Jungvogel gefunden? Nicht sofort eingreifen

Amseljunges am Boden – Foto: NABU/CEWE/Nadine Bettinghausen

Überlegtes Handeln: Braucht der Vogel wirklich Hilfe?

(nabu 19.5.26) Der Frühling und Frühsommer sind die Zeit, in der viele junge Vögel ihre Nester verlassen. Was auf den ersten Blick oft hilflos wirkt, gehört in vielen Fällen jedoch ganz natürlich zur Entwicklung der Tiere. Der NABU appelliert deshalb an die Bevölkerung, Jungvögel nicht vorschnell mitzunehmen.

Vor allem sogenannte Ästlinge sitzen häufig scheinbar allein am Boden, piepen laut und wirken schutzlos. Tatsächlich werden sie aber meist weiterhin von ihren Eltern versorgt.

Viele Jungvögel werden weiter gefüttert

Im Gegensatz zu Nestlingen haben Ästlinge das Nest bereits verlassen. Sie besitzen schon Federn und ihre Augen sind geöffnet. Trotzdem können sie oft noch nicht richtig fliegen und sind weiterhin auf ihre Eltern angewiesen.

Rebecca Strege vom NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen erklärt, dass das Bettelrufen vieler Jungvögel häufig fälschlicherweise als Hilferuf verstanden werde. In den meisten Fällen seien die Elterntiere jedoch weiterhin in der Nähe und würden ihren Nachwuchs mit Nahrung versorgen.

Wer unsicher ist, sollte deshalb zunächst Abstand halten und den Vogel etwa eine Stunde lang aus größerer Entfernung beobachten. Erst wenn in dieser Zeit keine Altvögel auftauchen, kann tatsächlich Hilfe notwendig sein.

Wann ein Jungvogel wirklich Hilfe braucht

Nicht jeder Jungvogel muss gerettet werden. Es gibt jedoch Situationen, in denen schnelles Handeln wichtig ist.

Hilfe benötigt ein Jungvogel vor allem dann, wenn:

  • es sich um einen Nestling handelt, dessen Augen noch geschlossen sind oder der kaum Federn besitzt
  • der Vogel offensichtlich verletzt ist
  • er sich an einer gefährlichen Stelle befindet, etwa auf einer Straße oder in direkter Nähe von Katzen oder anderen Beutegreifern
  • die Elterntiere über längere Zeit nicht zurückkehren

Nestlinge sollten möglichst wieder vorsichtig in ihr Nest gesetzt werden. Falls das Nest nicht gefunden werden kann, empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einer Auffangstation.

Erste Hilfe für verletzte Vögel

Ist ein Jungvogel verletzt oder geschwächt, sollte er vorsichtig in einen kleinen Karton mit Luftlöchern gesetzt werden. Küchenpapier eignet sich als Unterlage. Ein durchnässter Vogel sollte langsam gewärmt werden, beispielsweise mit einer handwarmen Wärmflasche, die in ein Handtuch gewickelt wird.

Dabei ist Vorsicht wichtig: Der Vogel darf nicht überhitzen. Hecheln oder Schwäche können Anzeichen dafür sein, dass es ihm zu warm wird.

Der NABU empfiehlt außerdem, beim Anfassen Handschuhe zu tragen.

Vogelschutzzentrum betreut jedes Jahr zahlreiche Tiere

Das NABU-Vogelschutzzentrum in Mössingen nimmt jedes Jahr mehr als 1.000 verletzte oder kranke Vögel auf. Während der Brutsaison 2023 wurden dort knapp 700 Jungvögel abgegeben.

Nach Angaben der Einrichtung war allerdings mehr als ein Viertel dieser Tiere gar nicht hilfsbedürftig. Das Zentrum bittet daher darum, Tiere nur dann mitzunehmen, wenn tatsächlich eine Notsituation vorliegt. So könne verhindert werden, dass die Station durch unnötige Aufnahmen überlastet wird.

Unterstützung für das Vogelschutzzentrum

Damit das Vogelschutzzentrum seine Arbeit auch künftig leisten kann, sind Erweiterungs- und Renovierungsmaßnahmen geplant.

Weitere Informationen sowie Möglichkeiten zur Unterstützung gibt es unter: NABU Baden-Württemberg – Vogelschutzzentrum unterstützen

Text und Foto: NABU

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