Bechsteinfledermaus: Seltene Jägerin der Nacht an der Bergstraße

Bechsteinfledermaus bei Nachforschung auf Artnachweise der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. (Foto: Elisabeth Schüler/Veröffentlichung des Fotos im Kontext dieser PM honorarfrei)
Kreisforstamt stellt besondere Waldbewohner vor
(rnk 17.10.26) Wenn es im Wald dunkel wird, beginnt für viele seiner Bewohner der aktive Teil des Tages. Im fünften Teil der Serie „Waldtiere, die nur selten gesehen werden“ widmet sich das Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis der Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii). Die seltene Fledermausart kommt nach bestätigten Nachweisen auch im Odenwald und an der Bergstraße vor. Im Forstrevier von Walter Pfefferle in Schriesheim und Hirschberg zeigt sich, welche Bedeutung naturnah bewirtschaftete Wälder für diese Tiere haben.
Große Ohren und feine Sinne bei der Jagd
Um Fledermäuse ranken sich zahlreiche Mythen. Mit blutrünstigen Blutsaugern haben die heimischen Arten allerdings nichts zu tun. Die Bechsteinfledermaus fällt durch ihre großen Ohren und ihr langes, spitz zulaufendes Gesicht auf. Ihr Fell ist auf der Oberseite rötlich- bis gelbbraun, die Unterseite deutlich heller.
Mit einer Körperlänge von etwa fünf Zentimetern und einer Flügelspannweite von rund 25 bis 30 Zentimetern zählt sie zu den mittelgroßen Fledermausarten. Besonders auffällig sind ihre Ohren, die fast so lang wie ihr Kopf sind. Sie ermöglichen es ihr, selbst kleinste Geräusche wahrzunehmen.
Bei der Jagd nutzt die Bechsteinfledermaus nicht nur Ultraschall und Echoortung. Sie kann ihre Beute auch anhand der Geräusche aufspüren, die diese selbst verursacht. Ein Käfer, der im Laub raschelt, oder eine Spinne, die sich auf einem Blatt bewegt, bleibt der geschickten Jägerin kaum verborgen.
Zu ihrer Nahrung gehören vor allem Nachtfalter, Käfer, Mücken und andere Insekten. Manche Beutetiere sammelt sie direkt von Blättern oder vom Waldboden ab.
Warum Alt- und Totholz so wichtig sind
Die Bechsteinfledermaus ist auf strukturreiche Wälder angewiesen. „Die Bechsteinfledermaus ist eine echte Spezialistin des Waldes. Wo sie vorkommt, gibt es viele alte Bäume, unterschiedliche Strukturen und ein reiches Angebot an Insekten“, erklärt Förster Walter Pfefferle. „Die bestätigten Nachweise in den Wäldern von Schriesheim und Hirschberg sind daher ein erfreuliches Zeichen für die ökologische Qualität dieser Wälder.“
Eine wichtige Grundlage für den Schutz solcher Lebensräume ist das Alt- und Totholzkonzept des Landes Baden-Württemberg. Es hat zum Ziel, alte Bäume und abgestorbenes Holz gezielt im Wald zu erhalten. In Baumhöhlen, unter loser Rinde und im morschen Holz finden Fledermäuse, Spechte, Käfer, Pilze und zahlreiche weitere Arten Nahrung und Unterschlupf.
Für die Bechsteinfledermaus ist es besonders wichtig, Höhlenbäume zu erkennen, zu markieren und langfristig zu erhalten. Dabei wird das Forstamt von privaten Naturschützern unterstützt. Auch stehendes Totholz bietet wertvolle Lebensräume.
Im Durchschnitt wird etwa alle drei Hektar eine Habitatbaumgruppe ausgewiesen. In diesen Gruppen bleiben mehrere ökologisch wertvolle Bäume gemeinsam erhalten. So entstehen kleine Inseln, in denen sich der Wald auf natürliche Weise entwickeln kann.
Rund um das Kerngebiet der Nachweise wurden außerdem zwei größere Waldrefugien eingerichtet. Dort findet keine reguläre forstwirtschaftliche Nutzung mehr statt, sodass sich der Wald weitgehend natürlich entwickeln kann.
Geringe Fortpflanzungsrate macht die Art empfindlich
Im Winter zieht sich die Bechsteinfledermaus in geeignete unterirdische Quartiere zurück. Dazu gehören beispielsweise Höhlen, Stollen oder Keller. Im Frühjahr kehren die Weibchen in ihre Sommerlebensräume zurück und schließen sich in sogenannten Wochenstuben zusammen. Dort bringen sie in der Regel jeweils nur ein Jungtier zur Welt.
Diese geringe Fortpflanzungsrate macht die Art besonders empfindlich gegenüber Störungen und dem Verlust geeigneter Quartiere. Umso wichtiger ist es, Höhlenbäume und andere geeignete Lebensräume dauerhaft zu erhalten.
Naturnahe Wälder bieten vielen Arten Lebensraum
Die Bechsteinfledermaus bleibt meist unentdeckt und ist dennoch ein faszinierender Teil der Wälder im Rhein-Neckar-Kreis. Ihre Vorkommen in Schriesheim und Hirschberg verdeutlichen, wie wichtig alte Bäume, vielfältige Waldstrukturen und ein reiches Insektenangebot sind.
Das Alt- und Totholzkonzept trägt dazu bei, Höhlenbäume und abgestorbenes Holz als wertvolle Lebensräume zu bewahren. Davon profitieren nicht nur Fledermäuse, sondern zahlreiche weitere Waldbewohner. Wer im Wald unterwegs ist, kann durch Rücksichtnahme und einen aufmerksamen Blick dazu beitragen, diese besondere Lebensgemeinschaft zu schützen.
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