Forsteinrichtung im Rhein-Neckar-Kreis: Die Weichen für die nächsten zehn Jahre werden gestellt

Symbolfoto: Pixabay

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Wie geht es mit dem Wald im Rhein-Neckar-Kreis weiter?

(rnk 21.6.26) Vor dieser Frage stehen derzeit zahlreiche Waldbesitzer im gesamten Landkreis. Denn aktuell werden vielerorts die Forsteinrichtungen neu erstellt. Sie bilden die Grundlage für die Bewirtschaftung der Wälder in den kommenden Jahren. Da Bäume sehr alt werden, müssen Entscheidungen im Wald langfristig geplant werden. Deshalb werden alle Wälder, die in öffentlichem Besitz sind, regelmäßig eingerichtet. In der Forstwirtschaft ist eine Forsteinrichtung das zentrale Managementinstrument. Mit ihr wird eine systematische Erfassung des aktuellen Zustands des Waldes vorgenommen und es werden konkrete Bewirtschaftungsmaßnahmen im zehnjährigen Turnus festgelegt. Dieses Verfahren wird bundesweit angewendet.

Welche Ziele verfolgen die Waldbesitzenden?

Am Beginn jeder Forsteinrichtung steht die Formulierung der individuellen Eigentümerzielsetzung durch den Waldbesitzer. Denn jeder Wald ist anders und auch die Interessen der Eigentümer unterscheiden sich. Während einige besonderen Wert auf die Naherholung legen, stehen für andere die nachhaltige Holzproduktion oder der Waldnaturschutz im Vordergrund. „Die Ziele der Waldbesitzer sind die Grundlage unserer Arbeit. Erst wenn klar ist, wohin sich der Wald entwickeln soll, können wir die passenden Maßnahmen planen“, erklärt Revierleiterin Melissa Meyer. Die Ergebnisse dieser Gespräche bilden den Grundstein für die anschließende Planung.

Wie entsteht der Waldplan für die nächsten zehn Jahre?

Sind die Ziele festgelegt, beginnt die eigentliche Arbeit im Wald. Gemeinsam begehen die örtliche Revierleitung und der Forsteinrichter, ein unabhängiger Gutachter, der von der Forstdirektion Freiburg geschickt wird, die Waldflächen. Im intensiven Austausch entstehen die gemeinsamen Planungen für die nächste Dekade. Die Revierleitung bringt ihre detaillierten Ortskenntnisse ein, während der Forsteinrichter den Gesamtbetrieb und die langfristige Entwicklung im Blick behält.

„Die Revierleitungen kennen ihre Wälder oft seit vielen Jahren. Dieses Wissen ist für die Forsteinrichtung enorm wertvoll“, sagt Forsteinrichter Janus Steng. Gemeinsam werden ähnliche Waldbilder zu sogenannten Beständen zusammengefasst. Für jeden Bestand wird anschließend festgelegt, wie er in den nächsten zehn Jahren behandelt werden soll. „Die Baumartenzusammensetzung und die Baumhöhen sowie die geplante Behandlung sind die Hauptkriterien, nach welchen Bestände ausgewiesen werden“, erklärt Steng. „Nach der Festlegung des Bestandes entscheide ich gemeinsam mit der Revierleitung, was hier in Zukunft passieren soll. Beispielsweise legen wir anhand des Zuwachses fest, wie viel Holz im nächsten Zeitraum geerntet werden soll oder ob und welche Baumarten gepflanzt werden.“

Warum ersetzt Technik nicht den Blick vor Ort?

Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, nutzen die Forsteinrichter moderne technische Hilfsmittel. Auf Tablets stehen ihnen aktuelle Satellitenbilder und Luftbildaufnahmen zur Verfügung. Daraus lassen sich Baumarten und Baumhöhen ableiten. Zudem können Vorratskarten erstellt werden, die Auskunft darüber geben, wie viel Holz in einem Wald vorhanden ist. „Die digitalen Daten liefern uns eine sehr gute Übersicht und Grundlage für die Planung“, erklärt Steng. „Sie ersetzen aber niemals den Blick in den Bestand.“

Deshalb begehen Forsteinrichter und Revierleitung sämtliche Waldflächen gemeinsam zu Fuß. Die Erfahrung der Einrichter und die Ortskenntnis der Revierleitungen ermöglichen es, die digitalen Daten weiter zu präzisieren. Ergänzend werden Stichprobenmessungen durchgeführt. „Viele wichtige Informationen erkennt man erst direkt im Wald, etwa die Stabilität eines Bestandes, die natürliche Verjüngung oder naturschutzfachlich wertvolle und schützenswerte Waldstrukturen“, ergänzt Meyer. Die Ergebnisse können direkt vor Ort im Tablet erfasst werden. Dadurch entsteht eine möglichst genaue Kartierung der Waldbestände. Gleichzeitig werden die geplanten Maßnahmen für die kommenden Jahre dokumentiert. 

Was passiert, wenn die Natur andere Pläne hat?

Doch nicht jede Entwicklung lässt sich langfristig vorhersagen. „In der Natur läuft nicht immer alles nach Plan. Während des Einrichtungszeitraums kommt es leider immer wieder zu Schadereignissen, beispielsweise durch Trockenheit oder Borkenkäferbefall. In solchen Fällen können wir von der geplanten Forsteinrichtung abweichen“, erklärt Meyer. Nach der Hälfte des Forsteinrichtungszeitraums erfolgt zudem eine Zwischenrevision. Dabei wird überprüft, welche Maßnahmen bereits umgesetzt wurden und welche Entwicklungen sich ergeben haben. Falls erforderlich, werden die ursprünglichen Planungen im Rahmen der Zwischenrevision angepasst.

Angesichts von Klimawandel, Trockenheit und zunehmenden Schadereignissen kommt der Forsteinrichtung eine besondere Bedeutung zu. Sie schafft einen verlässlichen Rahmen für die Entwicklung der Wälder und hilft dabei, sie Schritt für Schritt an die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte anzupassen.

Quelle: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis

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