Neuer KI-Sensor soll Reifenabrieb deutlich reduzieren

Symbolfoto: Pixabay

Weniger Reifenabrieb und Mikroplastik: Neuer KI-Sensor für große Reifen

Reifenabrieb zählt zu den größten Quellen für Mikroplastik in der Umwelt in Deutschland entstehen dadurch jährlich rund 100.000 Tonnen feinster Partikel, die Böden und Gewässer belasten. Ein neues Forschungsprojekt setzt nun auf digitale Technik statt allein auf veränderte Gummimischungen: Ein Sensor im Reifen und Künstliche Intelligenz sollen den Verschleiß bei Lkw und großen Nutzfahrzeugen spürbar verringern.

Forschungsprojekt KI-RAM aus Halle

Das Projekt mit dem Namen „KI-RAM“ verfolgt einen innovativen Ansatz. Beteiligt sind unter anderem das in Halle (Saale) ansässige Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen sowie die Rösler Tyre Innovators GmbH & Co. KG. Ziel ist es, Abrieb nicht nur materialtechnisch, sondern datenbasiert zu reduzieren.

Herzstück der Entwicklung ist ein nachrüstbarer Sensor, der direkt im Reifen sitzt. Er misst während der Fahrt kontinuierlich die Profiltiefe. Das Bauteil besteht aus einem runden Sensorkopf mit Sendeeinheit sowie einem Fühler, der ins Reifenprofil ragt. Entwickelt wurde das System speziell für den Schwerlastverkehr und bereits in Feldversuchen mit Kommunalfahrzeugen getestet.

Datenanalyse statt Schätzungen

Die eigentliche Innovation liegt jedoch nicht allein im Sensor, sondern in der Auswertung der Daten. Reifenverschleiß verläuft nicht gleichmäßig, sondern hängt von vielen Faktoren ab: Beladung, Wetterbedingungen, Straßenbelag, Reifendruck und Fahrweise beeinflussen die Abnutzung erheblich.

Eine KI-gestützte Software verknüpft die Sensordaten mit Informationen zu Strecke, Fahrzeugzustand und Witterung. So erkennt das System, unter welchen Bedingungen der Abrieb besonders hoch ist. Speditionen können Wartungsintervalle dadurch präziser planen. Reifen werden nicht mehr nach starren Zeit- oder Kilometerangaben gewechselt, sondern bedarfsgerecht. Das spart Kosten und schont Ressourcen.

Verkehrsfluss als Einflussfaktor auf den Reifenabrieb

Nicht nur Fahrzeugtechnik und Materialqualität bestimmen den Verschleiß, sondern auch die Verkehrssituation. Häufiges Bremsen und Anfahren im Stop-and-go-Verkehr erhöht den Abrieb deutlich – ein Effekt, der nicht nur im Güterverkehr, sondern auch bei vielen Pendlern im Berufsalltag sichtbar wird. Gleichmäßige Fahrten auf gut ausgebauten Fernstraßen schonen hingegen das Material. Für Logistikunternehmen wie für Pendler gilt daher: Wer Staus vermeidet und auf konstante Fahrweise setzt, verlängert die Lebensdauer der Reifen und reduziert gleichzeitig die Entstehung von Mikroplastik im Straßenverkehr.

Umweltschutz durch Effizienz

Der Sensor selbst verhindert den Abrieb nicht direkt. Der ökologische Effekt entsteht durch eine optimierte Nutzung der Reifen. Unternehmen können gezielt jene Modelle einsetzen, die auf bestimmten Routen besonders langlebig sind. Längere Haltbarkeit bedeutet weniger Abrieb pro Kilometer – und damit weniger Mikroplastik in der Umwelt.

Zudem hilft das System, problematische Faktoren wie falschen Reifendruck frühzeitig zu erkennen. Nach Einschätzung von Paul Rösler, Geschäftsführer von Rösler Tyre Innovators GmbH & Co. KG, können die nachrüstbaren Sensoren in Kombination mit KI-basierter Software einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung verkehrsbedingter Mikropartikelemissionen leisten.

Ein weiterer Vorteil

Die erhobenen Daten bleiben im Unternehmen. Speditionen können das System individuell an ihre Flotten anpassen. Langfristig sollen die Erkenntnisse auch Reifenherstellern helfen, robustere und langlebigere Produkte zu entwickeln.

Quelle: mdr-Wissen

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