Woche der Demenz 2026: Drei Kommunen setzen auf Begegnung
Aktionswoche will aufklären und Begegnungen schaffen

Elke Menrath, Annegret Sonnenberg, André Hieke und Andrea Münch (li.) freuen sich auf eine vielfältige und informative Woche der Demenz. Foto: Stadt Walldorf
(mar 18.9.26) Vom 21. bis 27. September findet wieder die Woche der Demenz statt. Walldorf, Wiesloch und Nußloch beteiligen sich bereits zum dritten Mal gemeinsam an der Aktionswoche und wollen damit für ein demenzfreundliches Miteinander sensibilisieren. Zahlreiche Veranstaltungen und Angebote sollen informieren, Betroffene und Angehörige unterstützen und Begegnungen ermöglichen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Demenz besser gestaltet werden kann. Motto in diesem Jahr: „Demenz – (k)eine Frage des Alters“.
Aktuell leben in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz – die Wahrscheinlichkeit, ihnen zu begegnen, ist also groß. Angesprochen sind daher nicht nur Betroffene und pflegende Angehörige, sondern auch Fachkräfte, Ehrenamtliche, Nachbarn und alle, die sich für ein demenzsensibles Miteinander einsetzen möchten.
Denn Demenz ist mehr als das Bild der späten Erkrankungsphase: Viele Betroffene haben in frühen Phasen trotz erster kognitiver Einschränkungen noch lange Freude an Hobbys und am Miteinander – wenn Umfeld und Gesellschaft einfühlsam und informiert reagieren. Genau das will die Aktionswoche fördern: Begegnung, Austausch und Verständnis statt Scham und Berührungsängste.
Gemeinsam mit 15 Kooperationspartnerinnen und -partnern haben die Veranstalter ein kostenfreies Programm zusammengestellt: Vorträge, Seminare und Workshops, Mitmachangebote wie Bewegung und Malen, gemütliche Kaffeerunden sowie ein Fachtag für Profis.
Demenz betrifft die gesamte Gesellschaft
„Wir setzen zum einen auf Veranstaltungen, die sich bewährt haben“, erklärte Andrea Münch, Leiterin der IAV-Stelle in Walldorf, bei der Vorstellung des Programms. Gleichzeitig gebe es in diesem Jahr viele neue Angebote.
„Demenz geht uns alle an“, betonte Annegret Sonnenberg von der Bürgerstiftung Wiesloch. Bundesweit seien rund 1,8 Millionen Menschen betroffen – und die Zahl werde künftig weiter steigen. „Es kann jeden erwischen“, sagte Sonnenberg. Das gelte nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für Familien, Freunde und Nachbarn.
Ein sensiblerer Umgang mit dem Thema könne dazu beitragen, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Menschen mit Demenz sicher fühlen. Noch immer gebe es Betroffene, die sich mit ihren Problemen alleingelassen fühlten. Dabei existierten bereits zahlreiche Hilfen und Angebote. „Wir müssen nur mehr darüber sprechen“, so Sonnenberg. Die Woche der Demenz biete dafür eine gute Gelegenheit, das Thema stärker in den Mittelpunkt zu rücken.
Auch André Hieke, Pflegedienstleiter beim PZN Wiesloch, bezeichnete Demenz als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“. Häufig kämen Patienten aus Hilflosigkeit in die Behandlung oder Angehörige befänden sich in einer akuten Krise. Gleichzeitig seien die vorhandenen Angebote in den Kommunen vielen Menschen nicht bekannt.
„Dass Menschen nicht wissen, welche Hilfen es gibt, erfahren wir im Alltag immer wieder“, berichtete Andrea Münch. Hinzu komme, dass sich manche Betroffene aus Scham keine Unterstützung suchten. Auch deshalb müsse Demenz aus der Tabuzone geholt werden.
Vernetzung und niedrigschwellige Angebote
Viele Angebote im Bereich Demenz werden ehrenamtlich getragen, erläuterte Elke Menrath vom Nußlocher Verein Lichtblick. Umso wichtiger sei es, sich weiter zu vernetzen und die vorhandenen Möglichkeiten über die Grenzen der einzelnen Kommunen hinweg zu nutzen. Auch dafür biete die Woche der Demenz eine gute Plattform.
Ein Höhepunkt ist der Vortrag „Kommunikation und Demenz – Von Worten bis zur Berührung“ am Montag, 21. September, um 18 Uhr im Ratssaal des Wieslocher Rathauses. Prof. Dr. Sabine Engel spricht über einfühlsame Kommunikation und darüber, wie der Alltag mit Menschen mit Demenz im privaten oder ehrenamtlichen Umfeld positiv gestaltet werden kann. Eine Teilnahme ist auch online möglich.
Daneben gibt es zahlreiche Bewegungsangebote mit niedriger Einstiegsschwelle. Dazu gehört das Mitmachangebot „Gemeinsam in Bewegung“ am Dienstag, 22. September, von 14 bis 14.45 Uhr beim Verein Lichtblick in Nußloch.
Am Mittwoch, 23. September, folgt von 14 bis 18 Uhr im PZN Wiesloch die Fachveranstaltung „Bedürfnisorientierte Demenzarbeit in unterschiedlichen Versorgungssettings“. Angesprochen sind laut André Hieke „alle, die an der Versorgung Demenzerkrankter beteiligt sind“. Auf dem Programm stehen praxisnahe Einblicke und verschiedene Vorträge.
Bürgerstiftung Wiesloch feiert 20-jähriges Bestehen
Die Bürgerstiftung Wiesloch verbindet die Woche der Demenz mit ihrem 20-jährigen Bestehen. Am Sonntag, 27. September, wird von 14 bis 18 Uhr gefeiert. Unter dem Motto „Vorbeikommen, sich kennenlernen und im Gespräch austauschen“ sind Besucherinnen und Besucher eingeladen.
Ein Demenzparcours mit verschiedenen Stationen soll dabei ermöglichen, die Erfahrungen und Herausforderungen von Menschen mit Demenz besser nachzuvollziehen.
Walldorf bietet Information und Begegnung
Auch in Walldorf gibt es während der Aktionswoche verschiedene Veranstaltungen. Am Dienstag, 22. September, findet von 17.30 bis 19 Uhr im Ratssaal des Rathauses ein Vortrag zu „Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung“ statt.
Am Donnerstag, 24. September, lädt die IAV-Stelle von 10 bis 12 Uhr zum „Aktiven Markttag“ auf dem Marktplatz ein. Dort können Besucher einen Demenzparcours des Gerontopsychiatrischen Zentrums Wiesloch ausprobieren und sich über unterschiedliche Unterstützungsangebote informieren.
Beteiligt sind compass private Pflegeberatung, die Generationenbrücke Walldorf, die IAV-Stelle der Stadt Walldorf, die Kirchliche Sozialstation Walldorf-St. Leon-Rot, der Pflegestützpunkt Rhein-Neckar-Kreis und das Pflegezentrum Astor-Stift Walldorf. Informiert wird unter anderem über ambulante Pflege, Betreuungsgruppen, Bewegung bei Demenz, Begegnungsmöglichkeiten und Pflegeberatung.
Darüber hinaus können Besucher einen Alterssimulator ausprobieren und mit dem Triobike fahren. Für die musikalische Unterhaltung sorgt das Astoria-Terzett mit Schlagern aus den 1950er- bis 1970er-Jahren.
Treff Lebensfreude öffnet seine Türen
Ebenfalls am Donnerstag, 24. September, lädt die Kirchliche Sozialstation Walldorf-St. Leon-Rot von 14.30 bis 16.30 Uhr zum Tag der offenen Tür des „Treff Lebensfreude“ in den Pfarrsaal der katholischen Kirche ein.
Der „Treff Lebensfreude“ ist eine betreute Gruppe, die Angehörige entlasten soll, die hilfsbedürftige oder an Demenz erkrankte Menschen pflegen. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, sich über Fragen rund um Begleitung und Betreuung auszutauschen. Eine Betreuung für Menschen mit Demenz ist vor Ort vorhanden.
Tanztee zum Abschluss
Am Sonntag, 27. September, steht von 15 bis 17 Uhr in der Tanzschule Kronenberger, Hauptstraße 2, wieder ein Tanztee auf dem Programm. Bei Kaffee, Tee und Kuchen, der zum Verkauf angeboten wird, sorgen vertraute und bekannte Melodien für einen musikalischen Nachmittag. Im Mittelpunkt stehen die Freude an der Bewegung und das gemeinsame Erleben.
Interessierte können sich per E-Mail an tanzen@kronenberger.de oder telefonisch unter 06227/8914 24 anmelden.
Büchertische in allen drei Kommunen
Während der gesamten Aktionswoche gibt es außerdem in den Stadt- beziehungsweise Gemeindebüchereien Walldorf, Wiesloch und Nußloch zu den jeweiligen Öffnungszeiten Büchertische mit unterschiedlichen Medien rund um das Thema Demenz.
„Die Woche der Demenz ist für alle offen“, betonte Andrea Münch zum Abschluss. Sie warb dafür, Menschen mit Demenz einzubeziehen und gemeinsam dazu beizutragen, das Gemeinwesen für das Thema zu sensibilisieren.
Text und Foto: Stadt Walldorf
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