Kikusch-Jahresausstellung „Farbfinder“ zeigt die kreative Vielfalt junger Künstler
Kikusch-Jahresausstellung „Farbfinder“ begeistert mit kreativen Experimenten und Naturkunst
(pm 18.10.26) Ein riesiger Drache schwebt über den Köpfen der Besucherinnen und Besucher, ein fast wandgroßes Gemeinschaftsbild zieht in der Alten Apotheke die Blicke auf sich: Bei der Vernissage zur Jahresausstellung der Kinder- und Jugendkunstschule Kikusch unter dem Titel „Farbfinder“ gibt es in der Alten Apotheke und der ehemaligen Synagoge viel zu entdecken. Die Werke zeigen, wie vielfältig und experimentierfreudig junge Menschen mit Kunst und Natur umgehen.
Neben großformatigen Arbeiten sind in den beiden Walldorfer Galerien auch kleinere Bilder, Stickereien und Kunstwerke aus Naturmaterialien zu sehen. Besonders spannend sind die Experimente mit selbst hergestellten Farben. Im Mittelpunkt steht dabei der Färbergarten, in dem die Kinder unter anderem mit Indigo, Saflor, Schmetterlingserbsenblüten, Geranien und Heidelbeersaft experimentiert haben. Auch die unter dem Titel „Pflanzliches“ zusammengefassten Ergebnisse eines Häkelworkshops für Kinder ab acht Jahren gehören zur Ausstellung.
Natur als Quelle für Farben und Kreativität
Ein besonderer Blickfang in der Alten Apotheke ist ein nahezu wandfüllendes Gemeinschaftswerk aus der Kreativwerkstatt und dem Jugendatelier. Die Beteiligten haben dafür Farben verwendet, die aus wildem Wein gewonnen wurden, und diese mit Zusätzen wie Eisengallustinte oder Zitronensäure ergänzt. Das vielschichtige Bild eröffnet bei jedem Betrachten neue Details.
In der ehemaligen Synagoge sorgt unterdessen ein großer Drache für Aufmerksamkeit – zum Glück, ohne Feuer zu speien. Die Ausstellung verbindet solche eindrucksvollen Arbeiten mit vielen kleineren Entdeckungen und macht die Bandbreite der künstlerischen Arbeit an der Kikusch sichtbar.
Katrin Siebold würdigt Neugier und Experimentierfreude
Die ehrenamtliche Bürgermeister-Stellvertreterin Katrin Siebold sieht in der Ausstellung vor allem einen Beleg dafür, „mit wie viel Neugier, Fantasie und Begeisterung Kinder und Jugendliche an die Welt herangehen, wenn man ihnen Raum zum Entdecken gibt“. Sie überbringt die herzlichen Grüße von Bürgermeister Matthias Renschler und hebt das mit Landesmitteln geförderte Projekt „Farbfinder“ als etwas Besonderes hervor.
„Hier wird nicht einfach nur gemalt. Hier werden Farben in der Natur gesucht, Pflanzen kennengelernt, Materialien ausprobiert und Farben sogar selbst hergestellt. Dabei entstehen nicht nur Bilder, sondern auch Erfahrungen, Wissen und ganz neue Blickwinkel“, sagt Siebold.
Der Färbergarten ermögliche es den Kindern, zu forschen, kreativ zu gestalten und die Natur mit allen Sinnen zu erleben. Auch dank der Unterstützung der Stadt Walldorf könnten sie dort aus pflanzlichen Materialien eigene Farben herstellen und diese künstlerisch einsetzen. Der Garten sei damit nicht nur „ein Kreativort“, sondern auch „ein Ort der Gemeinschaft“, betont Siebold.
Kikusch hat auch zum Stadtjubiläum beigetragen
Siebold erinnert außerdem an die Beiträge der Kikusch zum Jubiläum „125 Jahre Stadtrechte“. Dazu zählen zwei Bronzereliefs, die in die Säule vor der Sparkasse eingelassen wurden, sowie die Herstellung historischer Eisengallustinte. Diese sei vermutlich auch von Großherzog Friedrich I. bei der Unterzeichnung der Stadtrechte-Urkunde im Jahr 1901 verwendet worden.
Ihr Dank gilt allen, die die Projekte und die Ausstellung ermöglicht haben: der Kikusch, ihrer Leiterin Elisabeth Kamps, den Kunstpädagoginnen und -pädagogen sowie allen Mitwirkenden und Unterstützenden – und besonders den Kindern und Jugendlichen selbst.
„Ihr zeigt mit dieser Ausstellung, wie spannend es ist, genau hinzusehen, Fragen zu stellen und aus ganz einfachen Dingen etwas Besonderes zu machen. Darauf könnt ihr wirklich stolz sein“, sagt Siebold. Den Gästen wünscht sie „schöne Gespräche und eine inspirierende Vernissage“.
„Kunst lebt vom Prozess des Werdens“
Dr. Anna Gisbertz, Leiterin der Volkshochschule Südliche Bergstraße, zu der die Kikusch gehört, freut sich über das vielfältige Engagement der Kinder- und Jugendkunstschule. Sie dankt der Stadt Walldorf für ihre Unterstützung sowie Kikusch-Leiterin Elisabeth Kamps und ihrem Team für die geleistete Arbeit.
„Kunst lebt vor allem vom Prozess des Werdens, nicht nur von den Ergebnissen“, sagt Gisbertz. Es sei „ein gutes Gefühl, etwas gestaltet zu haben“. An der Kikusch könnten alle mitgestalten, betont sie.
Färbergarten lädt zum Ausprobieren ein
Elisabeth Kamps beschreibt die Jahresausstellung als „ein bisschen andere Ausstellung“, in der zahlreiche experimentelle Arbeiten zu sehen sind. Genau darin liege das Prinzip des Färbergartens: „Es ist spannend auszuprobieren, wie man verschiedene Dinge mischt“ und welche unterschiedlichen Farben dabei entstehen.
Den Kindern, die am Projekt „Farbfinder“ beteiligt waren, gelte der größte Dank. Jeden Donnerstag sei viel gearbeitet worden. Jedes Kind habe im Färbergarten seine eigene Pflanze entdeckt, persönliche Vorlieben entwickelt und diese kreativ umgesetzt.
Kamps betont, dass das Projekt ohne die Landesförderung nicht möglich gewesen wäre. Auch der Stadt Walldorf dankt sie: Sie stellte das Grundstück zur Verfügung, auf dem vor bald drei Jahren der Färbergarten angelegt wurde, und ermöglichte den Bauwagen, der als Ort zum Forschen dient. Darüber hinaus unterstützt die Stadt das Projekt unter anderem mit der regelmäßigen Wasserversorgung. Gerade im Sommer sei es eine große Herausforderung gewesen, die Pflanzen vor dem Austrocknen zu bewahren, berichtet Kamps.
Besucher können selbst Farben herstellen
Die Ausstellung bietet nicht nur Gelegenheit zum Anschauen, sondern auch zum Mitmachen. Während der Öffnungszeiten können Besucherinnen und Besucher bei Aktionen selbst Tinten und Farben herstellen. Wer sich auf die vielen Details einlässt, entdeckt Experimente mit Eitempera und Pigmenten ebenso wie geflochtene Nester aus Weiden.
Elisabeth Kamps lädt die Gäste ein, sich Zeit zu nehmen und die Vielfalt der Arbeiten zu erkunden. Denn die Ausstellung zeigt nicht nur fertige Kunstwerke, sondern auch die Freude am Forschen, Ausprobieren und kreativen Gestalten.
Info: Jahresausstellung „Farbfinder“ der Kikusch in der Alten Apotheke und ehemaligen Synagoge bis 25. Oktober samstags und sonntags jeweils von 13 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.
Text und Foto: Stadt Walldorf
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