Großbritannien plant erste rauchfreie Generation
Tabakverkauf für Jahrgänge ab 2009 dauerhaft verboten
(mar 15.2.26) Im Vereinigten Königreich steht ein weltweit beachtetes Gesetzesvorhaben kurz vor dem Abschluss: Ab 2027 soll der Verkauf von Tabakwaren an alle Personen verboten werden, die im Jahr 2009 oder später geboren wurden. Das sogenannte Modell der „rauchfreien Generation“ sieht vor, dass das gesetzliche Mindestalter für den Tabakkauf jedes Jahr um ein weiteres Jahr angehoben wird. Für die betroffenen Jahrgänge bliebe der Kauf von Zigaretten damit lebenslang illegal.
Die entsprechende „Tobacco and Vapes Bill“ hat das Unterhaus bereits passiert und wird derzeit im House of Lords beraten. Aufgrund breiter parteiübergreifender Unterstützung gilt die Verabschiedung als sehr wahrscheinlich.
Deutlicher Rückgang der Raucherquote erwartet
Forschende der University of Nottingham haben in einer Modellrechnung untersucht, welche Auswirkungen das Gesetz langfristig haben könnte. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Tobacco Control veröffentlicht.
Demnach könnte die Raucherquote unter 12- bis 30-Jährigen bereits im Jahr 2049 auf unter fünf Prozent sinken. Ohne das Gesetz würde sich der Anteil laut Modell bei etwas über elf Prozent stabilisieren. Die symbolische Fünf-Prozent-Marke würde damit Jahrzehnte früher erreicht als ohne staatliches Eingreifen.
88.000 zusätzliche gesunde Lebensjahre – konservativ gerechnet
In der gesundheitsökonomischen Bewertung prognostizieren die Forschenden bis 2075 einen Zugewinn von mindestens 88.000 sogenannten qualitätskorrigierten Lebensjahren (QALYs). Diese Kennzahl berücksichtigt nicht nur die reine Lebensdauer, sondern auch die Lebensqualität in gesundheitlicher Unversehrtheit.
Dabei wurden künftige Gesundheitsgewinne mit einem jährlichen Abschlag von 3,5 Prozent abgezinst – ein in der Politik übliches Verfahren, bei dem kurzfristige Effekte stärker gewichtet werden als langfristige. Ohne diese Abwertung läge der tatsächliche Gewinn bis 2075 bei rund 376.000 gesunden Lebensjahren.
Größter Effekt liegt noch in der Zukunft
Ein wesentlicher Teil der positiven Effekte dürfte sogar erst nach 2075 sichtbar werden. Personen, die 2009 geboren wurden, wären zu diesem Zeitpunkt erst 66 Jahre alt. Da viele tabakbedingte Erkrankungen und Todesfälle vor allem im höheren Lebensalter auftreten, entfaltet das Gesetz seine volle gesundheitliche Wirkung voraussichtlich erst in den darauffolgenden Jahrzehnten.
Soziale Ungleichheit könnte abnehmen
Die Studie zeigt zudem, dass besonders sozial benachteiligte Gruppen profitieren dürften. Rund 30 Prozent der zusätzlich gewonnenen gesunden Lebensjahre entfallen auf das Fünftel der Bevölkerung, das in den ärmsten Wohngegenden lebt. Da Rauchen dort überdurchschnittlich verbreitet ist, könnte das Gesetz zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheiten beitragen.
Allerdings bleibt eine relative Ungleichheit bestehen: In besonders benachteiligten Vierteln dürfte die Raucherquote erst um 2059 unter fünf Prozent fallen – etwa zehn Jahre später als im Durchschnitt. Auch zwischen Männern und Frauen zeigen sich zeitliche Unterschiede.
Vorsichtige Modellannahmen – dennoch klare Effekte
Interessant ist, dass die Forschenden konservativ gerechnet haben. Während Regierungsmodelle von einem jährlichen Rückgang der Neueinstiege um 30 Prozent ausgehen, kalkulierte das Team aus Nottingham lediglich mit fünf Prozent pro Jahr. Trotz dieser zurückhaltenden Annahmen zeigen sich deutliche gesundheitliche Gewinne.
Hazel Cheeseman von Action on Smoking and Health spricht von einer historischen Chance, die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern. Auch Studienleiter Nathan Davies betont jedoch, dass der Erfolg maßgeblich von der konsequenten Umsetzung und gezielten Unterstützung von Risikogruppen abhängen werde.
Sollte das Gesetz wie erwartet verabschiedet werden, könnte das Vereinigte Königreich international eine Vorreiterrolle im Kampf gegen tabakbedingte Krankheiten einnehmen.
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