Zwischen Kindheitstraum und Millimeterarbeit

(ckr 11.3.26) Früher, als Kind, war es jedes Mal etwas Besonderes, wenn das glänzend rote Feuerwehrauto mit lauter Sirene durch die Straßen fuhr. Eines Tages wollte ich so gerne einmal hoch oben im Korb der Drehleiter stehen.

Diesen Traum durfte ich mir letzte Woche fast erfüllen. Aber halt nur fast: Ich begleitete unsere Wehr bei einer zweistündigen Kontrollfahrt durch Nußlochs Straßen. Es war zwar nicht der große Leiterwagen, sondern „nur“ ein Löschfahrzeug – doch schon nach den ersten Metern war ich froh darüber. Denn was ich dort oben auf dem Rücksitz erlebte, hatte nichts mit Romantik zu tun. Es war harte, hochkonzentrierte Arbeit.

Wenn die Straße zum Nadelöhr wird

Schon in der ersten engen Kurve hielt ich unwillkürlich den Atem an. Steile Straßen, enge Wendekreise und dann: parkende Autos auf beiden Seiten. Was für mich privat im Kleinwagen nach „passt doch locker“ aussieht, wird aus der Kabine eines 16-Tonners zur Zerreißprobe.

Ich habe gesehen, wie die Maschine arbeiten muss – das dumpfe Grollen des Motors, das Ächzen der Reifen beim Rangieren. Und ich habe die Männer neben mir beobachtet. Es hat mich tief beeindruckt, mit welcher Ruhe und Besonnenheit sie handelten. Kein Fluchen, kein lautes Wort, obwohl jeder da Verständnis für gehabt hätte. Zentimeter für Zentimeter schoben sie diesen Koloss an Spiegeln und Stoßstangen vorbei, die nur Millimeter entfernt schienen.

Der Preis der Bequemlichkeit

Was mir dabei schmerzlich klar wurde: All diese Mühe, diese enorme Kraftanstrengung und die Zeit, die dabei verstrich, hätte im Ernstfall Leben kosten können. Wir manövrierten um Autos herum, die dort zwar rechtmäßig parkten, aber unseren Ort für Rettungskräfte zur Sackgasse machen.

Oft dachte ich: „Hätten wir jetzt die Drehleiter dabei, wir kämen hier niemals durch.“ Ein beklemmendes Gefühl, wenn man weiß, dass genau dieses Fahrzeug vielleicht zwei Straßen weiter an einem brennenden Dachstuhl gebraucht würde.

Ein Herzenswunsch an unsere Bürger

Nach diesen zwei Stunden bin ich mit zittrigen Knien ausgestiegen. Mein Respekt vor der Leistung unserer Feuerwehrleute ist noch einmal gewaltig gewachsen. Aber ich habe auch eine Bitte an Sie alle:

Bitte nutzen Sie Ihre Garagen und Stellplätze. Sie sind nicht nur Abstellflächen – sie sind Freiraum für unsere Lebensretter. Schauen Sie beim Parken mit „Menschenverstand“ auf die Straße: Passt hier wirklich ein LKW durch, wenn es schnell gehen muss? Manchmal ist ein „ich darf hier aber parken“ trotzdem eine schlechte Wahl.

Lassen Sie uns füreinander Platz lassen. Damit aus dem Kindheitstraum Feuerwehr kein Albtraum wird, wenn die Hilfe einmal nicht rechtzeitig durchkommt.


❗ Der Sicherheits-Check: Die 3,05-Meter-Regel

Damit unsere Feuerwehrleute ihre Ruhe und Besonnenheit nicht gegen wertvolle Zeit eintauschen müssen, braucht jedes Einsatzfahrzeug eine Restfahrbahnbreite von mindestens 3,05 Metern.

  • Warum? 2,50 Meter Fahrzeugbreite plus Sicherheitsabstand für Spiegel und Rangierspielraum.
  • Ihr Beitrag: Parken Sie bitte so, dass auch ein LKW zügig passieren kann. Nutzen Sie Garagen konsequent – für die Sicherheit von uns allen!
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