Das Gasthaus „Zur Sonne“ in Nußloch

Die „Sonne“, heute Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Hauptstraße/Werderstraße, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Das Gasthaus mit Tanzsaal und gut gehender Metzgerei war zur Jahrhundertwende ein beliebter Treffpunkt und weit über Nußloch hinaus bekannt. Besonders junge Musiker kamen von weither, um dort zu musizieren, zu tanzen und den schönen Gastwirtstöchtern den Hof zu machen. Rosa und Anna spielten ausgezeichnet Klavier, etliche Bände mit gebundenen Notenblättern sind bis heute erhalten. Auch eine den „Töchtern der Sonne“ gewidmete Komposition ist darunter, ein „Jux-Marsch“ aus dem Jahr 1902, mit dem Vermerk „Alleiniges Aufführungsrecht für Nußloch vorbehalten“. Hier ein Textauszug: „Wohin gehen wir heute, wohin gehen wir heute und noch oft? Hin nach Nußloch mit der Funkenchaise in die Sonne, hin zu Baustens, hin zu Rosa und der schönen Anna“. Mit „Funkenchaise“ ist übrigens die Straßenbahn gemeint, diese verkehrte schon seit 1901 zwischen Heidelberg und Nußloch. Die „Sonne“ wurde nach dem 1. Weltkrieg an die Gemeinde verkauft, man richtete zunächst Wohnungen ein, ab 1967 diente sie als Postamt. Das stattliche dreistöckige Haus ist noch heute, dank umfassender Renovierungen, ein markantes Gebäude in der Ortsmitte gegenüber dem Lindenplatz.

Die Fotos zeigen eine Postkarte mit der Vorderansicht der „Sonne“, ein Bild von der Metzgerei im Anbau von der Werderstraße aus gesehen und das Notenblatt vom „Juxmarsch“.

Text und Foto: Jutta Baust

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