Bewegender Abschied für Landrat Stefan Dallinger in Angelbachtal

Dr. Achim Brötel überreichte Dallinger die Landkreismedaille in Silber. Foto: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis

Rund 500 Gäste würdigten 16 prägende Jahre an der Spitze des Rhein-Neckar-Kreises

(rnk 4.5.26) Mit einer großen und emotionalen Feier ist Landrat Stefan Dallinger am Donnerstagabend (30. April 2026) in der Sonnenberghalle in Angelbachtal offiziell verabschiedet worden. Rund 500 Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Justiz, Rettungswesen, Kultur, Kirchen, Vereinen und der kommunalen Familie waren gekommen, um den scheidenden Landrat nach 16 Jahren an der Spitze des Rhein-Neckar-Kreises zu würdigen.

Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Rhein-Neckar-Jazz-Orchester unter der Leitung von Jochen Welsch. Kabarettist und Musiker Arnim Töpel führte mit viel Humor, kurpfälzischem Charme und kleinen musikalischen Einlagen durch das Programm. Mit Beiträgen wie „Unser Landrat vun do“ verlieh er dem Abend eine persönliche Note und verband die einzelnen Programmpunkte kurzweilig. Bereits zum Auftakt wurde deutlich, dass dieser Abend mehr war als ein protokollarischer Abschied. Es war ein Abend voller Dankbarkeit, persönlicher Erinnerungen, Humor und großer Wertschätzung für einen Landrat, der den Rhein-Neckar-Kreis über viele Jahre entscheidend geprägt hat.

Frank Werner, Bürgermeister der Heckergemeinde Angelbachtal und Erster Stellvertretender Vorsitzender des Kreistags, eröffnete als Hausherr die Veranstaltung auch im Namen der Kreistagsfraktionen. In seiner Ansprache verband er einen Rückblick auf zentrale Projekte mit sehr persönlichen Worten: „Wie um alles in der Welt verabschiedet man jemanden, der eigentlich nicht wegzudenken ist“, fragte Werner rhetorisch. Dallinger sei ein Landrat gewesen, „der diesen Landkreis über 16 Jahre geprägt hat: 16 Jahre voller Dynamik, 16 Jahre voller Entscheidungen, 16 Jahre voller Tempo“.

Stratege, Krisenmanager, Antreiber und Moderator

Werner würdigte Dallinger als Strategen, Krisenmanager, Antreiber und Moderator. „Du warst einer, der Themen früh erkannt hat. Einer, der nicht gezögert hat. Einer, der gehandelt hat. Du warst ein absoluter Leadertyp“, sagte er. Unter Dallingers Führung sei der Rhein-Neckar-Kreis moderner, leistungsfähiger und zukunftsfähiger geworden. Werner nannte unter anderem die Wirtschaftsförderung, den Glasfaserausbau, den Zweckverband High-Speed-Netz Rhein-Neckar, den Klimaschutz, die Investitionen in berufliche Schulen und Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren, die Weiterentwicklung der AVR, die strategische Ausrichtung der GRN sowie die Bewältigung der Flüchtlingsbewegungen und der Corona-Pandemie.

Bundesverfassungsgerichtspräsident Prof. Dr. Stephan Harbarth als Festredner und der Zapfenstreich als feierlicher Schlusspunkt

„Er hat die großen Zukunftsthemen nicht nur benannt – er hat sie zielgerichtet angepackt und umgesetzt“, betonte Werner. Besonders hob er Dallingers Haltung gegenüber Menschen hervor: „Du vermittelst gegenüber dem Mitmenschen Offenheit, Respekt, echte fühlbare Wertschätzung. Und Du begegnest Menschen auf Augenhöhe – und zwar völlig egal, wer vor Dir steht.“ Genau deshalb sei Dallinger nicht nur ein erfolgreicher Landrat gewesen, sondern auch ein „sehr geschätzter Mensch“. Mit Humor nahm Werner auch Dallingers Tempo, Ungeduld und sprichwörtliche Umtriebigkeit aufs Korn. Der Ruhestand Dallingers, so Werner, klinge wie ein Oxymoron – etwa wie heißes Eis. Zugleich wünschte er Stefan und Christine Dallinger für den neuen Lebensabschnitt Gesundheit, Wohlergehen und Gottes Segen. Als Geschenk aller 104 Kreisrätinnen und Kreisräte überreichte Werner einen Gutschein für ein Werk des regionalen Künstlers Clapeko van der Heide.

Prof. Dr. Stephan Harbarth: „Beitrag zum Gemeinwesen wahrlich erbracht“

Festredner des Abends war Prof. Dr. Stephan Harbarth, Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Er stellte die Bedeutung kommunaler Selbstverwaltung in den Mittelpunkt und würdigte Dallingers langjähriges Wirken für das Gemeinwesen. „Wer sich nach 27 Jahren in öffentlichen Wahlämtern verabschiedet, hat seinen Beitrag zum Gemeinwesen wahrlich erbracht“, sagte Harbarth. Er beschrieb Dallinger als Persönlichkeit, die dem Kreis Gesicht gegeben habe, und hob dessen Bürgernähe, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft hervor. Gerade die kommunale Ebene sei entscheidend dafür, dass Staat und Demokratie die Menschen erreichten.

Auch Staatssekretär Thomas Blenke, der für Innenminister Thomas Strobl sprach, würdigte die Zusammenarbeit mit dem scheidenden Landrat und hob dessen Durchsetzungsstärke hervor. Auf Dallingers Verlässlichkeit sei stets Verlass gewesen. Mit einem Augenzwinkern ergänzte er in seinem humorvollen Grußwort: „Sie haben von der Landesregierung reichlich Fördergelder losgeeist – Sie sind uns also lieb, aber auch teuer.“

Für die Städte und Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises sprach Marco Siesing, Oberbürgermeister von Sinsheim und Kreisverbandsvorsitzender. Er wählte bewusst einen persönlichen Ton. Dallinger sei für die Kommunen nicht nur Amtschef gewesen, sondern ein verlässlicher Gesprächspartner. „Du warst immer da. Nicht nur im Amt – sondern wirklich da. In den Sitzungen, in den Gesprächen, im Austausch“, sagte Siesing. Dallinger habe nicht nur verwalten wollen, sondern verstehen, was in den Städten und Gemeinden passiere. Besonders hob Siesing die direkte und vertrauensvolle Zusammenarbeit hervor: „Mit Dir konnte man Klartext reden. Ohne großes Drumherum. Ohne diplomatische Schleifen und politische Verpackung. Einfach direkt. Und genau das schafft Vertrauen.“ Auch schwierige Themen wie Asyl, der veredelte Einwohnerschlüssel oder die Kreisumlage seien intensiv und mitunter hart verhandelt worden. Entscheidend sei aber gewesen, dass am Ende tragfähige Lösungen gefunden wurden. „Du hast immer beides im Blick gehabt: die Interessen Deines Kreises – aber eben auch unsere Situation vor Ort“, sagte Siesing.

Landkreismedaille in Silber für Stefan Dallinger

Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender des Vereins Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar, betonte die enge Zusammenarbeit über kommunale Grenzen hinweg und sagte: „Du wirst uns fehlen, wir werden dich vermissen.“ Dr. Achim Brötel, Präsident des Deutschen Landkreistages und des Landkreistages Baden-Württemberg, würdigte neben der fachlichen Kompetenz insbesondere die Persönlichkeit Dallingers und bezeichnete ihn als „ausgeglichen, positiv und zugewandt“. Gleichzeitig sorgte er mit pointierten Bemerkungen für humorvolle Momente („Viel Erfolg bei der Wiedereingliederung ins normale Leben!“) und unterstrich damit die besondere Atmosphäre des Abends. Nach seinem Grußwort überreichte Brötel Dallinger für dessen Verdienste die Landkreismedaille in Silber.

Martin Streib, Personalratsvorsitzender des Landratsamts, dankte Dallinger im Namen der Mitarbeitenden. „Ihr kooperativer Führungsstil, Ihre sprichwörtlich offene Tür und Ihr ehrliches Interesse an den Anliegen der Mitarbeitenden haben das Miteinander in unserer Verwaltung spürbar und nachhaltig geprägt“, sagte Streib. Dallinger sei auch in schwierigen Zeiten ein nahbarer Behördenleiter geblieben, „der den Menschen in den Mittelpunkt stellt“. Ein weiterer der an diesem Abend nicht wenigen emotionalen Momente folgte mit der musikalischen Überraschung der engsten Mitarbeitenden des scheidenden Landrats. Sie sangen ein eigens umgedichtetes Lied auf die Melodie des Badnerliedes. Der Refrain fasste die Verbundenheit augenzwinkernd und herzlich zusammen: „Drum grüß ich dich du edler Kreis, mit Landrat Dallingers Geleit, frisch auf, frisch auf, mein schöner Kreis.“

„Ein großartiger Moment, der mich bewegt und berührt“

In seiner Abschiedsrede zeigte sich Stefan Dallinger tief bewegt. „Es ist ein Unterschied, ob man bei einem Abschied nur dabei ist, wie ich es oft war, oder ob man selbst die Person ist. Es ist ein großartiger Moment, der mich bewegt und berührt“, sagte er. Er dankte den Mitarbeitenden des Landratsamts, den 54 Städten und Gemeinden, dem Kreistag, den Partnern in der Region und besonders seiner Familie. Der sichere Hafen der Familie sei für ihn ein großer Schatz. An seine Frau Christine sowie seine Kinder Teresa und Timo gerichtet sagte er sinngemäß, alles wäre nichts ohne sie.

Auch den Blick nach vorne richtete Dallinger noch einmal. Digitalisierung und Zukunftsfähigkeit blieben für den Rhein-Neckar-Kreis zentrale Aufgaben. Seinem Nachfolger Manuel Just wünschte er eine gute Hand und übergab ihm symbolisch den Generalschlüssel des Landratsamts. Das Publikum verabschiedete Dallinger anschließend mit langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen.

Auch musikalisch wurde der Abend zu einem besonderen Erlebnis: Als Frank Werner gemeinsam mit Kreisrat Dr. René Pöltl und der Freddy Wonder Combo die Bühne betrat, riss dies das Publikum mit. Spätestens bei „Let It Be“ wurde deutlich, dass dieser Abschied nicht nur von Dankbarkeit, sondern auch von gemeinsamer Lebensfreude getragen war.

Im weiteren Verlauf des Abends blieb Arnim Töpel als Moderator präsent und begleitete das Publikum bis zum Zapfenstreich – stets mit einem feinen Gespür für die richtige Balance zwischen Humor, Respekt und Emotionalität. Eben jener Großer Zapfenstreich im Schlosspark Angelbachtal war der feierliche Schlusspunkt. Beteiligt waren als Ehrenzug die Spielmannszüge aus Hemsbach, Laudenbach und Sulzbach, Feuerwehren aus Angelbachtal, Malsch, Rauenberg, Rotenberg, St. Leon-Rot und Zuzenhausen sowie Musikerinnen und Musiker der Musikvereine Bammental, Dielheim und Mauer unter der Leitung von Dirigent Arne Müller. Kommandiert wurde der Zapfenstreich von Michael Würth, Kommandant der Feuerwehr Malsch. Mit den Stücken „Pink Panther“, „Baby Elephant Walk“ und „Moon River Suite“ erhielt der Abschied eine besondere persönliche Note.

So endete ein Abend, der dem Wirken Stefan Dallingers in besonderer Weise gerecht wurde: würdig, herzlich, humorvoll und voller Dankbarkeit. Nach 16 Jahren als Landrat des Rhein-Neckar-Kreises verabschiedete sich Stefan Dallinger aus dem Amt – nicht aber aus den Erinnerungen und Verbindungen, die er in dieser Zeit geschaffen hat.

Text und Foto: Landratsmt Rhein-Neckar-Kreis

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