Ein Beruf mit Wirkung: Warum der Brühler Bernd Mink seit fast drei Jahrzehnten als rechtlicher Betreuer arbeitet
Wenn Bernd Mink heute über seine Tätigkeit als rechtlicher Betreuer spricht, tut er das mit ruhiger Stimme und einer Mischung aus Erfahrung, Gelassenheit und ungebrochener Überzeugung. Der 66-Jährige aus Brühl hat in seinem Leben vieles gesehen – als Polizeibeamter, als Ehrenamtlicher, als Berufsbetreuer. Doch eines begleitet ihn seit fast drei Jahrzehnten: der Wunsch, anderen Menschen Halt zu geben. „Ich habe damals eine Mitteilung des Landratsamtes im Gemeindeblatt gesehen“, erzählt Mink. „Gesucht wurden ehrenamtliche Betreuer. Ich wollte etwas Sinnvolles tun, benachteiligte Menschen unterstützen.“ Er meldete sich – dass daraus 29 Jahre Tätigkeit werden würden – das wusste er damals nicht.
Bernd Mink begann neben seinem Hauptberuf als Polizist – dort war er zuletzt Chef der Mannheimer Wasserschutzpolizei – zunächst mit wenigen Fällen. Doch schon bald sprach sich seine Verlässlichkeit herum, Anfragen kamen hinzu. Nach rund zwei Jahren war aus dem Ehrenamt eine professionelle Tätigkeit geworden. „Ich war von Anfang an im Grunde Berufsbetreuer in Teilzeit“, sagt er. Dabei lernte er früh, dass rechtliche Betreuung weit mehr ist als Papierarbeit – auch wenn diese ihn zu Beginn forderte. Formulare, Sozialleistungen, Anträge, Fristen: „Das autodidaktische Erlernen all dieser bürokratischen Abläufe war schon nicht ganz leicht“, erinnert er sich. „Aber der Dank der Menschen, die alleine nicht zurechtgekommen wären – das war und ist bis heute der Ausgleich.“ Schnell erkannte er: Nicht jede Lebenslage passt in ein Formularfeld.
Rechtliche Betreuung als Schule für das Leben
Bis heute berührt Mink, was er in diesen Jahren gesehen hat. Armut, Krankheit, Einsamkeit, aber auch Mut, Vertrauen, kleine Erfolge. „Besonders geprägt hat mich die Wahrnehmung der doch so unterschiedlichen Lebensverhältnisse in unserer Gesellschaft“, sagt er. „Wenn man mit Menschen arbeitet, die sich aus eigener Sicht in ausweglosen Situationen befinden, verändert das den Blick auf die Welt.“ Vor allem die Betreuung psychisch erkrankter oder suchtbelasteter Menschen erfordert Fingerspitzengefühl. Vorbehalte, Misstrauen, manchmal Aggression – all das gehöre dazu. „Solche Situationen fordern einen emotional. Aber wenn es gelingt, Vertrauen aufzubauen, entsteht etwas sehr Wertvolles.“ Was ihm zudem positiv im Lauf der Jahre aufgefallen ist: „Die rechtliche Betreuung ist eine gute Schule für die eigene Resilienz – und damit eine Schule für das Leben“, sagt er mit Nachdruck.
Wie sieht der Alltag eines rechtlichen Betreuers aus?
Einen typischen Arbeitstag, so betont Mink, gibt es kaum. „Manchmal beginnt er mit Post und E-Mails, manchmal mit Telefonaten oder Besuchen.“ Heute – im Ruhestand und mit reduzierter Fallzahl – trägt er noch Verantwortung für zwölf Menschen. Doch Vieles war auch schon wesentlich umfangreicher. „Solange es meine Gesundheit zulässt, mache ich weiter. Gerade Menschen, die ich über viele Jahre begleite, lässt man nicht einfach los.“ Sein Beruf war immer auch Beziehungsarbeit. Ein Beispiel veranschaulicht das eindrucksvoll: eine Betreute, die er seit 26 Jahren begleitet – schwer erkrankt, nicht mehr in der Lage, alleine zu leben, begleitet von einem großen Hund, der ihr alles bedeutete. Ein Heim war gefunden, aber der Hund durfte nicht mit. Die betreute Person wollte diesen aber unbedingt sicher untergebracht wissen. Nachdem dies die Behörde aus rechtlichen Gründen nicht leisten konnte, gelang es Mink durch Beharrlichkeit und Verhandlungsgeschick eine Lösung zu finden. „Das war keine alltägliche Situation“, erinnert er sich. Aber sie zeigt, worum es oft geht: pragmatisch handeln, Verantwortung übernehmen – manchmal auch dann, wenn keiner zuständig sein will.
Was macht diesen Beruf nötig?
Rechtliche Betreuung wird gebraucht – vielleicht heute mehr denn je. Angehörige stoßen an Grenzen, Ehen zerbrechen unter Belastung, Kinder leben weit entfernt. „Viele können die Verantwortung emotional nicht tragen“, erklärt der Brühler. Ein neutraler Dritter könne Konflikte sachlicher lösen.
Missverständnisse in Bezug auf seine Tätigkeit als rechtlicher Betreuer hat er allerdings durchaus schon erlebt. „Manche verwechseln uns mit Pflegekräften, Fahrdiensten oder Haushaltshilfen“, sagt er. Betreuer koordinieren – sie pflegen nicht. Sie entscheiden – sie erledigen nicht jede Alltagsaufgabe. Sie strukturieren, sie verhandeln, sie begleiten im rechtlichen Sinn. Oft unauffällig, aber entscheidend. Wenn man Bernd Mink fragt, warum er so lange rechtlicher Betreuer geblieben ist, lächelt er. „Weil es Freude macht. Weil es einen inneren Ausgleich schafft. Weil man das Leben in einer unglaublichen Bandbreite erlebt.“ Wer überlegt, in den Beruf einzusteigen, dem gibt er einen Rat: „Mach es. Es ist eine tolle Tätigkeit. Man lernt viel – es gibt wenige Berufe, in denen man das Leben so breitgefächert erleben kann. Zudem kann man den Arbeitsumfang sehr gut an das eigene Leben anpassen.“
Was macht ein rechtlicher Betreuer oder rechtliche Betreuerin?
Rechtliche Betreuerinnen und Betreuer unterstützen volljährige Menschen, die aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung ihre rechtlichen Angelegenheiten nicht selbst regeln können. Sie treffen – stets gemeinsam mit den Betreuten – Entscheidungen zu Themen wie Finanzen, Gesundheit, Behördenkontakte oder Wohnsituation.
Welche Voraussetzungen gibt es?
Seit der Reform 2023 benötigen neue berufliche Betreuerinnen und Betreuer einen gesetzlich vorgeschriebenen Sachkundenachweis. Dieser umfasst Kenntnisse in den Bereichen Sozialrecht, Psychiatrie, Kommunikation, Medizin und Selbstorganisation. Wer rechtlicher Betreuer werden möchte, sollte zudem zuverlässig sein, soziale Kompetenz und Empathie mitbringen, organisatorisch sicher arbeiten, und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Vor der Aufnahme der Tätigkeit ist eine Registrierung bei der zuständigen Betreuungsbehörde erforderlich. Viele starten – wie Bernd Mink – zunächst ehrenamtlich. Ehrenamtliche Betreuer benötigen keinen Sachkundenachweis, werden aber von der Betreuungsbehörde begleitet und geschult.
Betreuungsbehörde des Rhein-Neckar-Kreises informiert am 3. Februar
Die Betreuungsbehörde unterstützt Interessierte umfassend, etwa mit Beratungsgesprächen für Neueinsteiger, Informationen zu Voraussetzungen, Registrierung und zu den ersten Betreuungsschritten sowie durch Schulungen und Informationsveranstaltungen. Die nächste findet am Dienstag, 3. Februar, um 16 Uhr im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis (Kurfürsten-Anlage 38 – 40, 69115 Heidelberg) statt.
Weitere Infos unter www.rhein-neckar-kreis.de/betreuungsbehoerde; Kontakt: E-Mail: [email protected], Telefon: 06221 / 522-1479
Text und Foto: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis
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