Vogel des Jahres 2027: Fünf Kandidaten stehen zur Wahl

Wer wird Vogel des Jahres 2027?

(nabu 8.9.26) Ab dem 8. September können Natur- und Vogelfreunde wieder mitentscheiden: NABU und sein bayerischer Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) starten die öffentliche Wahl zum „Vogel des Jahres 2027“. Zur Auswahl stehen Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Wasseramsel. Der Gewinner tritt die Nachfolge des aktuellen Vogel des Jahres, des Rebhuhns, an.

„Die Kandidaten zeigen, wie vielfältig unsere Vogelwelt ist: Trauerschnäpper und Mehlschwalbe ziehen im Winter nach Afrika, der Kranich nur eine kurze Strecke Richtung Süden, Kolkrabe und Wasseramsel leben ganzjährig bei uns“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler. Trotz ihrer unterschiedlichen Lebensweisen bringen alle fünf Kandidaten ein wichtiges Naturschutzthema mit und machen auf unterschiedliche Herausforderungen aufmerksam.

Kolkrabe: „Schwarze Federn, helles Köpfchen!“

Der Kolkrabe (Corvus corax) ist aus zahlreichen Märchen und Mythen bekannt. Der besonders intelligente und soziale Vogel gilt unter anderem als Götterbote, Lichtbringer und Vermittler zwischen den Welten. Weil Kolkrabenpaare ein Leben lang zusammenbleiben, wird die Art auch als Symbol der Treue gesehen.

Gleichzeitig ist der Kolkrabe nicht überall beliebt. Abschüsse und Vergiftungen bedrohen sein Leben. Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden. Beide besitzen ein schwarz glänzendes Gefieder und einen kräftigen Schnabel. Mit seiner Größe, die etwa der eines Bussards entspricht, ist der Kolkrabe der größte Singvogel der Welt.

Wahlslogan: „Schwarze Federn, helles Köpfchen!“

Kranich: „Allzeit nasse Füße!“

Mit seinem charakteristischen Trompetenruf geht der Kranich (Grus grus) ins Rennen. Der Zugvogel ist ein beeindruckender Kandidat: Mit einer Körperhöhe von bis zu 116 Zentimetern wird er sogar größer als ein Weißstorch.

Seine eleganten Balztänze im Frühjahr und der Zug in großen Keilformationen im Herbst gehören zu den spektakulären Naturschauspielen, die jedes Jahr zahlreiche Menschen begeistern. In vielen Ländern gilt der Kranich zudem als Symbol für Glück, Liebe und Frieden.

Für seine Rast und Brut ist er auf Feuchtgebiete angewiesen.

Wahlslogan: „Allzeit nasse Füße!“

Mehlschwalbe: „Auf gute Nachbarschaft!“

Die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) hat als Insektenfresser und Gebäudebrüter gleich mit zwei Problemen zu kämpfen. Der Rückgang der Insekten bedeutet für sie weniger Nahrung. Gleichzeitig gehen ihre Nistmöglichkeiten verloren.

Die Mehlschwalbe baut ihre charakteristischen halbkugelförmigen Lehmnester an den Außenwänden von Gebäuden. Bei Sanierungen werden diese Nester jedoch häufig entfernt. Die Art gilt laut Roter Liste als gefährdet.

Wahlslogan: „Auf gute Nachbarschaft!“

Trauerschnäpper: „Mach Tempo fürs Klima!“

Der Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca) ist entgegen seinem Namen ein ausgesprochen munterer Luftakrobat. Seine Nahrung fängt er häufig im Flug von einer Sitzwarte aus.

Doch auch für ihn wird die Nahrungssuche schwieriger, weil es immer weniger Insekten gibt. Hinzu kommt ein Problem, das mit dem Klimawandel zusammenhängt: Der Frühling beginnt immer früher. Wenn der Trauerschnäpper nach seinem Winteraufenthalt südlich der Sahara zurückkehrt, sind viele geeignete Baumhöhlen und Nistkästen bereits besetzt. Auch die Entwicklung der Insekten ist teilweise schon weit fortgeschritten.

Der Trauerschnäpper ist daher ebenfalls gefährdet.

Wahlslogan: „Mach Tempo fürs Klima!“

Wasseramsel: „Klarer Bach, klarer Fall!“

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) ist ein außergewöhnlicher heimischer Singvogel. Sie ist die einzige einheimische Singvogelart, die tauchen, schwimmen und sogar unter Wasser laufen kann.

Ihr überwiegend braunes Gefieder ist besonders dicht und damit optimal an ihre Lebensweise am Wasser angepasst. Die Wasseramsel brütet vor allem in Mittel- bis Süddeutschland an geröllreichen, schnell fließenden Bächen und Flüssen im Wald- und Bergland. Ihre Nester baut sie unter anderem in Uferböschungen oder Mauerlöchern.

Die Wasseramsel kann das ganze Jahr über beobachtet werden und gilt derzeit als ungefährdet.

Wahlslogan: „Klarer Bach, klarer Fall!“

Abstimmung startet am 8. September

Das virtuelle Wahllokal unter www.vogeldesjahres.de wird am 8. September um 10 Uhr freigeschaltet. Bis 15. Oktober, 11 Uhr, kann abgestimmt werden. Noch am selben Tag wird der Gewinner bekanntgegeben.

Den „Vogel des Jahres“ gibt es in Deutschland bereits seit 1971. Seit 2021 wird der Titel durch eine öffentliche Wahl vergeben. Aktueller Vogel des Jahres ist das Rebhuhn.

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