem man seine Nester am Haus duldet“, rät Rümmler. Menschen, die Mehlschwalben willkommen heißen, können beim NABU die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ erhalten.
Auch Lehmpfützen im Hof oder Garten helfen den Vögeln, geeignetes Nistmaterial zu finden. Ein insektenfreundlich gestalteter Garten bietet ihnen zudem mehr Nahrung.
Die Mehlschwalbe folgt auf das Rebhuhn, das den Titel Vogel des Jahres 2026 trägt. Die Auszeichnung wird in Deutschland seit 1971 vergeben. Seit 2021 entscheidet eine öffentliche Wahl über den Jahresvogel.
Weitere Informationen gibt es unter www.vogeldesjahres.de.
Text und Foto: NABU
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