Neues Schildkrötenhaus im Zoo Heidelberg nimmt Gestalt an

Große Baufortschritte beim neuen Schildkrötenhaus im Zoo Heidelberg

Die Baustelle hat in den letzten Monaten deutliche Fortschritte gemacht. (Foto: Zoo Heidelberg)

(zoo 3.7.26) Auf der Baustelle des neuen Schildkrötenhauses im Zoo Heidelberg sind deutliche Fortschritte zu erkennen. Nachdem der Rohbau inzwischen abgeschlossen wurde, startet nun die nächste Bauphase mit den Holzarbeiten. Nach der Fertigstellung soll das Gebäude nicht nur den Riesenschildkröten ein neues Zuhause bieten, sondern auch als moderner Ausstellungsbereich die Auswirkungen des Klimawandels auf Tiere und ihre Lebensräume thematisieren.

Vom Sturmschaden zum Neubau

Im Februar 2022 wurde das damalige Schildkrötenhaus durch einen umgestürzten Baum während eines schweren Sturms erheblich beschädigt. Nach umfangreichen Planungen und der Sicherung der Finanzierung erfolgte im Sommer 2025 der Abriss des alten Gebäudes. Anschließend begannen die Erdarbeiten und der Neubau.

Mittlerweile steht der Massivbau. Die Außenhülle wurde mit energieeffizienten Materialien errichtet, das Betondach ist bereits fertiggestellt und soll in Kürze abgedichtet werden. Mit dem Beginn der Holzbauarbeiten geht das Projekt nun in die nächste Phase. Danach folgen unter anderem die Installation von Heizung, Lüftung, Wasserleitungen und Elektrik.

Komplexes Bauprojekt auf engem Raum

Eine Photovoltaik-Anlage wird noch auf das Dach des Hauses gebaut. (Foto: Zoo Heidelberg)

Zoo-Architektin Silke Hendel beschreibt das Vorhaben als technisch anspruchsvoll:

„Die Herausforderung besteht darin, auf vergleichsweise kleiner Fläche zahlreiche technische und planerische Anforderungen zu vereinen. Mehrere Fachplanungsbüros und rund 20 Gewerke arbeiten hier Hand in Hand. Viele Arbeitsschritte müssen exakt aufeinander abgestimmt werden.“

Umso erfreulicher sei es, dass der Neubau nun sichtbar Form annehme.

Zoo-Team packt selbst mit an

Ein Teil der Arbeiten wird direkt von den Mitarbeitenden des Zoos übernommen. So entstehen die künstlichen Felslandschaften für die Tieranlagen in Eigenregie. Gemeinsam mit Bundesfreiwilligendienstleistenden fertigen die Zoo-Handwerker diese Elemente aus Spritzbeton an.

Die jungen Erwachsenen konnten die dafür notwendigen Techniken bereits bei früheren Bauprojekten innerhalb des Zoos erlernen und weiterentwickeln.

Klimawandel als zentrales Thema

Die Riesenschildkröten werden zurück nach Heidelberg kehren. (Foto: Petra Medan / Zoo Heidelberg)

Das neue Schildkrötenhaus wird weit mehr als eine Tieranlage sein. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich der Klimawandel auf unterschiedliche Tierarten und deren Lebensräume auswirkt.

Vier Themenbereiche sollen die Zusammenhänge anschaulich vermitteln:

  • Die Aldabra-Riesenschildkröten stehen stellvertretend für Inselökosysteme, die durch den steigenden Meeresspiegel bedroht werden.
  • Ein weiterer Bereich widmet sich Gebirgsregionen, in denen viele spezialisierte Tierarten aufgrund steigender Temperaturen immer höhere Lagen aufsuchen müssen.
  • Arten wie der Italienskorpion oder der Mauergecko zeigen, wie sich sogenannte Neozoen infolge des Klimawandels nach Norden ausbreiten und bestehende Ökosysteme verändern können.
  • Der vierte Themenbereich beschäftigt sich mit den Folgen von Trockenheit und Hitzewellen für heimische Feuchtgebietsbewohner wie Wechselkröten, Gelbbauchunken und Eurasische Zwergmäuse.

Insgesamt werden neun Terrarien die verschiedenen Zusammenhänge anhand lebender Tiere veranschaulichen.

Mehr als zehn Tierarten ziehen ein

Neben den Riesenschildkröten werden künftig mehr als zehn weitere Tierarten im neuen Schildkrötenhaus leben. Dazu zählen verschiedene Reptilien, Amphibien und wirbellose Tiere, die die unterschiedlichen Themenwelten ergänzen.

Rückkehr der Riesenschildkröten nach Heidelberg

Besonders groß ist die Vorfreude auf die Rückkehr der vier Aldabra-Riesenschildkröten. Seit dem Sturmschaden leben die Tiere vorübergehend im Zoo Prag. Nach Abschluss der Bauarbeiten sollen sie wieder nach Heidelberg zurückkehren.

Für die beeindruckenden Reptilien entsteht eine großzügige Innenanlage mit ganzjährig tropischen Temperaturen zwischen 22 und 25 Grad Celsius. Zur Ausstattung gehören spezielle UV-Lampen, eine Luftbefeuchtungsanlage sowie ein geräumiges Badebecken. Ergänzt wird die Anlage durch einen Außenbereich.

Ganzjähriges Besuchererlebnis

Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann sieht in dem Projekt einen wichtigen Mehrwert für Besucher und Tiere gleichermaßen.

Mit dem neuen Schildkrötenhaus entstehe ein Bereich, der ganzjährig Tierbeobachtungen ermögliche und insbesondere in den Wintermonaten die Attraktivität des Zoobesuchs steigere. Gleichzeitig könne der Zoo seinen Tierbestand um zahlreiche spannende Arten erweitern und komplexe Themen rund um den Klimawandel verständlich und erlebbar vermitteln.

Text und Foto: Zoo Heidelberg

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