BUND findet wassergefährdende Stoffe in Kosmetikprodukten
PMT-Stoffe bei Marktrecherche in Shampoo, Duschgel, Mundspülung und Co. entdeckt
(bund 27.9.26) Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat bei einer Stichprobe wassergefährdende Stoffe in Kosmetikprodukten verschiedener bekannter Marken festgestellt. Bei zwölf untersuchten Produkten von Adidas, Balea Men, Dontodent, Fa, Garnier, Guhl, ISANA, Odol med3, Palmolive und Pantene Pro-V wurden sogenannte PMT- und vPvM-Stoffe identifiziert.
Diese Stoffe gelten als besonders langlebig und mobil. Nach Angaben des BUND können Kläranlagen sie deshalb nur schwer aus dem Abwasser entfernen. Über das Abwasser können sie in den Wasserkreislauf gelangen.
Nach einer vom BUND genannten Untersuchung enthalten etwa 6,4 Prozent der Kosmetikprodukte auf dem europäischen Markt PMT- oder vPvM-Stoffe.
Unterschiedliche Auswirkungen
Die wassergefährdenden Inhaltsstoffe wurden laut BUND unter anderem in Shampoos, Duschgelen, Mundspülungen und Haarfärbemitteln gefunden. Nach Angaben des Umweltbundesamtes haben die untersuchten PMT- und vPvM-Stoffe gemeinsam, dass sie persistent und mobil sind. Die gesundheitlichen Auswirkungen unterscheiden sich jedoch je nach Stoff.
Der UV-Filter Benzophenone-4 steht beispielsweise im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen. Der Stoff wurde laut BUND in einem Shampoo von ISANA und einem Duschgel von Palmolive gefunden.
Der Duftstoff Hexamethylindanopyran ist laut BUND sehr giftig für Wasserorganismen. Er wurde in einem Adidas-Duschgel und einem Haarserum von Pantene Pro-V identifiziert.
BUND fordert strengere Vorgaben
Der BUND fordert eine Beschränkung von PMT- und vPvM-Stoffen in Kosmetikprodukten. Außerdem soll bei der Zulassung von Kosmetikprodukten verpflichtend geprüft werden, welche Auswirkungen die Produkte auf die Umwelt haben.
„Unsere Gewässer sind ökologisch und chemisch in keinem guten Zustand. Und auch unser Grundwasser ist in vielen Regionen durch übermäßige Entnahmen akut gefährdet“, sagt Luise Körner, Teamleiterin Chemie beim BUND. Dürren und niedrige Pegelstände verschärften die Belastung mit Schadstoffen, insbesondere wenn Schadstoffe trotz Niedrigwasser in gleichbleibenden Konzentrationen eingeleitet würden.
Die Kosmetikindustrie trage Verantwortung und sollte nach Ansicht des BUND an den Kosten für die Verbesserung von Kläranlagen, die Wasseraufbereitung und die Sanierung beteiligt werden.
ToxFox soll Verbrauchern Orientierung geben
Verbraucherinnen und Verbraucher können sich laut BUND bereits heute über mögliche Schadstoffe in Kosmetik informieren. Dafür bietet der Verband die ToxFox-App an. Über einen Barcode-Scan können die Inhaltsstoffe eines Produkts geprüft werden. Über die App besteht zudem die Möglichkeit, Hersteller mit Kritik zu konfrontieren.
Der BUND verweist außerdem auf zertifizierte Naturkosmetik als Alternative. Diese setze auf pflanzliche Inhaltsstoffe, die in der Regel gut abbaubar seien.
Stichprobe im Mai 2026
Der BUND untersuchte im Mai 2026 stichprobenartig die Inhaltsstofflisten von Kosmetikprodukten in mehreren Drogerieketten mit der ToxFox-App. Grundlage der Auswertung waren vom Umweltbundesamt identifizierte PMT- und vPvM-Stoffe.
Die Identifizierung dieser Stoffe ist laut BUND bislang erschwert, weil entsprechende Daten nach der EU-Chemikaliengesetzgebung REACH bisher nicht bereitgestellt werden müssten. Ein geplantes Update der REACH-Regelungen sollte diese Datenlücke schließen. Nach Angaben des BUND wurde die Änderung jedoch mehrfach verschoben und inzwischen von der EU-Kommission gestoppt.
Auch bei der Zulassung von Kosmetikprodukten werden Umweltauswirkungen nach Angaben des BUND bislang nicht berücksichtigt.
Die neue Kommunalabwasserrichtlinie sieht vor, dass sich unter anderem die Kosmetik- und Pharmaindustrie an den Kosten für die Verbesserung von Kläranlagen zur Entfernung von Schadstoffen beteiligt. Die Höhe der Beiträge soll sich an den von den Unternehmen in Verkehr gebrachten Stoffen orientieren. Damit sollen zugleich Anreize geschaffen werden, besonders problematische Chemikalien durch umweltverträglichere Alternativen zu ersetzen.
Der BUND kritisiert, dass sowohl die Industrie als auch Polen versuchen würden, die bereits verabschiedete Regelung wieder zu kippen. Nach Einschätzung des Verbands würde dies dazu führen, dass die Kosten für Maßnahmen gegen die Verschmutzung von Gewässern bei Kommunen und Gemeinden liegen.
Bereits im April 2024 hatte der BUND nach eigenen Angaben in einem deutschlandweiten ToxFox-Test persistente Chemikalien in einem Großteil der damals untersuchten Mineral- und Leitungswasserproben gefunden.
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