Hoffnung für den Vietnamfasan

n der Natur sind Vietnamfasane höchstwahrscheinlich ausgestorben. (Foto: Heidrun Knigge / Zoo Heidelberg)
Nachwuchs im Zoo Heidelberg und wichtige Schritte für die Wiederansiedlung
(zoo 25.5.26) Im Zoo Heidelberg gibt es derzeit gleich doppelt Grund zur Freude: Vor wenigen Tagen sind acht Vietnamfasane geschlüpft, die inzwischen bereits in der Voliere zu beobachten sind. Gleichzeitig beteiligt sich der Zoo an einem internationalen Artenschutzprojekt zur Wiederansiedlung der stark bedrohten Tierart in Vietnam. Erst kürzlich wurden 20 Vietnamfasane aus europäischen Zoos in ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet gebracht – darunter auch ein Tier, das 2022 im Zoo Heidelberg geschlüpft war.
Acht Jungvögel erkunden bereits ihre Voliere

Insgesamt acht Jungvögel können Besucher aktuell in der Voliere der Vietnamfasane beobachten. (Foto: Petra Medan / Zoo Heidelberg)
Zwischen Blättern und Ästen huschen derzeit kleine braune Federbälle durch die Anlage des Zoos. Die jungen Vietnamfasane orientieren sich aufmerksam an den erwachsenen Tieren und beginnen bereits neugierig, ihre Umgebung zu erkunden. Für Besucher sind die Jungvögel momentan besonders gut zu beobachten.
Noch sehen sich männliche und weibliche Tiere sehr ähnlich. Erst in einigen Monaten entwickelt sich bei den männlichen Fasanen das charakteristische tiefblaue Federkleid, für das die Art bekannt ist.
Eine der seltensten Vogelarten der Welt
Für den Zoo Heidelberg ist der aktuelle Nachwuchs weit mehr als nur ein erfolgreicher Zuchterfolg. Vietnamfasane gelten als eine der seltensten Hühnervogelarten weltweit. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN führt die Tiere auf ihrer Roten Liste als „akut vom Aussterben bedroht“. Der letzte gesicherte Nachweis eines wildlebenden Vietnamfasans liegt jedoch bereits mehr als 25 Jahre zurück. Deshalb wurde die Art 2024 zusätzlich als „wahrscheinlich in der Natur ausgestorben“ eingestuft.
Als Hauptursachen für den dramatischen Rückgang gelten die Zerstörung des Lebensraums, intensive Jagd sowie die Folgen des Vietnamkriegs. Damals wurden große Waldflächen durch Entlaubungsmittel wie „Agent Orange“ schwer geschädigt oder vollständig zerstört. Viele natürliche Lebensräume der Tiere gingen dadurch verloren.
Internationale Zusammenarbeit für den Artenschutz
Wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Zoos und Artenschützern inzwischen geworden ist, zeigt das Projekt „Bring Back Blue“. Vergangene Woche wurden insgesamt 20 Vietnamfasane aus europäischen Einrichtungen nach Vietnam transportiert – ein bedeutender Schritt für die Wiederansiedlung der Art.
Koordiniert wird die Zucht der Tiere im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) durch den Zoo Prag. Ziel ist es, langfristig eine genetisch vielfältige Population zu erhalten und aufzubauen. Zoologische Einrichtungen und Mitglieder der World Pheasant Association (WPA) engagieren sich bereits seit Jahrzehnten für den Schutz und die Nachzucht der seltenen Tiere.
Besonders erfreulich aus Heidelberger Sicht: Einer der nach Vietnam gebrachten Fasane stammt direkt aus dem Zoo Heidelberg. Das Tier war dort im Juni 2022 geschlüpft und unterstützt nun den Aufbau einer neuen Population im Ursprungsland der Art.
Langfristiges Ziel: Rückkehr in die Natur
In Vietnam sollen die Tiere zunächst eine stabile Zuchtgruppe bilden. Perspektivisch ist geplant, die Fasane schrittweise wieder in geeignete Waldgebiete auszuwildern. Dafür wurden in den vergangenen Jahren umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Unter anderem entstanden Schutzgebiete und spezielle Zuchtstationen, zudem wurden Konzepte für die spätere Auswilderung entwickelt.
„Solche Momente zeigen, warum eine kontinuierliche Zucht im Zusammenspiel von Privathaltern und Zoos eine so wichtige Bedeutung für den ganzheitlichen Artenschutz haben“, erklärt Vogelkurator Joshua Förg. Die Rückkehr der Fasane nach Vietnam sei nur durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit von Zoos und engagierten Züchtern möglich geworden. Besonders freue man sich darüber, dass nun auch ein in Heidelberg geschlüpfter Vogel direkt zum Erhalt seiner Art im Ursprungsland beitragen könne.
Text und Fotos: Zoo Heidelberg
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