„Zimmermann des Waldes“ – Der Schwarzspecht im Odenwald
Serie des Kreisforstamts über seltene Waldbewohner (Teil 3): „Zimmermann des Waldes“ – Der Schwarzspecht im Odenwald
(rnk 14.8.26) Aufmerksame Waldbesucherinnen und -besucher hören gelegentlich ein Trommeln durch den Wald schallen. Dahinter steckt meist keine musikalische Darbietung, sondern der Schwarzspecht, der auf Nahrungssuche ist oder eine Baumhöhle anlegt. Dabei kann er bis zu 17 Schläge pro Sekunde ausführen.
Der größte Specht Europas
Der Schwarzspecht ist der größte Specht Europas. Mit einer Größe etwa wie eine Krähe misst er von Kopf bis zur Schwanzspitze bis zu 50 Zentimeter. Wie sein Name bereits vermuten lässt, trägt er ein mattschwarzes Federkleid. Lediglich auf dem Kopf fällt ein auffälliger roter Scheitel ins Auge. Sein Schnabel ist weiß bis gelblich.
Auf Nahrungssuche
Die Leibspeise des Schwarzspechts sind holzbewohnende Insekten. Dazu zählen Ameisen, Käfer und Hautflügler wie beispielsweise Holzwespen. Auf der Suche nach ihnen hackt und löst der Specht die Rinde befallener Bäume ab.
Je nach Jahreszeit erweitert er seinen Speiseplan um Früchte und Samen, im Winter auch um Ameisenhaufen. Zusätzlich frisst er Schnecken und Gelege anderer Höhlenbrüter. Außerdem hackt der Specht Äste an, um den austretenden Baumsaft aufzulecken.
„Bei der Borkenkäfersuche ist mir der Specht eine große Hilfe. Er hat genau den Riecher, wo die Käferlarven unter der Rinde sitzen. Durch seine „Spechtabschläge“ – also die Stellen am Baumstamm, an denen der Specht Rindenschuppen abschlägt – finde ich die befallenen Käferbäume viel schneller“, erklärt Jann Benjamin Lohe, Trainee am Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises. Während seines zweijährigen Programms zur Qualifikation für den gehobenen Forstdienst unterstützt er die Revierleitungen unter anderem beim Borkenkäfermonitoring.
Paarbildung und Brut
Schwarzspechte bilden jedes Jahr Paare, die ihre Brut anschließend monogam aufziehen. Die Balz findet im Februar statt. Danach legt das Weibchen zwei bis sechs Eier in die selbstgezimmerte Bruthöhle. Nach zwölf Wochen schlüpfen die jungen Spechte, etwa vier Wochen später sind sie flügge.
Alte Bäume als Lebensraum
Als Brutrevier und Lebensraum bevorzugt der Schwarzspecht alte Wälder mit hallenartigem Bestandsaufbau und geschlossenem Kronendach. Seine Höhle legt er dort vorzugsweise in einer Buche oder einem anderen Baum mit glatter Rinde an.
Die Höhle befindet sich normalerweise nicht in der Baumkrone, sondern zwei bis drei Meter unterhalb des ersten Astes. Direkt vor dem Flugloch dürfen keine Äste oder anderen Bäume stehen, damit der Specht die Höhle problemlos anfliegen kann.
Da die Höhlen bis zu einem halben Meter tief in den Stamm gehackt werden, kommen dafür nur große, alte und vor allem dicke Bäume infrage.
Höhlen entstehen über viele Jahre
Der Schwarzspecht ist ziemlich standorttreu und wandert mit seinem Revier kaum. Deshalb findet man an einem Standort häufig eine Häufung von Höhlenbäumen.
Der Specht bearbeitet stets mehrere Höhlen gleichzeitig. Allerdings wird nur alle drei bis sieben Jahre eine davon fertiggestellt. Noch unfertige Höhlen lassen sich vor allem an der hellen Holzfärbung und natürlich an ihrer noch nicht erreichten Tiefe erkennen.
Ein frisch angelegtes Flugloch ist eiförmig. Mit zunehmendem Alter wird es runder und grauer. Verlässt der Specht die Höhle, beginnt der Baum wieder damit, sie zu verschließen. Nach etwa zehn Jahren kann der Höhleneingang wieder vollständig geschlossen sein. Der Hohlraum im Stamm kann jedoch erhalten bleiben.
Der „Zimmermann des Waldes“
Wegen seiner Fähigkeit, Höhlen in Bäume zu hacken, wird der Schwarzspecht auch als „Zimmermann des Waldes“ bezeichnet. Zieht er aus einer Höhle aus, kann diese etwa 60 anderen Arten als Schlaf- oder Überwinterungsplatz, Nahrungsdepot oder zur Aufzucht der Jungen dienen.
Zu den Nachnutzern gehören beispielsweise Siebenschläfer, Hohltauben, Raufußkäuze, Hornissen, Baummarder und sogar Schellenten. Viele dieser Großhöhlenbewohner sind gefährdet und könnten den Wald ohne die Höhlen des Schwarzspechts gar nicht besiedeln.
Vom Großhöhlenbewohner zum Mikrohabitat
Welche Art eine Schwarzspechthöhle übernimmt, hängt von ihrem Zustand ab. Befindet sie sich noch in gutem Zustand, wird sie erneut von einem größeren Tier, einem Säugetier oder Vogel, in Beschlag genommen.
Je weiter die Höhle anschließend zuwächst, desto interessanter wird sie für Pilze, Käfer und Fliegen. Selbst eine vollständig wieder zugewachsene Höhle bietet damit noch ein wertvolles Mikrohabitat für spezialisierte Käferarten.
Im Stamm entsteht dabei eine sogenannte Mulmhöhle aus verrottendem Holz.
Schutz der Höhlenbäume
Der Waldnaturschutzbeauftragte des Kreisforstamtes, Fabian Ernst, kennt den großen Wert der Spechthöhlen: „Jede einzelne Spechthöhle ist ein wertvolles Mosaiksteinchen im großen Lebensraum Wald. Daher liegt unser besonderes Augenmerk auf dem Schutz von Höhlenbäumen. Wird bei der Waldbewirtschaftung eine Baumhöhle entdeckt, so wird der Baum stets stehengelassen. Die Försterinnen und Förster wählen außerdem, verteilt über die ganze Waldfläche, Baumgruppen aus, die speziell markiert und ebenfalls dauerhaft stehengelassen werden. Wir versuchen also mit verschiedenen Maßnahmen, den Lebensraum des Schwarzspechtes und aller seiner Nachmieter im Wald zu schützen.“
Text: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis
Foto: Niels Meffert
Kurz-URL: https://nussloch-lokal.de/?p=197187



























