Tag der biologischen Vielfalt: Schatzkammer Auen-Wildnis

Symbolfoto: Pixabay

BUND: Artenreiche Lebensräume schützen | BUND-Themenpaket Wildnis

(bund 21.5.26) Wenn ein Fluss ungehindert über seine Ufer treten kann und menschliche Nutzung in seinen Auen ausbleibt, entsteht Wildnis. Helle Sandbänke, dichte Wälder, frisch gefüllte Tümpel und bunte Wiesen wechseln sich ab. Dieses dynamische Mosaik ist einer der artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas und daher für den Erhalt der biologischen Vielfalt immens wichtig. Darauf weist der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) anlässlich des Tags der Biodiversität am 22. Mai hin.

Meike Kleinwächter, Leiterin des BUND-Auenzentrums: „Intakte Auen sind ein wahrer Hotspot der Biodiversität. Wenn die Natur entscheidet, was entsteht, was bleibt und was geht, dann haben wir in Flussauen eine Dynamik und Vielfalt wie sonst nirgends in unseren Breiten. Das Wasser verändert die Landschaft ständig und schafft neue Lebensräume. Viele Tiere und Pflanzen sind an diese Veränderungen angepasst und brauchen sie zum Leben.“

Hochwasser- und Klimaschutz sind weitere wichtige Funktionen wilder Auen: Wie ein Schwamm nehmen sie Wasser bei Überflutungen auf und geben es bei Trockenheit wieder an die Umgebung ab. Feuchte Böden und naturnahe Wälder speichern Kohlenstoff in großen Mengen und wirken kühlend auf ihre Umgebung. Pflanzen und Böden in Auen filtern Nährstoffe, Schadstoffe und Sedimente und reinigen so das Wasser.

In Zeiten von Arten- und Klimakrise ist Auewildnis besonders wichtig

An der Elbe arbeitet das BUND-Auenzentrum entlang von 70 Fluss-Kilometern daran, wieder Wildnis zu schaffen. In der Lenzener Deichrückverlegung – die erste dieser Größe in Deutschland – kann die Elbe zum Beispiel seit 2011 ihre Auen auf 420 Hektar wieder frei gestalten. Biber, Braunkehlchen und Moorfrösche finden hier einen Lebensraum. Beim Jahrhunderthochwasser 2013 nahm das Gebiet so viel Wasser auf, dass es die Hochwasserspitze um bis zu einen halben Meter verringerte und so auch die Stadt Wittenberge vor Überflutung schützte.

Kleinwächter: „Unsere Untersuchungen zeigen zudem: Während der Dürren in den vergangenen Jahren brüteten fast ausschließlich im Bereich der Lenzener Deichrückverlegung die seltenen Braun- und Blaukehlchen, in der Umgebung waren sie so gut wie gar nicht nachzuweisen. Solche Oasen helfen den Arten also, schwierige Zeiten zu überstehen und können bei besseren Bedingungen zur Wiederbesiedlung der umliegenden Landschaft beitragen.“

Außerdem bietet Auenwildnis Kinderstuben für Fische sowie Laichplätze für Amphibien. In alten Baumhöhlen sind seltene Spechte und Fledermäuse zu Hause, Seeadler und Schwarzstorch nutzen die Baumkronen für ihre Nester. Auch Biber und Fischotter leben hier, ebenso zahlreiche Libellenarten. Zudem sind sie wichtige Rastplätze für Zugvögel.

Kleinwächter: „Über viele Jahrzehnte wurden Flüsse begradigt und eingedeicht. Dadurch gingen wertvolle Auen verloren – mit Folgen für Mensch und Natur: Hochwasser können stärker ausfallen, das Grundwasser sinkt und Landschaften trocknen aus. Intakte Auen und wilde Flusslandschaften wirken dem entgegen. Sie speichern Wasser, stabilisieren den natürlichen Wasserkreislauf und helfen, Extremereignisse abzumildern. An der Elbe setzen wir deshalb gezielte Impulse und pflanzen Bäume für den Auwald der Zukunft. Langfristig soll sich die Natur hier wieder möglichst frei entwickeln können.“

Hintergrund:

Als Wildnis gilt eine Auenlandschaft, die vor dem Deich direkt mit dem Fluss verbunden ist. Sie sollte mindestens 500 Hektar groß und frei von Land- und Forstwirtschaft sowie fischereilicher Nutzung sein. Außerdem muss sie sich völlig frei entwickeln können, der Mensch greift nicht mehr ein.

An der unteren Mittelelbe hat das BUND-Auenzentrum neben der Lenzener Deichrückverlegung auch die 420 Hektar große Halbinsel ‚Hohe Garbe‘ revitalisiert. Dort wächst ein alter Auwald, in den die Elbe seit 2020 wieder regelmäßig einströmt. Außerdem entsteht im Raum Rühstädt derzeit neuer Auwald, der mittelfristig ebenfalls wieder an die Elbe angebunden werden und sich frei entwickeln soll.

Der Internationale Tag der biologischen Vielfalt wird jedes Jahr am 22. Mai begangen. Die Vereinten Nationen haben ihn im Jahr 2000 ins Leben gerufen; Ziel ist es, auf die Bedeutung der Biodiversität, also auf die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, Genen und Lebensräumen, aufmerksam zu machen. Weltweit sollen Menschen und Regierungen sensibilisiert werden für den Schutz dieser Vielfalt, denn sie ist eine wichtige Grundlage für sauberes Wasser, Nahrung, Gesundheit und ein stabiles Klima.

Der BUND setzt sich gemeinsam mit anderen Naturschutzorganisationen für mehr Wildnis in Deutschland ein: Die Initiative Wildnis in Deutschland, mitgegründet von BUND und BUNDstiftung, fordert mindestens zwei Prozent Wildnisflächen in Deutschland. Eine Studie der Initiative hat allein auf öffentlichen Flächen ein Wildnispotenzial von 1,67 Prozent der Landesfläche – zusätzlich zu den bisher vorhandenen 0,62 Prozent – identifiziert.

Quelle: BUND

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