Als der Mond die Sonne anknabberte: So erlebte die Region die Sonnenfinsternis
(red. 13.8.26) Fast wie 1999: Die tiefe Sonnenfinsternis begeisterte die Region

Foto: Jürgen Scheuermann
Kurz nach halb acht wurde es in Nußloch merkwürdig. Nicht dunkel, eher so, als hätte jemand an einem unsichtbaren Regler das Licht ein paar Stufen zurückgedreht. Wer gestern Abend zufällig auf den Balkon trat oder im Garten noch nach den Tomaten schaute, konnte dabei zusehen, wie sich der Mond gemächlich vor die Sonne schob – und zwar so gründlich, dass in Wiesloch und Nußloch am Ende fast 89 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt waren. Eine derart tiefe Finsternis hat unsere Region seit dem Sommer 1999 nicht mehr gesehen, und ehrlich gesagt: Der nächste vergleichbare Termin steht erst für 2081 im Kalender. Wer gestern draußen war, hat also etwas erlebt, das man nicht alle Jahre bekommt.
Begonnen hatte das Schauspiel gegen 19:21 Uhr, als der Mond von rechts unten her die Sonnenscheibe anzuknabbern begann, wie es das Haus der Astronomie in Heidelberg für unsere Gegend berechnet hatte. Bis zum Höhepunkt gegen 20:14 Uhr blieb dann nur noch eine schmale, nach oben gebogene Sichel übrig – der Rest der Sonne war schlicht weg, verschluckt vom Schatten unseres eigenen Mondes. Und weil die Sonne zu diesem Zeitpunkt kaum noch vier Grad über dem Horizont stand, kaum breiter als drei Finger, wirkte das Ganze fast schon surreal: eine glühende Sichel, tief im Westnordwesten, dort, wo sich sonst höchstens der Sonnenuntergang über der Rheinebene abspielt.

Foto: Jan Pfeifer, www.fotopfeifer.de; Sonnenfinsternis 2026
Das Wetter hätte kaum besser mitspielen können. Nach einem der heißesten Tage der Woche zog gegen Abend kaum eine Wolke auf, der Himmel blieb über weiten Teilen Baden-Württembergs praktisch wolkenlos – Bedingungen, von denen man an einem sonst eher durchwachsenen deutschen Sommer nur träumen kann. Wer sich auf einen der Weinberge rund um Nußloch gestellt hatte oder von einer der Anhöhen Richtung Wiesloch nach Westen blickte, hatte freie Sicht bis zum Horizont, und genau die braucht man bei einem derart tief stehenden Ereignis auch.
Nudelsieb schlägt Spezialbrille
Wer unserer Warnung von gestern gefolgt ist und keine zertifizierte Sonnenfinsternisbrille mehr ergattern konnte, musste trotzdem nicht auf der Terrasse sitzen bleiben. In mehreren Gärten der Gemeinde war zu beobachten, wie ganz gewöhnliche Nudelsiebe zweckentfremdet wurden – mit dem Rücken zur Sonne gehalten, warfen sie ein ganzes Feld winziger Sichelbilder auf den Boden, jedes einzelne Loch eine kleine Lochkamera. Kindern, die von ihren Schulen mit einer der über 32.000 Finsternisbrillen ausgestattet worden waren, die das Haus der Astronomie im Vorfeld an rund hundert Schulen in Heidelberg, Mannheim und dem Rhein-Neckar-Kreis verteilt hatte, blieb dieser Bastelaufwand erspart. Auch das war schön zu sehen: kleine Gruppen, die Köpfe in den Nacken gelegt, während die Erwachsenen daneben eher zögerlich zur improvisierten Camera obscura griffen.

Foto: Jürgen Scheuermann; Sonnenfinsternis 2026 , maximale Verdeckung 88%
Ganz gefahrlos war der Blick nach oben trotz der starken Verdunkelung übrigens zu keinem Zeitpunkt. Weil in Deutschland nirgendwo eine totale Finsternis zu sehen war – die zog weiter nördlich über Grönland, Island und Nordspanien hinweg –, blieb am Sonnenrand immer ein Rest übrig, der hell genug war, um ungeschützten Augen binnen Sekunden ernsthaft zu schaden. Diese Tücke wurde offenbar ernst genommen: Von Zwischenfällen ist bislang nichts bekannt, was angesichts der vielen Beobachter in der Region durchaus als kleiner Erfolg gewertet werden darf.
Gegen 20:51 Uhr verschwand die noch immer verfinsterte Sonne schließlich am Horizont, mitten im Ereignis, sodass das eigentliche Ende der Finsternis – kurz vor 21 Uhr – von hier aus niemand mehr sah. Das war fast schade, denn genau dieser Übergang von Sonnenfinsternis zu Sonnenuntergang sorgte für die eindrücklichsten Bilder des Abends: eine Sonne, die als schmale, rötlich glühende Sichel im Dunst über der Rheinebene versank, begleitet von einem seltsam gedämpften, fast bleiernen Licht, das noch lange nach Sonnenuntergang in Erinnerung bleiben wird.
Fotos: Jan Pfeifer, www.fotopfeifer.de und Jürgen Scheuermann
Ihre Fotos sind gefragt
Genau solche Bilder haben uns bereits erreicht. Jürgen Scheuermann, vielen in Nußloch durch seine private Wetterstation bekannt, hat die Finsternis von seinem Beobachtungspunkt aus dokumentiert, und auch der Wieslocher Pressefotograf Jan Pfeifer von fotopfeifer.de war mit der Kamera unterwegs, um das Schauspiel über der Region einzufangen. Beiden sei an dieser Stelle herzlich gedankt.
Und weil garantiert nicht nur die beiden gestern Abend den Auslöser gedrückt haben: Wer ein schönes Foto der Sonnenfinsternis über Nußloch, Wiesloch oder der Umgebung gemacht hat, darf es uns gerne schicken – wir freuen uns über jede Einsendung und veröffentlichen die schönsten Aufnahmen gerne in einer Fotogalerie. Einfach eine Mail mit dem Bild und, wenn gewünscht, dem eigenen Namen an redaktion@nussloch-lokal.de senden.
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