Warum sich die Blätter im Herbst verfärben: Kreisforstamt erklärt den Laubfall

Leuchtende Gelb-, Orange- und Rottöne prägen den Wald im Herbst. Die Verfärbung der Blätter ist dabei nicht nur ein eindrucksvolles Naturschauspiel, sondern Teil einer ausgeklügelten Überlebensstrategie der Bäume, mit der sie sich auf den Winter vorbereiten. Foto: LRA RNK
Bäume bereiten sich auf den Winter vor und gewinnen wichtige Nährstoffe zurück
(rnk 25.10.26) Wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken und morgens Nebel über den Wiesen liegt, kündigt sich der Herbst an. Auch im Rhein-Neckar-Kreis färben sich die Wälder bunt. Die Blätter leuchten in Gelb, Orange und Rot, bevor sie schließlich zu Boden fallen. Ein raschelnder Laubteppich begleitet Spaziergänge durch den herbstlichen Wald.
Hinter diesem Farbenspiel steckt jedoch mehr als ein jahreszeitliches Naturschauspiel. Der Laubabfall ist ein ausgeklügelter Überlebensmechanismus, wie das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises erklärt.
Ein Überlebensmechanismus für die kalte Jahreszeit
Wenn der Winter näher rückt, stellen Laubgehölze die Produktion von Chlorophyll ein. Dieser grüne Farbstoff ermöglicht Pflanzen die Fotosynthese und wird im Herbst nach und nach abgebaut.
Dabei gewinnen die Bäume wertvolle Nährstoffe wie Stickstoff und Magnesium aus ihren Blättern zurück. Sie speichern diese in Stamm und Wurzeln, wo sie als Vorrat für das kommende Frühjahr dienen.
Erst wenn das kräftige Grün verschwindet, werden andere Farbstoffe sichtbar. Gelbe, rote und bis blauviolette Farbstoffe sind bereits zuvor in den Blättern vorhanden, werden im Sommer jedoch vom Chlorophyll überdeckt.
Schließlich bildet sich am Blattstiel eine Trennzone, durch die sich das Blatt vom Baum löst und abfällt.
Der Blattabwurf erfüllt noch eine weitere wichtige Funktion: Bäume verlieren über ihre Blätter Wasser durch Verdunstung. Bei niedrigen Temperaturen und gefrorenem Boden können die Wurzeln jedoch kaum noch Wasser aufnehmen. Würden die Bäume ihre Blätter behalten, bestünde deshalb die Gefahr, dass sie regelrecht vertrocknen. Der Laubabwurf hilft ihnen, diesen Wasserverlust zu vermeiden.
Wenn Hitze und Trockenheit den Laubfall vorzeitig auslösen
In diesem Jahr geriet der natürliche Ablauf vielerorts durcheinander. Auffällige Blattverfärbungen und vorzeitiger Laubfall zeigten sich bereits ab Ende Juli. Häufig sind Hitze und anhaltende Trockenheit die Ursache.
Allerdings verläuft nicht jeder vorzeitige Blattverlust auf dieselbe Weise. Manche Baumarten, darunter Eichen, können über hormonelle Signale Alterungs- und Abbauprozesse in ihren Blättern einleiten.
Dieser Vorgang lässt sich als geordneter Rückzug verstehen: Der Baum verkleinert seine Blattfläche, um Wasser zu sparen. Gleichzeitig versucht er, möglichst viele wertvolle Nährstoffe aus den Blättern zurückzugewinnen und für später zu speichern.
Bei anhaltendem Trockenstress gelingt diese Nährstoffrückgewinnung jedoch nicht immer vollständig.
Blattverbrennung schädigt das Gewebe
Anders verhält es sich bei der sogenannten Blattverbrennung. Dabei werden die Blattzellen durch Hitze und Wassermangel so stark geschädigt, dass sie absterben. Das Blatt vertrocknet und stirbt ab, bevor der Baum den Abbau und die Rückverlagerung der Nährstoffe ausreichend abschließen kann.
Typische Anzeichen sind braune, trockene Blattränder und Blattspitzen. Teilweise fallen die Blätter sogar noch grün zu Boden.
Im Rhein-Neckar-Kreis ist von dieser Form der Schädigung besonders häufig die Rotbuche betroffen.
Vorzeitiger Laubfall als Warnsignal für die Zukunft
Ein früher Laubfall oder eine vorzeitige Blattverfärbung bedeutet nicht automatisch, dass ein Baum sterben wird. Darauf weist Manfred Robens, Leiter des Kreisforstamts, hin.
„Ein früher Laubfall sowie frühzeitige Laubverfärbungen bedeuten nicht automatisch, dass ein Baum sterben wird“, erklärt Robens.
Wiederholen sich Hitze- und Trockenperioden jedoch, können sie die Bäume langfristig schwächen. „Wiederholen sich solche Hitze- und Trockenphasen jedoch, kann das Folgen haben: Die Bäume verlieren Nährstoffe, betreiben weniger Fotosynthese und bilden möglicherweise im Folgejahr weniger neue Blätter. Durch die Schwächung können sie auch anfälliger für weitere Schäden werden. Der Klimawandel macht solche Situationen also zu einer wachsenden Herausforderung, denn Hitze und Wassermangel setzen die Wälder zunehmend unter Druck“, so der Leiter des Kreisforstamts.
Die Herbstfärbung zeigt die Anpassungsfähigkeit der Bäume
Die bunte Herbstfärbung ist mehr als ein schöner Anblick. Sie verdeutlicht, wie Laubbäume auf den Wechsel der Jahreszeiten reagieren und sich auf die kalte Jahreszeit vorbereiten.
Fallen Blätter allerdings bereits im Hochsommer, lohnt sich ein genauerer Blick auf die möglichen Ursachen. Ein vorzeitiger Laubfall ist nicht automatisch ein Grund zur Sorge. Häufig versucht der Baum, sich an schwierige Bedingungen anzupassen und Wasser zu sparen.
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