Sandhausen: Rat stimmt für Abbruch der ehemaligen Dorfschänke

Gemeinderat beschließt Ortskern-Entwicklung und Schul-Umbau

In der jüngsten und zugleich letzten Gemeinderatssitzung des Jahres stand ein umfangreicher Beschlussmarathon auf dem Plan. Bei einer Gegenstimme wurde der Beschlussvorschlag zur weiteren Vorgehensweise der Ausschreibung des Nahwärmenetzes „Große Mühllach“ mehrheitlich angenommen. Bereits in der Novembersitzung der gemeinderätlichen Ausschüsse hatten Janis Gersemann von Gersemann Rechtsanwälte aus Freiburg und Dr. Stephan Richter von GEF Ingenieure AG aus Leimen die Fortsetzung des Vergabeverfahrens und die Festlegung der Zuschlagskriterien vorgestellt. Überdies wurden die möglichen Standorte für zu bauende Wärmeerzeugungsanlagen dargelegt und zur Diskussion gestellt. Die Ausschüsse sprachen dem Gemeinderat ihre Empfehlung zur Zustimmung der Gestaltung der Ausschreibung, der Zuschlagskriterien und dem Standort für die neue Heizzentrale aus. Der Gemeinderat ermächtigt die Gemeindeverwaltung, auf dieser Grundlage das Verhandlungsverfahren zu eröffnen und so das Vergabeverfahren fortzuführen. Die finanziellen Mittel für die Ausschreibung sowie Vergabe sind im Haushalt 2026 bereits vorgesehen.

Der Umzug steht fest: Die Pestalozzischule zieht in die Systemmodule auf dem Campus des Friedrich-Ebert-Schulzentrums.

Abbruch baufälliger Liegenschaften und Schulentwicklung

Einstimmig sprach sich der Gemeinderat für den Abbruch des gemeindeeigenen Wohnhauses in der Johann-Nikolaus-Kolb-Straße 34 aus. Ortsbaumeister Benjamin Wiegand erläuterte, dass sich das Gebäude seit den 1920er-Jahren im Besitz der Gemeinde befinde und sich aufgrund seines schlechten baulichen Zustands nicht veräußern ließe. Zwei Ausschreibungsrunden zum Bodenrichtwert seien erfolglos geblieben. Um weiteren Verfall zu verhindern, sei der Abbruch die sinnvollste Lösung.

In Hinblick auf die Weiterentwicklung des Grundschulstandortes und des zeitlichen Drucks zur Umsetzung des ab dem Schuljahr 2026/2027 geltenden Ganztagsbetreuungsanspruchs beschloss der Gemeinderat die Umbaumaßnahmen an den Systemmodulen im Friedrich-Ebert-Schulzentrum in Vorbereitung auf den Umzug der Pestalozzischule einstimmig bei zwei Enthaltungen. Zur Umsetzung dieses Anspruchs werden die Schulräumlichkeiten der Kirchstraße zwingend für die Erweiterung der Theodor-Heuss-Grundschule benötigt. Die Vorplanung erfolgte in intensiver Abstimmung mit der Leitung der Pestalozzischule.

Abbruch der ehemaligen Dorfschänke: Das Gebäude wird schon seit mehreren Jahren nicht mehr genutzt und eine Sanierung sei wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Gesamtkonzept für den Ortskern und das Areal „Dorfschänke“

Geschlossen einstimmig votierte der Gemeinderat für die weitere Vorgehensweise zur Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes für die Areale „Dorfschänke“ sowie „Haupt-, Schul- und Waldstraße“. In den vergangenen Jahren gab es bereits diverse Anläufe zur Weiterentwicklung des Areals „Dorfschänke“, die sich jedoch aufgrund verschiedener Hürden nicht sinnvoll finalisieren ließen. Durch mehrere Grundstückskäufe der Gemeinde stehen nun zwei mittelbar benachbarte Entwicklungsflächen mit einer Gesamtgröße von über 5.600 Quadratmetern zur Verfügung, die künftig gemeinsam betrachtet werden sollen. In der Klausurtagung des Gemeinderates Anfang November wurden diese Flächen in den Gesamtzusammenhang der Ortsentwicklung „Sandhausen 2040“ eingeordnet. Frau Becker von Studio metris skizzierte den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern kurz die Ergebnisse der Klausur, die die Potenziale für einen zukunftsfähigen Ortskern der Hopfengemeinde im Fokus hatte.

Bürgermeister Hakan Günes betonte in diesem Zusammenhang, wie wichtig für Projekte dieser Dimension die erste Phase sei, in der zunächst gemeinsam die Bedarfe abgesteckt werden müssen, um eine sinnvolle weitere Planung darauf aufbauend ausarbeiten zu können. Ein derart großes Areal im Ortskern zur Verfügung zu haben, eröffne enormes Entwicklungspotenzial für Sandhausen, von dem andere Gemeinden in gleicher Größe nur schwärmen können. Die Einbeziehung der Bevölkerung in die Bedarfsermittlung ist dem Gemeinderat ein wichtiges Anliegen. Die Verwaltung schlug dem Gemeinderat auf dieser Grundlage vor, den erarbeiteten Vorgehensprozess für die Erarbeitung des räumlich-inhaltlichen Gesamtkonzeptes zu beschließen. Die erste Phase soll im ersten Halbjahr 2026 unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger beginnen. In Hinblick auf die weitere Vorgehensweise zur Weiterentwicklung des Ortskerns stimmte der Gemeinderat ebenfalls einstimmig dem Abbruch des Gebäudes der ehemaligen Dorfschänke in der Schulstraße 15 zu. Das Gebäude würde schon seit mehreren Jahren nicht mehr genutzt und eine Sanierung sei wirtschaftlich nicht sinnvoll. Die früheren Vereinsnutzungen wurden in andere Liegenschaften verteilt und sollen in der sanierten Festhalle eine neue Heimat finden.

Pachtvertrag SV Sandhausen und Fazit zum Verkehrsversuch

Im Juli 2025 wandte sich der SV Sandhausen 1916 e.V. an die Gemeindeverwaltung und bat um die Erweiterung des „Grundstücksüberlassungs- und Pachtvertrages“, welcher sich auf das Areal des sogenannten Business-Towers und diesen selbst bezieht. Der ursprüngliche Vertrag aus dem Jahr 2016 enthält eine Pachtregelung, die lediglich für die zweite sowie die dritte Bundesliga festgelegt worden war. Der Nachtrag schließt nun auch die Regionalliga ein und stellt somit lediglich eine Änderung der Vertragsmodalitäten dar, an denen die Gemeinde Sandhausen selbst nicht beteiligt ist. Der Gemeinderat stimmte dem Nachtrag einstimmig zu.

Anschließend widmete sich der Gemeinderat dem Verkehrsversuch in der Hauptstraße, der zum 31. Dezember 2025 endet. In den vergangenen sieben Monaten konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Im Rahmen der Überlegungen zur Umsetzung der Ganztagsgrundschule wurde auch die Verkehrswegeführung am Lège-Cap-Ferret-Platz für die Schulkinder bewertet. Die Zahlen ergaben eine Verkehrsbelastung von 11.300 Fahrten am Tag sowie eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 50,1 % in der 30 km/h Zone. Durch den Versuch ist eine deutliche Verbesserung eingetreten: Die Geschwindigkeiten reduzierten sich, die Verkehrsbelastung nahm ab und Linienbusse können ungehindert aneinander vorbeifahren. Auch die Verlegung der Hol- und Bringzone in die Straße „Hinterm Haag“ hat sich bewährt. Der Gemeinderat stimmte mehrheitlich der Fortführung des Verkehrsversuchs im Jahr 2026 und dem Erwerb der aktuellen Ampelanlage für einen Restwert von 16.800 Euro zu, um die monatliche Leihgebühr von 5.000 Euro einzusparen.

Text und Foto: Gemeinde Sandhausen

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