Jüngere und Ältere sind die Verlierer auf dem Wohnungsmarkt im Rhein-Neckar-Kreis

Der angespannte Wohnungsmarkt im Rhein-Neckar-Kreis verschärft die Lage für Auszubildende und Senioren gleichermaßen und stellt Politik und Wirtschaft vor wachsende Herausforderungen. Foto IG BAU

Studie: Baden-Württemberg braucht pro Jahr 19.200 neue Sozialwohnungen

(pm 29.1.26) Bezahlbarer Wohnraum wird für junge Menschen im Rhein-Neckar-Kreis zunehmend zur Herausforderung. Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) leben viele der rund 7.470 Auszubildenden weiterhin bei ihren Eltern – oft nicht aus freien Stücken. „Eine eigene Wohnung können sich viele schlicht nicht leisten“, erklärt Wolfgang Kreis, Bezirksvorsitzender der IG BAU Nordbaden. Der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat, zeige deutlich, dass Wohnen für Auszubildende immer häufiger zum Problem werde.

Wenn Ausbildung am Wohnungsmarkt scheitert

Besonders kritisch wird die Situation, wenn fehlender Wohnraum Ausbildungswege blockiert. „Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können“, so Kreis. Wenn Ausbildungsplätze am Wohnungsmangel und an hohen Mieten scheiterten, sei eine Grenze erreicht. „Das kann sich die regionale Wirtschaft nicht leisten“, warnt der IG BAU-Bezirksvorsitzende.

Forderung nach mehr Azubi- und Studierendenwohnungen

Aus Sicht der IG BAU sind Bund und Land Baden-Württemberg gefordert, den Neubau von Azubi-Wohnungen gezielt zu fördern – insbesondere in der Nähe von Ausbildungszentren. Zusätzlich spricht sich Kreis für steuerliche Anreize aus, wenn Betriebe selbst Wohnraum für ihre Auszubildenden bereitstellen. Auch Studierende seien vom angespannten Wohnungsmarkt betroffen. Deshalb brauche es gerade in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studierendenwohnungen.

Warnung vor Wohnarmut im Alter

Neben jungen Menschen geraten auch ältere Generationen zunehmend unter Druck. Die IG BAU Nordbaden warnt vor einer wachsenden „Wohnarmut im Alter“. Im Rhein-Neckar-Kreis betrifft dies insbesondere die rund 72.200 Baby-Boomer, die nach Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 vollständig in Rente gehen werden. „Viele erhalten nur eine niedrige Rente, weil sie Phasen der Arbeitslosigkeit hatten oder jahrzehntelang zu geringen Löhnen gearbeitet haben“, sagt Kreis. In der Folge könnten sich viele ihre bisherige Wohnung im Alter kaum noch leisten und „wohnen sich regelrecht arm“.

Mieten steigen weiter – Sozialwohnungen als Schlüssel

Die IG BAU sieht eine weitere Verschärfung der Lage auf dem Wohnungsmarkt. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern“, fordert Kreis. Um bezahlbare Mieten zu ermöglichen, seien deutlich mehr Sozialwohnungen notwendig. Nur ein größeres Angebot an günstigem Wohnraum könne spürbaren Druck auf den Mietmarkt ausüben. Der Neubau von Sozialwohnungen müsse deshalb zur politischen Priorität werden.

Klare Zielmarken für Baden-Württemberg

Der „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts nennt als Ziel die Verdopplung des Sozialwohnungsbestands in Deutschland von derzeit rund einer auf zwei Millionen Wohnungen bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts. Für Baden-Württemberg bedeutet das konkret, dass bis 2035 insgesamt 224.400 Sozialwohnungen vorhanden sein müssten. Daraus ergibt sich ein jährlicher Bedarf von rund 19.200 neuen Sozialwohnungen.

Mehr Förderung und günstiger bauen

Um diese Zielmarken zu erreichen, fordert die IG BAU eine intensive Förderung durch Bund und Land. Die Bundesmittel müssten dabei bereits zu Baubeginn vollständig zur Verfügung stehen und dürften nicht über Jahre gestreckt werden. Zudem sieht die Gewerkschaft im Regelstandard „Erleichtertes Bauen“ eine Möglichkeit, Baukosten zu senken. „Einfacher bauen heißt, für das gleiche Geld mehr Sozialwohnungen zu schaffen – bei guter Qualität und niedrigen Folgekosten“, so Kreis.

Transparenz beim Sozialwohnungsbau gefordert

Abschließend spricht sich die IG BAU Nordbaden für mehr Transparenz aus. Das Land Baden-Württemberg solle eine öffentliche Statistik führen, aus der hervorgeht, wo und in welchem Umfang monatlich neue Sozialwohnungen entstehen. „Nur so lässt sich nachvollziehen, ob die notwendigen Fortschritte tatsächlich erreicht werden“, betont Wolfgang Kreis.

Text und Foto: IG BAU / Pressemitteilung

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