Rekordbestand bei Weißstörchen: Mehr Brutpaare als je zuvor in Deutschland

Foto: Frank Derer / NABU

Mehr Weißstörche als vor hundert Jahren

(nabu 21.7.26) Der Weißstorch erlebt in Deutschland einen historischen Höhenflug. Nach aktuellen Schätzungen des NABU brüten in diesem Jahr bundesweit mehr als 15.000 Storchenpaare – so viele wie noch nie seit Beginn der systematischen Bestandserfassungen. Selbst vor rund 100 Jahren waren hierzulande nicht so viele Weißstörche zuhause.

Vom Sorgenkind zur Erfolgsgeschichte

Dabei galt der Weißstorch lange Zeit als bedrohte Vogelart. In den 1980er-Jahren war der Bestand auf weniger als 3.000 Brutpaare zurückgegangen. In vielen Regionen Deutschlands verschwanden die charakteristischen Großvögel sogar vollständig.

Ursachen waren vor allem der Verlust geeigneter Lebensräume, die Intensivierung der Landwirtschaft sowie die Trockenlegung von Feuchtgebieten. Auch die langen und gefährlichen Zugrouten nach Afrika setzten den Tieren zu.

Erst durch gezielte Naturschutzmaßnahmen wie die Wiedervernässung von Flächen und eine storchenfreundliche Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden konnte sich die Population langsam erholen.

Störche ändern ihr Zugverhalten

Einen entscheidenden Anteil an der positiven Entwicklung hat jedoch die bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit der Tiere. Während früher nahezu alle Weißstörche im Winter nach Afrika zogen, hat sich dieses Verhalten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert.

Heute fliegt ein Großteil der westdeutschen Störche nur noch bis nach Spanien. Dort finden die Vögel auf Reisfeldern und anderen Nahrungsflächen ausreichend Futter und sparen sich den weiten Flug über die Straße von Gibraltar nach Afrika.

Die kürzere Zugstrecke erhöht die Überlebenschancen erheblich. Zudem kehren die Tiere früher und in besserer Verfassung in ihre Brutgebiete zurück.

Storchen-Schwerpunkt wandert Richtung Südwesten

Mit dem veränderten Zugverhalten hat sich auch die Verteilung der Storchenbestände innerhalb Deutschlands verschoben. Während früher vor allem Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg als Storchenhochburgen galten, liegen die Schwerpunkte heute zunehmend im Westen und Südwesten des Landes.

Besonders viele Weißstörche brüten mittlerweile in Niedersachsen und Baden-Württemberg. Die höchste Storchen-Dichte weist aktuell Hessen auf.

Vor dem Abflug sammeln sich große Gruppen

Bevor die Reise in die Winterquartiere beginnt, lassen sich derzeit vielerorts größere Storchenansammlungen beobachten. Auf Wiesen und abgeernteten Feldern versammeln sich die Vögel in Gruppen, um Energiereserven für den Zug aufzubauen.

Bereits Anfang August machen sich die ersten Jungstörche auf den Weg. Die Altvögel folgen meist etwas später, da sie nach der kräftezehrenden Brut- und Aufzuchtzeit zunächst wieder ausreichend Nahrung aufnehmen müssen.

Erfolgreicher Naturschutz zeigt Wirkung

Die Entwicklung der Weißstorchbestände gilt als eine der größten Erfolgsgeschichten des deutschen Naturschutzes. Während viele Tierarten weiterhin unter Druck stehen, zeigt der Weißstorch, dass gezielte Schutzmaßnahmen und die Anpassungsfähigkeit einer Art gemeinsam zu einer beeindruckenden Erholung führen können.

Text und Foto: NABU / Pressemitteilung

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