Nutri-Score verschärft: Was Verbraucher jetzt wissen sollten

(eme 4.2.26) Seit Januar 2026 gelten strengere Nutri-Score-Regeln. Süßstoffe werden abgewertet, Vollkorn aufgewertet – das ändert sich.

Wer in diesen Tagen durch die Regale der Supermärkte in der Region streift, dem dürften vereinzelt veränderte Nutri-Score-Bewertungen auf den Verpackungen auffallen. Seit Anfang Januar 2026 ist die Übergangsfrist abgelaufen, und alle Hersteller müssen für die freiwillige Kennzeichnung einen überarbeiteten Berechnungsalgorithmus verwenden. Was zunächst nach einer kleinen technischen Anpassung klingt, hat durchaus spürbare Auswirkungen auf die Orientierung beim Einkauf.

Die farbige Skala von A bis E soll Verbrauchern auf den ersten Blick zeigen, wie die Nährwertqualität eines Produkts einzuschätzen ist. Doch das bisherige System hatte Schwachstellen, die vielen Ernährungsexperten ein Dorn im Auge waren. Ballaststoffarmes Weißbrot etwa konnte früher mit einem besseren Score davonkommen als manches Vollkornprodukt, obwohl letzteres ernährungsphysiologisch deutlich wertvoller ist. Das hat sich nun geändert.

Vollkorn profitiert, Süßstoffe werden abgestraft
Die überarbeiteten Kriterien bewerten Ballaststoffe wesentlich positiver als zuvor. Während in der alten Berechnung bereits 4,7 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm für die beste Wertung ausreichten, sind jetzt mindestens 7,4 Gramm nötig. Vollkornbrote und andere ballaststoffreiche Lebensmittel schneiden dadurch im direkten Vergleich spürbar besser ab und können sich leichter in den grünen Bereich vorkämpfen.

Auf der anderen Seite verschärft sich die Bewertung für Produkte mit hohem Zucker- und Salzgehalt. Besonders interessant ist die neue Regelung für künstliche Süßstoffe. Getränke wie Cola Light, die bislang aufgrund des fehlenden Zuckers noch glimpflich davonkamen, werden nun mit vier zusätzlichen Negativpunkten belastet und rutschen automatisch eine Klasse schlechter. Das dürfte so manchen überraschen, der bisher dachte, mit der zuckerfreien Variante die gesündere Wahl zu treffen.
Mehr Informationen finden Sie bei Foodwatch oder der Verbraucherzentrale.

Öle und Fette in eigener Kategorie
Eine weitere Neuerung betrifft Nüsse, Saaten und bestimmte Pflanzenöle. Sie fallen nun in eine eigene Kategorie „Öle und Fette“, bei der der Anteil an gesättigten Fettsäuren stärker ins Gewicht fällt. Rapsöl, Olivenöl, Walnussöl und Nüsse mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren werden dadurch positiver bewertet, während Produkte mit vielen gesättigten Fettsäuren schlechter abschneiden. Auch proteinreiche Lebensmittel erhalten Pluspunkte – allerdings nicht, wenn es sich um rotes Fleisch handelt.​

Die Änderungen waren bereits seit Ende 2023 in Kraft, doch Hersteller konnten bis zum 31. Dezember 2025 noch nach den alten Regeln kennzeichnen. Diese Übergangsphase ist nun vorbei. Verbraucherorganisationen begrüßen die Verschärfung grundsätzlich, kritisieren allerdings weiterhin, dass der Nutri-Score auf freiwilliger Basis bleibt. Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat haben sich bislang 960 Unternehmen mit rund 1.420 Marken für die Nutzung registriert.

Kein Allheilmittel, aber nützliche Orientierung
Trotz der Verbesserungen bleibt der Nutri-Score ein vereinfachtes System. Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe oder Omega-3-Fettsäuren fließen nicht in die Bewertung ein. Auch die Herkunft der Zutaten, ob bio oder konventionell, regional oder importiert, spielt keine Rolle. Die Ampel soll in erster Linie helfen, Produkte innerhalb einer Kategorie miteinander zu vergleichen – etwa verschiedene Müslis oder Tiefkühlpizzen. Wer jedoch grundsätzlich auf frische, unverarbeitete Lebensmittel setzt, braucht ohnehin keine farbige Skala auf der Verpackung.​

In französischen Supermärkten ist der Nutri-Score seit Jahren etabliert, auch Spanien, Portugal und die Niederlande haben das System übernommen. Ob es in Deutschland irgendwann zur Pflicht wird, ist offen. Bis dahin bleibt es den Herstellern überlassen, ob sie ihre Produkte kennzeichnen wollen oder nicht. Und genau das ist das Problem: Wer ein ungünstig bewertetes Produkt verkauft, wird kaum freiwillig ein rotes E auf die Verpackung drucken.

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