Extremsommer setzt den Wäldern zu: Buchen zeigen ihre Belastungsgrenze

Flächig vertrocknete alte Buchen im Stadtwald Walldorf. Foto: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis

Extremsommer führt zu Trockenstress im Wald

(rnk 16.9.26) Mehrere Hitzewellen mit Temperaturen von bis zu 40 Grad und eine lange Dürreperiode prägen diesen Sommer. Die Folgen sind in den Wäldern des Rhein-Neckar-Kreises bereits sichtbar. An manchen Stellen verfärben sich Baumkronen, braune Blätter liegen am Boden – Erscheinungen, die normalerweise erst im Herbst zu beobachten sind. Besonders auffällig ist der frühe Blattabfall bei Buchen.

Buchen leiden besonders unter Wassermangel

Buchen benötigen viel Wasser. Bei anhaltender Hitze und Trockenheit kann der Wassertransport im Stamm zum Problem werden. Das Wasser muss von den Wurzeln bis in die Baumkrone gelangen, wo es über die Blätter verdunstet. Trocknet der Boden aus, reicht die verfügbare Wassermenge irgendwann nicht mehr aus, um den Bedarf der Blätter zu decken.

Im Leitgewebe des Holzes können dann Luftblasen entstehen. Diese sogenannte Embolie unterbricht den Wassertransport und kann dazu führen, dass die Baumkrone nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt wird.

„Wenn eine Buche im Juli und August vorzeitig Blätter verliert, ist das kein harmloser Schutzmechanismus. Zu diesem Zeitpunkt ist das Wasserpotenzial im Stamm oft bereits sehr niedrig. Die Embolie hat den Stamm dann bereits erreicht“, erklärt Forstbezirksleiter Philipp Schweigler vom Kreisforstamt Rhein-Neckar-Kreis.

Der frühe Blattabfall sei deshalb ein deutliches Zeichen für starken Trockenstress. Für die betroffenen Bäume steige das Risiko langfristiger Schäden an der Krone, abgestorbener Äste und im schlimmsten Fall des Absterbens des gesamten Baumes.

Vorzeitiger Blattverlust schwächt die Bäume

Durch den frühen Blattabfall verlieren Buchen zudem wichtige Nährstoffe. Normalerweise werden diese vor dem herbstlichen Laubfall in Stamm, Ästen und Wurzeln eingelagert. Verliert ein Baum seine Blätter bereits im Sommer, kann dieser Prozess nicht vollständig stattfinden.

Damit fehlen im folgenden Frühjahr Reserven für den neuen Blattaustrieb, das Wachstum und die Abwehr von Schädlingen. Wiederholen sich Hitze und Wassermangel im nächsten Jahr, können sich die Schäden weiter verstärken. Auch ausreichender Regen im Herbst oder Winter kann diese Belastungen nicht ohne Weiteres ausgleichen.

Eichen kommen mit Trockenheit besser zurecht

Im Vergleich zur Buche ist die Eiche besser an Hitze und zeitweise Trockenheit angepasst. Ihre tiefen Wurzeln ermöglichen es ihr, Wasser aus tieferen Bodenschichten aufzunehmen. Außerdem kann sie geschädigte Wasserleitbahnen im Stamm erneuern.

Doch auch Eichen geraten bei anhaltender Trockenheit an ihre Grenzen. Sie wachsen dann weniger, bilden weniger Laub und können durch die Schwächung anfälliger für Krankheiten und Schädlinge werden.

Unterschiedliche Belastung im Kreisgebiet

Wie stark die Bäume unter Hitze und Trockenheit leiden, hängt im Rhein-Neckar-Kreis auch vom jeweiligen Standort ab. Besonders deutlich sind die Folgen auf den sandigen Böden im Rheintal, an stark sonnenexponierten Hängen der Bergstraße sowie auf schweren, tonigen Böden im Kraichgau.

„Da bedingt durch den Klimawandel diese extremen Wetterperioden zunehmen, sind das voraussichtlich nur die Vorboten der Veränderung. Perspektivisch müssen wir mit massiven Schäden, insbesondere in unseren Buchenwäldern, im ganzen Kreisgebiet rechnen“, sagt Schweigler.

Auch scheinbar gesunde Bäume können gefährlich werden

Geschädigte Bäume können zudem vom sogenannten Grünastbruch betroffen sein. Dabei brechen Äste ab, obwohl sie noch grüne Blätter tragen. Trockenstress kann den Feuchtigkeitsgehalt und die Stabilität des Holzes verändern. Gleichzeitig kann geschädigtes oder abgestorbenes Gewebe die Belastbarkeit einzelner Äste verringern.

„Ob und wann ein solcher Ast bricht, lässt sich nicht vorhersagen. Daher können in Hitzesommern auch scheinbar gesunde Bäume ein Risiko darstellen“, warnt Schweigler.

Die Försterinnen und Förster des Kreisforstamtes kontrollieren die Wälder regelmäßig entlang öffentlicher Straßen und an Parkplätzen und sichern erkennbare Gefahrenstellen. Das Betreten des Waldes – auch entlang von Waldwegen – erfolgt grundsätzlich auf eigene Gefahr. Bei starkem Wind oder starkem Regen sollten Waldbesuchende den Wald möglichst meiden oder besonders aufmerksam und vorsichtig sein.

Waldumbau soll die Widerstandskraft stärken

Der Wald ist nicht nur ein wichtiger Lebensraum, sondern auch ein bedeutender Erholungsort. Trotz der aktuellen Belastungen arbeitet das Kreisforstamt daran, die Widerstandskraft der Wälder zu erhöhen.

Durch den gezielten Umbau hin zu vielfältigen Mischbeständen und eine Bewirtschaftung, die an die jeweiligen Standorte angepasst ist, sollen die Wälder bestmöglich auf die zunehmenden Herausforderungen des Klimawandels vorbereitet werden.

Text und Foto: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis

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