Ab sofort wieder stundenlange Gratiskonzerte

Foto: Mathias Schäf / NABU

Nachtigallen kehren zurück: Frühlingsboten aus Afrika wieder in Deutschland angekommen

(nabu 20.4.26) Rund 3000 Kilometer legen Nachtigallen auf ihrem Weg aus Afrika nach Europa zurück. In diesem Frühjahr verläuft die Rückkehr jedoch reibungslos: Immer mehr Vögel erreichen derzeit Deutschland und machen mit ihrem charakteristischen Gesang auf sich aufmerksam.

Erste Tiere wurden bereits zu Ostern in Süddeutschland gesichtet, inzwischen sind die Nachtigallen auch in nördlicheren Regionen wie Berlin und Hamburg angekommen.

Reviergesang und Partnersuche

Laut NABU-Vogelexperte Martin Rümmler treffen zunächst die Männchen ein, die sich umgehend ein Revier sichern. Dabei zeigen sie eine hohe Standorttreue und kehren oft über Jahre hinweg an denselben Ort zurück.

Mit ihrem Gesang markieren sie nicht nur ihr Revier gegenüber Konkurrenten, sondern versuchen vor allem, Weibchen anzulocken. Diese wählen jedoch gezielt aus und hören sich mehrere Männchen an. Nicht selten kommt es dabei zu regelrechten „Gesangswettbewerben“, bei denen die Tiere aufeinander reagieren und versuchen, sich gegenseitig zu übertreffen.

Meister des Gesangs

Die Nachtigall gilt als eine der vielseitigsten Sängerinnen unter den heimischen Vögeln. Ein einzelnes Tier kann im Durchschnitt rund 180 unterschiedliche Strophen beherrschen – mehr als jede andere Vogelart in Deutschland.

Trotz ihres geringen Gewichts von etwa 30 Gramm zeigen die Tiere eine beeindruckende Ausdauer: Manche Männchen singen bis zu zehn Stunden am Stück. Besonders aktiv sind sie in den späten Abend- und Nachtstunden sowie in den frühen Morgenstunden, häufig aber auch tagsüber.

Sobald sich ein Paar gefunden hat, verstummt der Gesang weitgehend. Tiere, die noch bis Mitte Mai zu hören sind, sind meist unverpaarte Männchen.

Lebensraum und Verbreitung

Nachtigallen sind in weiten Teilen Süd- und Mitteleuropas verbreitet. Innerhalb Deutschlands gibt es deutliche regionale Unterschiede: Im Osten sind sie häufiger anzutreffen als im Westen, wobei Berlin als eine Art Hochburg gilt.

Die Vögel bevorzugen strukturreiche Lebensräume mit dichtem Gebüsch, Kräutern und einer gut entwickelten Laubschicht. Dort baut das Weibchen sein Nest meist bodennah oder knapp darüber.

Brutzeit beginnt im Mai

Ab Anfang Mai beginnt die Eiablage. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Jungvögel, die das Nest bereits rund zehn Tage später verlassen – noch bevor sie flugfähig sind.

In dieser Phase setzt auch der Gesang der Männchen wieder ein. Er dient dann nicht mehr der Partnersuche, sondern unterstützt den Nachwuchs beim Erlernen der artspezifischen Lautäußerungen.


Zusatzinformationen:

Laut der Studie „Vögel in Deutschland – Bestandssituation 2025“ gibt es in Deutschland 87.000 bis 160.000 Nachtigallenreviere. Damit gehört die Nachtigall zu den wenigen Langstreckenziehern, deren Vorkommen in den letzten Jahren deutlich gewachsen sind. Es wird vermutet, dass die Nachtigall als wärmliebende Art vom Klimawandel profitiert. Die Zahl der Sprosser, ihre nordöstlich angrenzende Zwillingsart, nimmt dagegen europaweit ab. Infos zur Studie: www.NABU.de/Voegel2025.

Nachtigallen leben an gebüschreichen Waldrändern – vor allem in Auwäldern –, an Feldgehölzen sowie in Parks und größeren Gärten. Wie es aktuell um die Nachtigallen im Siedlungsraum bestellt ist, ermittelt die Citizen-Science-Aktion „Stunde der Gartenvögel“ des NABU vom 8. bis 10. Mai. Dabei werden zum 22. Mal bundesweit in Gärten und Parks Vögel gezählt. Im Vorjahr nahmen 58.000 Menschen teil, die Nachtigall kam auf Rang 44 der meistbeobachteten Arten. Die größten Nachtigalldichten wurden in Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt festgestellt. Infos zur Aktion: www.stundedergartenvoegel.de.

Recherchetipp: Eine besondere Aktion findet am 15. Mai in der mecklenburgischen Kleinstadt Plau am See (Kreis Ludwigslust-Parchim) statt. Der örtliche NABU lädt Groß und Klein zur Nachtigallenerfassung. Beginnend um 20 Uhr werden 14 Kleingruppen ausschwärmen, um festzustellen, wie sich der Bestand seit der letzten Kompletterfassung vor 30 Jahren entwickelt hat. Infos: www.NABU-Plau.de/nachtigall.

Text und Foto: NABU

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