Rhein-Neckar-Kreis hat kaum Ü63-Bauarbeiter

Die IG BAU Nordbaden fordert eine Rentenpolitik, die körperlich belastende Berufe stärker berücksichtigt. Besonders Bauarbeiter könnten nach Ansicht der Gewerkschaft häufig nicht bis zum regulären Rentenalter arbeiten. Foto: IG BAU
IG BAU fordert Rentenreform für körperlich belastende Berufe
(pm 9.7.26) Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert eine stärkere Berücksichtigung körperlich belastender Berufe bei der Rentenpolitik. Anlass sind aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur, wonach von den rund 5.200 Beschäftigten im Baugewerbe des Rhein-Neckar-Kreises lediglich etwa 280 älter als 63 Jahre sind.
Harte Arbeit oft bis ins Rentenalter nicht möglich
„Ob Maurer, Dachdecker, Straßen- oder Kanalbauer – viele Beschäftigte leisten täglich körperlich anspruchsvolle Arbeit unter schwierigen Bedingungen“, erklärt Wolfgang Kreis, Vorsitzender der IG BAU Nordbaden. Die Belastungen durch Hitze, Kälte und schwere körperliche Tätigkeiten führten dazu, dass viele Beschäftigte ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen bereits vor dem regulären Renteneintrittsalter aufgeben müssten.
Nach Ansicht der Gewerkschaft sei es für viele Bauarbeiter unrealistisch, bis zum Alter von 67 Jahren oder darüber hinaus im Beruf zu bleiben.
Forderung nach flexibleren Übergängen in den Ruhestand
Kritisch bewertet die IG BAU deshalb die Vorschläge der Rentenkommission, die als Grundlage für künftige Reformen dienen sollen. Aus Sicht der Gewerkschaft fehle insbesondere eine sogenannte Flexi-Rente, die Beschäftigten in besonders belastenden Berufen einen früheren und unkomplizierten Übergang in den Ruhestand ermöglichen würde.
Die Rentenregelungen müssten sich stärker am „Härtegrad der Arbeit“ orientieren, fordert Kreis. Dies betreffe nicht nur das Baugewerbe, sondern auch Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft, der Gebäudereinigung sowie im Garten- und Landschaftsbau.
Appell an Bundestagsabgeordnete aus der Region
Die IG BAU Nordbaden richtet zudem einen Appell an die Bundestagsabgeordneten aus dem Rhein-Neckar-Kreis und der Region. Sie sollten sich in Berlin dafür einsetzen, die geplanten Rentenreformen nachzubessern. Andernfalls drohe ein weiterer Attraktivitätsverlust in Berufen, die ohnehin unter Fachkräftemangel leiden.
Kritik an möglichem Aus der Rente mit 63
Besonders kritisch sieht die Gewerkschaft Überlegungen, die Rente mit 63 abzuschaffen. Dies würde vor allem die sogenannten Baby-Boomer treffen, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand wechseln.
Nach Angaben der IG BAU, die sich auf Berechnungen des Pestel-Instituts stützt, leben im Rhein-Neckar-Kreis rund 90.000 Menschen dieser Generation, die innerhalb der nächsten zehn Jahre das Rentenalter erreichen werden.
Viele von ihnen hätten bereits 45 Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt und ihre Lebensplanung auf die bisherigen Regelungen ausgerichtet. Eine kurzfristige Änderung würde nach Ansicht der Gewerkschaft das Vertrauen in die Politik und das Rentensystem beschädigen.
Rentenniveau soll dauerhaft gesichert werden
Neben dem Renteneintrittsalter sieht die IG BAU auch beim Rentenniveau Handlungsbedarf. Die Gewerkschaft fordert eine dauerhafte Absicherung der bisherigen Haltelinie von 48 Prozent und warnt vor einer Absenkung nach dem Jahr 2031.
Darüber hinaus spricht sich die IG BAU dafür aus, das Rentenniveau langfristig wieder auf mindestens 53 Prozent anzuheben. Die Bundesregierung müsse frühzeitig Klarheit schaffen und verhindern, dass künftige Rentnerinnen und Rentner finanzielle Einbußen befürchten müssten.
Text und Foto: IG BAU
Kurz-URL: https://nussloch-lokal.de/?p=196403


























