Ab 2028 droht vielen Arbeitnehmern ein Netto-Minus

Symbolfoto: Pixabay

Steuerentlastung droht zu verpuffen: Höhere Sozialabgaben könnten Arbeitnehmer belasten

(mar 13.7.26) Die Bundesregierung plant, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit kleinen und mittleren Einkommen steuerlich zu entlasten. Neue Berechnungen zeigen jedoch, dass viele Beschäftigte von den angekündigten Verbesserungen möglicherweise nur wenig spüren werden. Ursache sind steigende Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung, die einen Großteil der Steuerersparnis wieder aufzehren könnten.

Steuerersparnis wird durch höhere Abgaben geschmälert

Nach Berechnungen des Finanzwissenschaftlers Frank Hechtner von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg könnte die Gesamtbelastung vieler Arbeitnehmer trotz geplanter Steuererleichterungen steigen. Während die Einkommensteuer sinken soll, werden gleichzeitig höhere Sozialversicherungsbeiträge erwartet.

Dadurch könnte es bereits ab 2028 dazu kommen, dass Beschäftigte trotz Steuerreform weniger Netto vom Brutto übrig haben als heute.

Bereits ab 3.000 Euro brutto droht ein Minus

Besonders bemerkenswert: Schon bei einem monatlichen Bruttolohn von 3.000 Euro könnte ein kinderloser Single im Jahr 2028 laut Berechnung rund neun Euro weniger Netto zur Verfügung haben als 2026.

Mit steigenden Einkommen wächst die Belastung deutlich. Bei einem Bruttolohn von 6.000 Euro pro Monat ergibt sich ein Minus von rund 242 Euro jährlich. Bei 6.500 Euro brutto steigt der Verlust auf etwa 639 Euro, bei 9.000 Euro sogar auf mehr als 900 Euro pro Jahr.

Dabei handelt es sich ausschließlich um nominale Werte. Die Auswirkungen der Inflation sind in den Berechnungen noch nicht berücksichtigt.

Familien profitieren teilweise von höheren Leistungen

Etwas günstiger fällt die Bilanz für Familien und Alleinerziehende aus. Grund dafür sind geplante Erhöhungen beim Kindergeld sowie beim steuerlichen Kinderfreibetrag.

Das Kindergeld soll schrittweise um insgesamt 13 Euro monatlich steigen, der Kinderfreibetrag um 240 Euro pro Jahr. Dennoch bleiben die finanziellen Vorteile häufig überschaubar. So könnte ein Alleinerziehender mit einem Kind bei mittleren Einkommen lediglich um wenige Euro pro Monat entlastet werden.

Auch Familien mit zwei Einkommen profitieren laut den Berechnungen oft nur in begrenztem Umfang von den geplanten Maßnahmen.

Höhere Beitragsbemessungsgrenzen als Belastungsfaktor

Ein wesentlicher Grund für die steigenden Belastungen liegt in den geplanten Anpassungen der Beitragsbemessungsgrenzen in der Kranken- und Pflegeversicherung.

Diese Grenzen bestimmen, bis zu welchem Einkommen Sozialversicherungsbeiträge erhoben werden. Werden die Grenzen angehoben, müssen Arbeitnehmer auf einen größeren Teil ihres Einkommens Beiträge zahlen. Besonders betroffen sind Beschäftigte mit Einkommen oberhalb der heutigen Bemessungsgrenzen.

Auch Rentenbeiträge sollen steigen

Zusätzlich wird in den kommenden Jahren mit steigenden Rentenversicherungsbeiträgen gerechnet. Nach aktuellen Prognosen könnte der Beitragssatz bis 2028 von derzeit 18,6 auf 19,9 Prozent steigen.

Hinzu kommt die geplante sogenannte Kapitalrente. Dafür soll ab 2028 zunächst ein zusätzlicher Beitrag von 0,5 Prozent des Bruttolohns erhoben werden. Langfristig könnte dieser Zusatzbeitrag weiter ansteigen.

Kritik an der Gesamtwirkung der Reform

Die Berechnungen zeigen, dass die angekündigten Steuererleichterungen in vielen Fällen durch höhere Sozialabgaben teilweise oder sogar vollständig aufgezehrt werden könnten. Besonders bei mittleren und höheren Einkommen drohen dadurch finanzielle Nachteile.

Ob und in welchem Umfang die geplanten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, bleibt jedoch von den weiteren politischen Entscheidungen der kommenden Jahre abhängig.

Quelle: T-Online

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