Gemeinsame Mitmachaktion: Raupen entdecken und melden
Gemeinsam die Artenvielfalt erforschen
(nabu 21.6.26) Mit der Mitmachaktion „Raupen entdecken und melden“ sollen Vorkommen von Raupen an Brennnesseln dokumentiert werden. Ziel ist es, mehr über die Verbreitung verschiedener Raupenarten zu erfahren und wichtige Daten für den Schutz heimischer Schmetterlinge zu sammeln.
Für mehr als 30 heimische Schmetterlingsarten ist die Brennnessel eine unverzichtbare Lebensgrundlage. Die Raupen dieser Arten haben sich auf die Wildpflanze spezialisiert und ernähren sich ausschließlich von ihr. Wo Brennnesseln wachsen, lassen sich deshalb häufig zahlreiche Raupen entdecken.
Die Aktion soll erfassen, welche Raupenarten an Brennnesseln vorkommen, wann sie auftreten und an welchen Orten sie beobachtet werden. Jede einzelne Meldung hilft dabei, das Wissen über heimische Falter zu erweitern und ihre Bestandsentwicklung besser einschätzen zu können.
Warum die Aktion wichtig ist
Brennnesseln werden häufig als störendes Unkraut angesehen und entfernt. Tatsächlich spielen sie jedoch eine wichtige Rolle für die biologische Vielfalt. Viele Insektenarten, insbesondere zahlreiche Schmetterlinge, sind auf die Pflanze angewiesen.
Für viele Raupen sind Brennnesseln die entscheidende Futterpflanze. Ohne sie könnten sich zahlreiche Arten nicht erfolgreich zu Schmetterlingen entwickeln. Mit der Meldeaktion soll deshalb nicht nur auf die Bedeutung der Brennnessel aufmerksam gemacht werden. Die gesammelten Beobachtungen helfen auch dabei festzustellen, wo Brennnesselbestände vorkommen und wie sich die Artenvielfalt entwickelt.
Durch ein möglichst flächendeckendes Monitoring können langfristige Bestandstrends erkannt und Veränderungen der Biodiversität frühzeitig festgestellt werden. Dies schafft die Grundlage für gezielte Schutzmaßnahmen.
Warum Unterstützung benötigt wird
Grundsätzlich ist bekannt, welche Schmetterlingsarten Brennnesseln als Raupenfutterpflanze nutzen. Was jedoch fehlt, sind aktuelle und flächendeckende Daten zur Entwicklung der Bestände.
Schmetterlinge reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen ihrer Umwelt und gelten deshalb als wichtige Bioindikatoren. Ein Rückgang ihrer Bestände kann auf verschiedene Probleme hinweisen, darunter Lebensraumverlust, der Einsatz von Pestiziden, Umweltverschmutzung oder die Auswirkungen des Klimawandels.
Viele Schmetterlingsarten benötigen nicht nur blütenreiche Pflanzen als Nahrungsquelle für die erwachsenen Tiere. Ebenso wichtig sind geeignete Futterpflanzen für die Raupen. Für zahlreiche Arten übernimmt die Brennnessel genau diese Funktion.
Besorgniserregend ist, dass selbst ehemals häufige Arten in vielen Regionen rückläufig sind. Dies gilt als Hinweis auf einen allgemeinen Verlust biologischer Vielfalt. Um solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, werden möglichst viele Beobachtungsdaten benötigt.
So geht es den heimischen Schmetterlingen
Da Schmetterlinge während ihrer Entwicklung mehrere empfindliche Lebensstadien durchlaufen, reagieren sie besonders sensibel auf Umweltveränderungen. Ihr Rückgang wird daher als wichtiger Indikator für ökologische Probleme betrachtet.
Die vom Bundesamt für Naturschutz und dem Rote-Liste-Zentrum veröffentlichte Rote Liste der Tagfalter und Widderchen zeigt die Entwicklung deutlich. Von den 207 in Deutschland etablierten Arten gelten inzwischen 103 Arten als bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben. Lediglich 31 Prozent der Arten werden derzeit als ungefährdet eingestuft. Elf Prozent stehen auf der Vorwarnliste, zwölf Prozent gelten als extrem selten und vier Prozent konnten aufgrund fehlender Daten nicht bewertet werden.
Insgesamt sind 63 Prozent der einheimischen Arten langfristig zurückgegangen. Eine langfristige Zunahme konnte dagegen lediglich bei zwei Prozent der Arten festgestellt werden.
Blüten allein reichen nicht aus
Tagfalter profitieren in Gärten zwar von einem vielfältigen Angebot an nektarreichen Blütenpflanzen. Für stabile Bestände reicht dies jedoch nicht aus.
Zusätzlich werden möglichst einheimische Wildpflanzen benötigt, die den Raupen als Nahrungsquelle dienen. Gerade die Brennnessel spielt dabei für viele Arten eine zentrale Rolle.
So können Interessierte mitmachen
Nach Raupen an Brennnesseln suchen
Wer im Garten, Park oder in der freien Natur unterwegs ist, kann gezielt Brennnesselbestände untersuchen. Besonders in den Sommermonaten entwickeln sich diese Pflanzen häufig zu echten Raupen-Hotspots.
Raupen fotografieren
Wird eine Raupe entdeckt, sollte sie möglichst fotografiert werden. Ideal sind Nahaufnahmen bei gutem Tageslicht. Die Bilder erleichtern später die genaue Bestimmung der Art.
Raupen bestimmen
Anhand von Bestimmungshilfen oder Artporträts können die Raupen identifiziert werden. So lässt sich herausfinden, zu welchem Schmetterling sie später werden.
Beobachtungen melden
Die Funde können anschließend über ein Online-Meldeformular eingereicht werden. Fotos können hochgeladen werden, eine Meldung ist jedoch auch ohne Bild möglich.
Tipps für die Beobachtung
Die an Brennnesseln lebenden Raupen treten häufig in zwei unterschiedlichen Entwicklungsstadien auf. Zu Beginn leben viele Raupen gemeinsam in sogenannten Raupenspiegeln oder Gespinsten. Diese Ansammlungen bieten Schutz vor Fressfeinden.
Später verteilen sich die größeren Raupen auf einzelne Blätter der Pflanze. Dabei können an einer Brennnessel zahlreiche einzelne Raupen gleichzeitig vorkommen.
Die Tiere halten sich sowohl auf der Ober- als auch auf der Unterseite der Blätter auf. Es lohnt sich daher, die Pflanzen genau zu betrachten und auch die Blattunterseiten zu kontrollieren. Einige Raupen sitzen tagsüber bevorzugt an Stängeln oder frischen Trieben. Die Raupe des Admirals lässt sich häufig in zusammengerollten oder welken Blättern entdecken.
Brennnesselfalter kennenlernen
Schmetterlinge, deren Raupen überwiegend an Brennnesseln leben, werden als Brennnesselfalter bezeichnet. Viele von ihnen entwickeln sich zu den farbenprächtigsten Tagfaltern Deutschlands und gehören zur Familie der Edelfalter.
Im Rahmen der Aktion stehen insbesondere die fünf häufigsten Arten im Fokus. Sie zeigen eindrucksvoll, welche wichtige Rolle die Brennnessel für die heimische Artenvielfalt spielt und wie eng das Überleben vieler Schmetterlinge mit dieser oft unterschätzten Wildpflanze verbunden ist.
Kurz-URL: https://nussloch-lokal.de/?p=196045



























