Impfstoffe wirken für jede Generation – Europäische Impfwoche im Fokus
Europäische Impfwoche steht unter dem Motto „Impfstoffe wirken für jede Generation“ – das wird auch in der Region deutlich
(rnk 17.4.26) Bereits zum 20. Mal findet die Europäische Impfwoche statt – in diesem Jahr vom 19. bis 25. April. Sie steht unter dem Motto „Impfstoffe wirken für jede Generation“. Egal ob gerade erst geboren, mitten im Leben oder schon mit deutlich Lebenserfahrung – die Überprüfung des Impfstatus lohnt sich in jedem Alter. Denn Impfen schützt, wie die ausgewählten Beispiele zeigen, teilt das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises mit, das auch für die Stadt Heidelberg zuständig ist.
RSV-Prophylaxe schützt die Jüngsten
So wird aufgrund eines erhöhten Risikos für schwere Krankheitsverläufe seit Juni 2024 für die unter Einjährigen eine Prophylaxe gegen das Respiratorische Synzytial Virus (RSV) von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Dabei erhalten Neugeborene und Säuglinge Antikörper, die vor schweren RSV-Erkrankungen schützen. Und diesen Schutzeffekt kann man bereits in der darauffolgenden RSV-Saison sehen: Die Gesamtzahl der übermittelten RSV-Fälle in der Saison 2024/25 im Rhein-Neckar-Kreis – nachfolgend jeweils bezogen auf den gemeinsamen Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamts Rhein-Neckar-Kreis und der Stadt Heidelberg – zeigt zwar einen Anstieg um 22 Prozent im Vergleich zur Vorsaison. Betrachtet man aber nur die unter ein Jahr alten Kinder, also jene, die die Impfung erhalten haben sollten, ist es ein Rückgang um 71 Prozent. Das Robert Koch-Institut analysiert jedes Jahr die Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen und berechnet daraus die Impfquoten in Deutschland. Zwischen April und September des Jahres 2024 und damit im ersten Jahr seit Einführung der Empfehlung erhielten im Rhein-Neckar-Kreis und der Stadt Heidelberg immerhin 61 Prozent der Säuglinge eine RSV-Prophylaxe. „Die RSV-Prophylaxe stellt einen wichtigen Schutz für die Jüngsten unter uns dar“, erklärt Dr. Anne Kühn, Leiterin des Gesundheitsamtes.
Empfehlungen zur RSV-Impfung
Die RSV-Erkrankungen treten saisonal gehäuft von Oktober bis März auf. Die STIKO empfiehlt die RSV-Prophylaxe allen Neugeborenen und Säuglingen vor ihrer ersten RSV-Saison. Säuglinge, die zwischen April und September geboren sind, sollen die Prophylaxe möglichst zwischen September und November erhalten. Neugeborene, die zwischen Oktober bis März geboren werden, sollen die Prophylaxe möglichst rasch nach der Geburt, idealerweise bei Entlassung aus der Geburtseinrichtung bzw. bei der U2 (3. bis 10. Lebenstag) bekommen.
HPV-Impfung zeigt erste Erfolge
Während die RSV-Prophylaxe unmittelbar Säuglinge vor schweren Erkrankungen schützt, entfaltet die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die ab dem Kindes- und Jugendalter empfohlen ist, ihre Wirkung erst im Laufe des Lebens. Bestimmte HPV-Typen können Krebs am Gebärmutterhals, im Rachen und im Anogenitalbereich auslösen. Zum Schutz vor HPV-bedingtem Krebs ist für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 14 Jahren in Deutschland die Impfung gegen HPV empfohlen. Im Bereich des Gesundheitsamts Rhein-Neckar-Kreis waren im Jahr 2024 49 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 33 Prozent der 15-jährigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft. Die Quoten liegen damit deutlich unterhalb der von der Weltgesundheitsorganisation angestrebten 90 Prozent. Dabei zeigt sich bereits jetzt: die HPV-Impfung wirkt.
Rückgang von Gebärmutterhalskrebs
Trotz der in Deutschland vergleichsweise niedrigen Impfquoten werden laut einer Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts erste schützende Effekte auf Bevölkerungsebene sichtbar. So ging die Rate der Neuerkrankungen mit Gebärmutterhalskrebs bei jüngeren Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren zurück. Sie ist von 7,8 pro 100.000 Frauen im Jahr 2015 kontinuierlich auf 4,3 im Jahr 2023 gesunken. In der nächsthöheren Altersgruppe, für die zum damaligen Zeitpunkt noch keine HPV-Impfempfehlung bestand, ist hingegen kein eindeutiger Trend erkennbar. „Mit höheren HPV-Impfquoten können wir zukünftig noch mehr HPV-bedingte Krebsfälle verhindern. Daher sollten möglichst alle Kinder und Jugendlichen dieses Impfangebot wahrnehmen“, empfiehlt Dr. Kühn. Für einen vollständigen Impfschutz sind zwei Impfdosen erforderlich. Wenn die HPV-Impfung verpasst wurde, sollte sie spätestens bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Wird die Impfung erst nach dem 15. Geburtstag begonnen, sind für den vollständigen Schutz drei Impfungen notwendig. HPV-Impfungen können zum Beispiel durch den Kinderarzt, die Hausärztin oder den Frauenarzt verabreicht werden.
Impfungen im höheren Alter
Und welche Impfungen kommen dann im höheren Alter noch dazu? Ab 60 Jahren (auch früher, wenn gewisse Vorerkrankungen bestehen) empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen Pneumokokken und gegen Herpes Zoster. Während Herpes Zoster in der Regel nicht gemeldet werden muss, liegen die Zahlen für invasive Pneumokokkenerkrankungen dem Gesundheitsamt vor. „Im Jahr 2024 wurden uns 69 Fälle gemeldet, im Jahr 2025 waren es 83“, berichtet Dr. Kühn. Die Impfquote ist leider niedrig und liegt in der Altersgruppe der Personen zwischen 60 und 64 Jahre bei 9 Prozent, im Alter zwischen 65 und 69 bei 24 Prozent und bei den über 70-Jährigen dann bei 33 Prozent. Eine Impfung reicht in der Regel aus, um ausreichenden Schutz zu erhalten. „Pneumokokkeninfektionen können Lungenentzündungen, Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung verursachen. Es lohnt sich also, einen Impftermin beim Hausarzt oder der Hausätzzu vereinbaren.“
Weitere Informationen
Bei Fragen zu Impfungen und Impfempfehlungen empfiehlt das Gesundheitsamt allen Bürgerinnen und Bürgern, sich an die Ärztin oder den Arzt ihres Vertrauens oder an das Gesundheitsamt (Kontakt: [email protected], Telefon 06221/522-1872) zu wenden. Eine gute Übersicht zu Informationen rund um das Thema Impfen bietet zudem die Webseite www.infektionsschutz.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Die Impfempfehlungen der STIKO sind übersichtlich im Impfkalender dargestellt.
Quelle: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis
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