„SchulePlus“ gestartet: Theodor-Heuss-Grundschule Sandhausen wird Ganztagsschule

Theodor-Heuss-Grundschule Sandhausen arbeitet jetzt als Ganztagsgrundschule

(pm 17.10.26) Mit Beginn des Schuljahres 2026/2027 ist an der Theodor-Heuss-Grundschule (THGS) ein neues Kapitel gestartet: Die Schule arbeitet nun als gebundene Ganztagsgrundschule nach dem „Sandhäuser Modell SchulePlus“. Den Anfang machen die neuen Erstklässlerinnen und Erstklässler sowie die neu eingerichtete Juniorklasse. Damit setzt die Gemeinde Sandhausen den Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Grundschulkinder um, der mit dem Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) des Bundes in diesem Schuljahr erstmals greift.

Der Start ist ein besonderer Erfolg, denn mit mehr als 520 Schülerinnen und Schülern zählt die THGS zu den größten Grundschulen Baden-Württembergs. Gleichzeitig mussten die Vorbereitungen für den Ganztagsbetrieb mit laufenden Sanierungs- und Umbauarbeiten abgestimmt werden.

Rechtsanspruch stellt Kommunen vor große Aufgaben

Das Ganztagsförderungsgesetz führt den Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Kinder im Grundschulalter schrittweise ein. Er gilt zunächst für die erste Klassenstufe und wird bis zum Schuljahr 2029/2030 auf alle Klassenstufen ausgeweitet. Vorgesehen sind acht Stunden täglich an fünf Werktagen – sowohl während der Schulzeit als auch in den Ferien. An bis zu 20 Ferientagen ist eine Schließzeit möglich. Zum Anspruch gehört außerdem ein warmes Mittagessen.

Für die Kommunen als Schulträger bedeutet dies erhebliche organisatorische, finanzielle, personelle und bauliche Herausforderungen.

„SchulePlus“ gemeinsam entwickelt

Das Konzept wurde von Schulleitung, Gemeindeverwaltung, Gemeinderat und den betroffenen Elternbeiräten in enger Zusammenarbeit erarbeitet. Bereits am 31. März 2025 hatte der Gemeinderat beschlossen, die THGS ab dem Schuljahr 2026/2027 schrittweise zur verbindlichen Ganztagsgrundschule auszubauen. Im Februar 2026 bestätigte das Gremium das pädagogische Gesamtkonzept einschließlich der Organisation des Mittagsbandes und der Mittagsverpflegung.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe genehmigte den Ganztagsbetrieb, das Kultusministerium stimmte dem pädagogischen Konzept zu.

Kern des Modells sind drei längere Schultage: dienstags, mittwochs und donnerstags verbringen die Kinder jeweils sieben Stunden in der Schule. Ergänzende, buchbare Betreuungsangebote der Gemeinde stellen sicher, dass der gesetzliche Anspruch auf acht Stunden täglich erfüllt wird. Der Schultag beginnt um 7.45 Uhr. Je nach gebuchtem Betreuungsmodell endet der Tag um 14.45 Uhr, 16 Uhr oder 17 Uhr.

Auch die Eltern unterstützen das Vorhaben: Bei einer Umfrage im Frühjahr 2025 sprachen sich mehr als 90 Prozent der Befragten für „SchulePlus“ aus oder konnten sich das Modell gut für ihr Kind vorstellen.

Schulcampus wird für den Ganztag erweitert

Eine Machbarkeitsstudie hatte gezeigt, dass die bestehenden Schulgebäude allein den Anforderungen eines Ganztagsbetriebs nicht gerecht werden. Deshalb bezog die Gemeinde das Gebäude der bisherigen Pestalozzischule in der Kirchstraße 7 in den Schulcampus ein. Die Schülerinnen und Schüler der Pestalozzischule sind in neue Räumlichkeiten am Friedrich-Ebert-Schulzentrum umgezogen. Langfristig soll so ein zusammenhängender Grundschulcampus entstehen.

Neben der laufenden Sanierung des Altbaus wurden zusätzliche Differenzierungsräume eingerichtet. Sie ermöglichen das Lernen in kleineren Gruppen, gezielte Förderangebote und eine abwechslungsreiche Gestaltung des längeren Schultages.

Auch die kommunale Schulkindbetreuung wurde modernisiert und neu organisiert. Künftig wird sie am Standort Kirchstraße 7 gebündelt. Dadurch verkürzen sich die Wege für die Kinder, Standortwechsel im Tagesverlauf entfallen und die Personal- sowie Vertretungsplanung wird erleichtert.

Interimsmensa rechtzeitig eröffnet

Eine besondere Herausforderung war die Organisation der Mittagsverpflegung. Zu Beginn der Planungen gab es weder eine Mensa noch geeignete Flächen dafür. Deshalb richtete die Gemeinde das Wichernhaus, das sie 2025 von der evangelischen Kirche erworben hatte, als Interimsmensa her. Die Arbeiten wurden zügig umgesetzt, sodass die Mensa pünktlich zum Schuljahresbeginn ihren Betrieb aufnehmen konnte.

Das Mittagsband mit Mittagessen und anschließender Pause ist ein zentraler Bestandteil des Ganztagskonzepts. Ein Caterer liefert das Essen warm an, die Ausgabe erfolgt in mehreren Schichten. Die Kinder essen in festen Tischgemeinschaften und familiärer Atmosphäre. Betreuungskräfte begleiten sie auf dem Weg zur Mensa, während des Essens und in der anschließenden Pause.

Langfristig soll die Schulverpflegung in einem Neubau auf dem Areal Hauptstraße 121 neben der ehemaligen Synagoge untergebracht werden. Die geplante Mensa ist für bis zu 600 Grundschülerinnen und Grundschüler ausgelegt und soll auch künftige Erweiterungen ermöglichen.

Lehrschwimmbecken wieder in Betrieb

Zum erweiterten Bildungsangebot am Standort gehört auch das Lehrschwimmbecken der Theodor-Heuss-Grundschule. Nachdem die in die Jahre gekommene Filtertechnik saniert worden war, konnte das Hallenbad im Juni 2026 wieder öffnen.

Außerhalb der öffentlichen Badezeiten wird es insbesondere von Schulen und Vereinen genutzt. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zur Schwimmförderung und zur Bewegungsbildung der Kinder.

Bürgermeister spricht von einem Meilenstein

„Der Start der Ganztagsgrundschule ist für Sandhausen ein Meilenstein“, betont Bürgermeister Hakan Günes. „Wir hatten eine der größten Grundschulen in Baden-Württemberg innerhalb kürzester Zeit auf den Ganztagsbetrieb vorzubereiten und das, während gleichzeitig saniert, umgebaut und umgezogen wurde. Differenzierungsräume, eine neu aufgestellte Schulkindbetreuung und eine Mensa, die es vorher schlicht nicht gab: Das war ein echter Kraftakt.“

Der Bürgermeister hebt insbesondere die Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor: „Dass alles rechtzeitig zum Schuljahresbeginn fertig war, verdanken wir einem großartigen Zusammenspiel“, so Günes weiter. „Mein herzlicher Dank gilt Schulleiter Ralph Böllinger, seiner Stellvertreterin Birgit Reichenbecher und seinem gesamten Kollegium, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Verwaltung, dem Hauptamt, Bauamt und dem Bauhof, den Betreuungskräften, den beteiligten Firmen und nicht zuletzt dem Gemeinderat, der diesen Weg mit großer Mehrheit mitgetragen hat. Ein besonderer Dank geht auch an die Eltern, die das Modell ‚SchulePlus‘ von Anfang an unterstützt haben. Wir investieren hier ganz bewusst in die Zukunft unserer Kinder und in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Schulleitung zieht positive erste Bilanz

Auch die Schule bewertet die ersten Wochen im Ganztagsbetrieb positiv. „Wir sind mit dem Start in den Ganztag rundum zufrieden“, sagt Schulleiter Ralph Böllinger. „Die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung war von Beginn an vertrauensvoll, eng und lösungsorientiert. Wann immer Fragen auftauchten, hatten wir kurze Wege und schnelle Antworten. Das ist bei einem Projekt dieser Größenordnung keineswegs selbstverständlich.“

Auch die rechtzeitige Eröffnung der Interimsmensa sei ein wichtiger Erfolg gewesen. „Alles ist reibungslos verlaufen“, so Böllinger weiter. „Besonders freut mich, dass die Interimsmensa im Wichernhaus so zeitnah an den Start gehen konnte. Das gemeinsame Mittagessen ist für unsere Kinder viel mehr als eine Mahlzeit, es ist ein Ort der Gemeinschaft, an dem sie zur Ruhe kommen und Kraft für den Nachmittag tanken. Mit den neuen Differenzierungsräumen haben wir außerdem die Möglichkeit, unsere Schülerinnen und Schüler individueller zu fördern. Mein Kollegium und ich freuen uns sehr darauf, den Ganztag in den kommenden Jahren gemeinsam weiterzuentwickeln.“

Juniorklasse unterstützt Kinder vor dem Schulstart

Neu an der Theodor-Heuss-Grundschule ist seit diesem Schuljahr auch eine Juniorklasse. Sie ist der ersten Klasse vorgeschaltet und richtet sich an Kinder, die zu Beginn ihrer Schullaufbahn in Bereichen wie Sprache, Denken, Bewegung oder sozialem Miteinander noch Unterstützung benötigen.

Die Juniorklasse gehört zur Grundschule, umfasst 31 Wochenstunden und ist Teil des Sprachförderkonzepts „SprachFit“ des Landes Baden-Württemberg. Das Staatliche Schulamt Mannheim hat ihre Einrichtung bestätigt.

Ganztagsausbau wird schrittweise fortgesetzt

Mit dem Start von „SchulePlus“ ist ein wichtiger Schritt getan, abgeschlossen ist die Entwicklung jedoch noch nicht. In den kommenden Jahren wird der Ganztagsbetrieb mit jedem neuen Jahrgang weiter ausgebaut. Zugleich laufen die Planungen für den dauerhaften Mensa-Neubau an der Hauptstraße 121, und der Grundschulcampus soll schrittweise weiterentwickelt werden.

Die Maßnahmen sind Teil der Zukunftsstrategie „Sandhausen 2040“, mit der die Gemeinde ihre Infrastruktur für kommende Generationen aufstellen will.

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