ADAC-Test: Warneinrichtungen für Kinder im Auto zeigen noch Schwächen

Für die Studie wurden spezielle Dummies verwendet, die Bewegungen nachahmen können. Foto: ADAC / PRessemitteilung

ADAC-Test: Warneinrichtungen für Kinder im Auto zeigen Schwächen

(adac 12.8.26) Jedes Jahr werden in Deutschland Kinder in Fahrzeugen vergessen. Besonders bei sommerlichen Temperaturen kann das schnell lebensgefährlich werden, da sich der Innenraum eines Autos innerhalb kurzer Zeit stark aufheizt. Der ADAC hat deshalb untersucht, wie zuverlässig verschiedene Systeme erkennen, ob sich nach dem Abstellen noch ein Kind oder Tier im Fahrzeug befindet.

Vier Fahrzeuge im Praxistest

Für die Untersuchung wurden vier Fahrzeuge mit unterschiedlichen Technologien getestet. Dabei simulierten die Tester mehrere Alltagssituationen: Ein Neugeborenes lag jeweils in einer Isofix-Babyschale und einer angeschnallten Babyschale, außerdem wurde ein einjähriges Kind in einem Isofix-Kindersitz berücksichtigt. Zusätzlich prüfte der ADAC, ob die Systeme einen Hund auf der Rückbank erkennen können.

Ziel der Technik ist es, im Ernstfall eine mehrstufige Warnung auszulösen. Damit sollen nicht nur Fahrerinnen und Fahrer, sondern gegebenenfalls auch Passanten auf ein zurückgelassenes Kind oder Tier aufmerksam gemacht werden.

Zwei unterschiedliche Erkennungssysteme

Grundsätzlich kommen derzeit zwei technische Ansätze zum Einsatz. Indirekte Systeme kombinieren beispielsweise Informationen zur Sitzbelegung, zum Gurtschloss und zu geöffneten Türen. In der Untersuchung verfügte der Mercedes-Benz CLA über diese Technik.

Direkt messende Systeme arbeiten dagegen mit Radar und sollen beispielsweise Bewegungen durch die Atmung erkennen. Diese Technologie wurde beim Zeekr 001, BMW iX3 und BYD Seal untersucht.

Schlafende Säuglinge als besondere Herausforderung

Im Vergleich schnitt der Mercedes mit seinem indirekten System bei den getesteten Szenarien am besten ab und konnte in allen Fällen eine Warnung auslösen. Allerdings erkennt das System nicht eindeutig, ob tatsächlich ein Kind auf der Rückbank sitzt. Zudem beschränkt sich die Warnung auf das Zentraldisplay.

Die direkt messenden Systeme konnten die meisten Tests ebenfalls zuverlässig bewältigen. Eine deutliche Schwäche zeigte sich jedoch bei den Neugeborenen: Keines der Fahrzeuge erkannte das Baby in der Isofix-Babyschale – obwohl der verwendete Dummy sogar Atembewegungen simulierte.

Unterschiedliche Warnstrategien

Auch bei der Art der Warnung gibt es deutliche Unterschiede. Die direkt messenden Systeme aktivieren nach einer gewissen Zeit den Warnblinker, wenn ein zurückgelassenes Kind erkannt wird. Beim BYD Seal und beim Zeekr 001 kommen zusätzlich akustische Signale über die Hupe oder Alarmanlage zum Einsatz.

Je nach Ausstattung können auch Benachrichtigungen über eine Smartphone-App erfolgen. Besonders positiv bewertete der ADAC den BMW iX3: Neben dem Warnblinker erscheint dort eine gut sichtbare Meldung im Zentraldisplay, die auch Passanten auf eine mögliche Gefahrensituation hinweist.

Direktmessende Systeme bieten Potenzial

Obwohl das indirekte System des Mercedes im Test die höchste Erkennungsrate erreichte, sieht der ADAC langfristig größere Chancen bei direkt messenden Technologien. Diese können die tatsächliche Anwesenheit eines Kindes erkennen und sind nicht ausschließlich auf Informationen wie Türkontakte, Sitzbelegung oder Gurtschlösser angewiesen.

Wichtig ist aus Sicht des Automobilclubs allerdings auch eine möglichst geringe Fehlalarmquote. Zu häufige Fehlalarme könnten die Akzeptanz solcher Sicherheitssysteme beeinträchtigen.

Technik ersetzt nicht die Verantwortung

Der ADAC befürwortet sogenannte Child-Presence-Detection-Systeme grundsätzlich als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme. Sie können dazu beitragen, tragische Situationen zu verhindern, ersetzen aber keinesfalls die Verantwortung von Eltern und Betreuungspersonen.

Babys, Kinder und Tiere sollten bei warmen Temperaturen grundsätzlich niemals allein im Auto bleiben – auch nicht für kurze Zeit. Denn der Innenraum kann sich bereits innerhalb weniger Minuten auf gefährliche Temperaturen aufheizen.

Aus Sicht des ADAC sollten technische Vorgaben deshalb einen angemessenen Ausgleich zwischen Sicherheitsgewinn, Kosten und technischer Umsetzbarkeit schaffen.

Mehr zu der Studie auch auf adac.de

Text und Foto: ADAC

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