Die Geier kreisen über Deutschland
Zahlreiche Gänsegeier über Deutschland gesichtet
(nabu 25.6.26) In den vergangenen Tagen sind in Deutschland auffallend viele Gänsegeier gesichtet worden. Nach Angaben des NABU wurden seit dem vergangenen Wochenende mehr als ein Dutzend der großen Aasfresser beobachtet. Die Sichtungen reichen vom Alpenraum bis in den Norden des Landes.
Unter anderem wurden die Vögel im Karwendelgebirge bei Mittenwald, am Ammersee, im Raum Stuttgart, am Edersee in Hessen, in Sachsen und Thüringen, bei Hannover, in der brandenburgischen Prignitz sowie bei Segeberg nachgewiesen.
Junge Geier auf Erkundungstour
Nach Einschätzung von NABU-Vogelexperte Martin Rümmler handelt es sich bei den Tieren nicht um verirrte Vögel. Vielmehr seien die Gänsegeier auf ausgedehnten Erkundungsflügen unterwegs. Zwar gebe es bislang keine gesicherten Hinweise durch Ringablesungen, die Tiere stammen jedoch vermutlich aus Spanien oder Frankreich.
Gänsegeier werden vergleichsweise spät geschlechtsreif und brüten meist erst im Alter von fünf bis sechs Jahren. Die Zeit davor nutzen die Jungvögel häufig für weite Erkundungsflüge. Der aktuelle Einflug nach Deutschland fällt zudem in eine Phase, in der die Altvögel ihren Nachwuchs versorgen müssen. Für jüngere Tiere bleibt an den Futterplätzen oft weniger Nahrung übrig, weshalb sie ihre angestammten Gebiete verlassen und teilweise weite Strecken zurücklegen.
Kein dauerhaftes Vorkommen geplant
Die Gänsegeier sind auf der Suche nach Nahrung, nicht jedoch nach neuen Brutgebieten. Daher gehen Fachleute davon aus, dass die Tiere Deutschland nach einigen Tagen oder Wochen wieder verlassen werden.
Dabei legen die großen Segelflieger täglich problemlos 300 bis 400 Kilometer zurück. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,6 Metern zählen sie zu den größten Vögeln Europas und übertreffen damit See- und Steinadler deutlich. Auch im Vergleich zu Bussarden oder Milanen wirken sie nahezu doppelt so groß.
Auffällige Erscheinung und Hinweise für Beobachter
Charakteristisch für Gänsegeier ist ihr weitgehend nackter Hals, wodurch sie auch von weniger erfahrenen Beobachtern meist gut erkannt werden können.
Die Vögel können mehrere Wochen ohne Nahrung auskommen. Wird über einen längeren Zeitraum kein Aas gefunden, kann dies jedoch problematisch werden. Wer einen geschwächten Geier entdeckt, der über längere Zeit regungslos an einem Ort verharrt, sollte die zuständigen Naturschutzbehörden oder eine örtliche NABU-Gruppe informieren.
Text und Foto: NABU
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