Gemeine Esche ist Baum des Jahres 2027

Symbolfoto: Pixabay

Heimischer Baum steht für bedrohte Auwälder

(bund 5.11.26) Die Gemeine Esche (lateinisch Fraxinus excelsior) ist zum Baum des Jahres 2027 gewählt worden. Die heimische Baumart kommt sowohl mit Feuchtigkeit und zeitweiligen Überflutungen als auch mit Trockenheit zurecht. Sie wächst unter anderem in Auenwäldern, einem besonders bedrohten Lebensraum entlang von Flüssen. Dort erfüllt sie wichtige Funktionen für die Artenvielfalt, den Klimaschutz und den Hochwasserschutz. Die Wahl traf das Kuratorium für den Baum des Jahres, dem auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) angehört.

Nicola Uhde, BUND-Expertin für Waldpolitik, begrüßt die Entscheidung: „Wir freuen uns, dass mit der Esche als Baum des Jahres 2027 eine heimische Baumart ausgewählt wurde, die uns als Baumart feuchter Standorte und Vertreterin der bedrohten Auwälder daran erinnert, wie wichtig Klimaschutz und die Renaturierung der Natur sind.“

Eschenreiche Wälder sind besonders artenreich. Die Bäume besiedeln bevorzugt feuchte und gewässernahe Standorte wie Auen. Damit sind sie wichtige Bestandteile dieser ökologisch wertvollen Lebensräume.

Eschen sind wichtige Charakterbäume der Auwälder

Wie bedroht die Flussauen in Deutschland sind, verdeutlicht eine Zahl: Nur noch rund neun Prozent der verbliebenen Auen gelten als ökologisch intakt. Die Esche gehört neben Silberweide, Stieleiche und Ulme zu den charakteristischen Baumarten dieser Wälder.

„Nur noch rund neun Prozent der verbliebenen Flussauen in Deutschland sind ökologisch intakt. Eschen sind zusammen mit Silberweide, Stieleiche und Ulme Charakterbäume der Auwälder. Wir brauchen sie, um die Vielfalt der Auen zu erhalten“, erklärt Uhde.

Eschenreiche Wälder zählen zu den artenreichsten Waldökosystemen Deutschlands. Sie bieten hunderte spezialisierte Lebensräume für Pilze, Flechten, Vögel, Insekten und Pflanzen. Die Gemeine Esche gehört zu den Baumarten mit einer mittleren Lebenserwartung und kann maximal etwa 250 bis 300 Jahre alt werden.

Hoffnung für die vom Pilz bedrohte Esche

Der Bestand der Esche in Deutschland ist seit 2002 deutlich zurückgegangen. Derzeit macht die Baumart etwa 2,5 Prozent des deutschen Waldbestandes aus. Verantwortlich für das sogenannte Eschensterben ist ein Pilz, der die Bäume befällt und insbesondere das Eschentriebsterben verursacht.

„Seit einigen Jahren setzt ein asiatischer Pilz der Esche massiv zu und verursacht das sogenannte Eschentriebsterben. Es hat sich jedoch gezeigt, dass einzelne Bäume eine natürliche Widerstandskraft gegen den Pilz haben. Diese Exemplare müssen so lange wie möglich erhalten werden. Gesunde oder nur geringfügig geschädigte Eschen dürfen nicht gefällt oder gar großflächig gerodet werden. Damit geben wir der Esche eine Chance, sich auf natürliche Weise an den Pilz anzupassen“, sagt Uhde.

Aus Sicht des BUND ist es deshalb wichtig, widerstandsfähige Exemplare zu erhalten. Sie könnten dazu beitragen, dass sich die Baumart langfristig auf natürliche Weise an den Krankheitserreger anpasst.

BUND fordert mehr Einsatz für den Schutz und die Wiederherstellung der Natur

Damit die Esche und ihr Lebensraum Auwald eine Zukunft haben, fordert der BUND von der Bundesregierung größere Anstrengungen beim Schutz und bei der Wiederherstellung natürlicher Lebensräume.

„Wenn wir unseren Flüssen wieder mehr Raum geben, Auen und andere Lebensräume renaturieren, schützen wir nicht nur Biodiversität und Klima, sondern auch unsere Lebensgrundlagen“, betont Uhde.

Der Umweltverband fordert außerdem, dass die Bundesregierung ihren Entwurf für einen wirksamen nationalen Wiederherstellungsplan für die Natur endlich bei der EU-Kommission einreicht.

Uhde kritisiert: „Es kann nicht sein, dass sich die Bundesregierung von dem lauten Getöse einzelner Interessengruppen davon abhalten lässt, zügig umzusetzen, was für die Allgemeinheit von essenzieller Bedeutung ist wie der Erhalt der Natur. Intakte Lebensräume und ihre Ökosystemleistungen wie Trinkwasser, Hochwasserschutz und ein gesundes Klima sind für uns alle überlebenswichtig. Die Verordnung für die Wiederherstellung der Natur ist keine lästige Bürokratie, sondern Teil unser aller Lebensversicherung. Das Gleiche gilt für den Klimaschutz, hier muss die Bundesregierung dringend nachlegen und auf der kommenden UN-Klimakonferenz mit gutem Beispiel vorangehen.“

Wiederherstellungsverordnung setzt verbindliche Ziele

Die Wiederherstellungsverordnung (WVO) verpflichtet die Mitgliedstaaten der Europäischen Union dazu, geschädigte Ökosysteme wieder in einen guten Zustand zu bringen und den Verlust der biologischen Vielfalt umzukehren.

Deutschland hätte den Entwurf seines nationalen Wiederherstellungsplanes bis September 2026 bei der EU vorlegen müssen. Ein Ziel der Verordnung ist es, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Lebensräume, die sich in einem schlechten Zustand befinden, wiederherzustellen. Außerdem sollen bis dahin europaweit 25.000 Kilometer Flüsse wieder frei fließen können. Der BUND fordert für Deutschland die Wiederherstellung von 2.000 Kilometern frei fließender Flüsse.

Auwälder durch Eingriffe und Klimakrise stark gefährdet

Auwälder gehören zu den besonders bedrohten Ökosystemen. Durch historische Flussbegradigungen, Kanalisierungen und den Bau von Deichen wurden zahlreiche Flüsse von ihren natürlichen Überschwemmungsflächen getrennt. Den Auwäldern fehlen dadurch die regelmäßigen Überflutungen, die für ihren Erhalt wichtig sind.

Zusätzlich setzen die Folgen der Klimakrise den sensiblen Lebensräumen zu. Längere Trockenperioden und Hitzestress führen dazu, dass die Böden austrocknen. Sinkende Grundwasserspiegel und ausbleibende Hochwasser verschärfen die Situation. Dadurch werden Auwälder anfälliger für Krankheiten.

Nach Angaben des BUND gelten mehr als 80 Prozent der Auen- und Gewässerbiotope als gefährdet. Bei 44 Prozent ist die Bestandsentwicklung weiterhin negativ.

Deichrückverlegung an der Elbe als erfolgreiches Renaturierungsprojekt

Dass die Wiederherstellung natürlicher Flusslandschaften funktionieren kann, zeigt ein Naturschutzgroßprojekt des BUND an der Elbe. Zwischen 2002 und 2011 verlegten der BUND und das Land Brandenburg bei Lenzen einen Deich zurück und gaben dem Fluss dadurch wieder mehr Raum.

Auf diese Weise konnten rund 420 Hektar ehemaliger Nutzfläche in eine naturnahe Auenlandschaft umgewandelt werden. Als erstes großes Vorhaben dieser Art in Deutschland liefert das Projekt bis heute wichtige Erkenntnisse für weitere Renaturierungsmaßnahmen.

Auch an der unteren Mittelelbe engagiert sich das BUND-Auenzentrum für die Wiederherstellung von Auenlandschaften. Neben der Deichrückverlegung bei Lenzen wurde die 420 Hektar große Halbinsel Hohe Garbe revitalisiert. Dort wächst ein alter Auwald, in den die Elbe seit 2020 wieder regelmäßig einströmt.

Darüber hinaus entsteht im Raum Rühstädt derzeit neuer Auwald. Dieser soll mittelfristig ebenfalls wieder an die Elbe angebunden werden und sich anschließend möglichst frei entwickeln können.

Quelle: BUND

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