Der Nußlocher Seidenweg – Ein historisches Zeugnis der Kurpfalz

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(eme 18.12.24) Ein faszinierendes Stück Nußlocher Geschichte verbirgt sich hinter dem sogenannten „Seidenweg“, der einst in das beste Weinbaugebiet unserer Gemeinde führte. Dieser ehemalige Feldweg verdankt seinen Namen nicht etwa der Tatsache, dass es eine seitliche Abzweigung, also ein „Seitenweg“ war, sondern den zahlreichen Maulbeerbäumen, die hier einst das Landschaftsbild prägten.
Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich in Nußloch, wie in vielen anderen klimatisch begünstigten Orten der Kurpfalz, eine bemerkenswerte Nebentätigkeit: Die Seidenraupenzucht. Kleine Bauern und Bürger betrieben diese mit Unterstützung der damaligen Kurfürsten in Heidelberg durchaus erfolgreich.
Die Anpflanzung der Maulbeerbäume ging auf eine Initiative des Kurfürsten Karl Theodor zurück, der die Seidenindustrie in der wirtschaftlich schwächelnden Pfalz und Kurpfalz etablieren wollte. Die Blätter der Maulbeerbäume dienten als Nahrung für die Seidenraupen.
Interessant ist, dass alle Personen, die sich mit der Anpflanzung und gärtnerischen Pflege von Maulbeerbäumen beschäftigten, besondere Vorrechte genossen. Als Bürger im Dienste der Seidenindustrie waren sie von herrschaftlichen Lasten und Militärdienst befreit. Diese Tradition hielt sich bis 1927, als die letzte Raupenzucht in Nußloch eingestellt wurde.
Dieser historische Wirtschaftszweig prägte nicht nur die lokale Landschaft, sondern auch die soziale und wirtschaftliche Entwicklung unserer Gemeinde nachhaltig. Der Seidenweg erinnert uns noch heute an diese bedeutende Episode der Nußlocher Geschichte.
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