Neue Serie des Kreisforstamts über seltene Waldbewohner

Teil 1: Zwischen Laub und Dämmerung: Die Waldschnepfe im Portrait

(rnk 4.3.26) Das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreis hat eine neue Serie gestartet, in der es in unregelmäßigen Abständen um tierische Bewohner der Wälder im Landkreis geht, die nur selten jemand sieht. Den Start der neuen Serie macht die Waldschnepfe (Scolopax rusticola).

In den Wintermonaten begegnen Forstleute in den naturnah bewirtschafteten Mischwäldern im Landkreis Waldschnepfen, die in Nordosteuropa brüten und bei uns überwintern. Thomas Glasbrenner, der das Forstrevier Kraichgau Mitte auf den Gemarkungen Waibstadt, Neidenstein und Zuzenhausen leitet, erklärt: „Fast täglich sehe ich die Wintergäste bei meiner Arbeit im Wald. Meistens allerdings erst, wenn sie kurz vor meinen Füßen auffliegen.“ Waldschnepfen, die ihr Brutgebiet in der Region haben, ziehen zum Überwintern nach West- oder Südeuropa. Wobei es einzelne Exemplare vielleicht sogar bis nach Afrika schaffen. Anfang März kehren die hervorragend getarnten Schnepfenvögel wieder in ihre Brutregionen zurück.

Tagsüber verbergen sich die Einzelgänger mit dem langen Schnabel im am Boden liegenden Laub und fliegen nur auf, wenn sich ihnen Gefahr nähert. Mit ihren weit außen am Kopf sitzenden Augen können sie ohne sich zu bewegen fast rundum Ausschau halten. Es ist daher kaum verwunderlich, dass man die scheuen Waldbewohner nur selten zu Gesicht bekommt. Richtig aktiv und damit hör- sowie sehbar werden die taubengroßen Vögel in den Dämmerungs- und Abendstunden während der Balzzeit. Beim sogenannten „Schnepfenstrich“ machen die am Boden wartenden Weibchen mit Rufen wie „Puitzen“ oder „Knispen“ und durch aufgeregtes Hüpfen auf sich aufmerksam, um Männchen anzulocken.

Diese wiederum fliegen auf der Suche nach den Weibchen mit „quorrenden“ Geräuschen durch den Wald, was sich ein bisschen wie fliegende Frösche anhört.

Die Brutzeit zieht sich bis in den Juli hinein. Im Gelege der bodenbrütenden Weibchen befinden sich meist vier beige gefleckte Eier. Damit die Waldschnepfen und andere Bodenbrüter während der Zeit der Brut und der Jungenaufzucht ungestört sind, ist es besonders wichtig, dass Erholungssuchende ihre Hunde nicht frei im Wald herumlaufen lassen. Um den Nachwuchs kümmert sich das Muttertier bis zum Ausfliegen der Jungvögel alleine. Denn Weibchen und Männchen begegnen sich nur zur Paarung und gehen bzw. fliegen dann wieder ihre eigenen Wege.

Lange Schnäbel als Werkzeug für die Nahrungsaufnahme

„Nicht nur durch die Tarnfärbung des Gefieders sind die Vögel Spezialisten für das Leben am Waldboden, auch ihre Schnäbel sind tolle Werkzeuge für die Nahrungsaufnahme am Boden. Mit dem langen Schnabel stochern sie im Laub und im Boden nach Weichtieren, wie Regenwürmern. Der Schnabel ist mit vielen Sinneszellen versehen, so dass damit Beutetiere gefunden werden können“, erklärt Förster Thomas Glasbrenner das Nahrungsverhalten der Waldschnepfen. Hat die Waldschnepfe ein Beutetier aufgespürt, nutzt sie den Schnabel wie eine Pinzette, um die Nahrung aufzunehmen. Aber nicht nur Weichtiere oder andere Wirbellose stehen auf dem Speiseplan, sondern auch Beeren und Samen werden von den Vögeln gefressen.

Wie viele der heimlichen Schnepfenvögel im Rhein-Neckar-Kreis leben, ist nicht bekannt. Da die Tiere sehr versteckt sind, gestaltet sich das Monitoring schwierig. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) hat mittels automatischer Aufnahmegeräte, die die Balzrufe aufzeichnen, und der Beteiligung von Freiwilligen aus der Bevölkerung das Vorkommen von Waldschnepfen in vielen Teilen Baden-Württembergs nachgewiesen. Die Population wird auf 1.900 bis 4.900 Tiere im Land geschätzt.

Damit sich der Erhaltungszustand der Waldschnepfen nicht verschlechtert, legen die Försterinnen und Förster im Rhein-Neckar-Kreis Wert darauf, die Wälder weiterhin als strukturreiche Mischwälder zu bewirtschaften. „Es liegt in der Verantwortung von uns Forstleuten, den Wald auch bei sich wandelnden klimatischen Bedingungen so zu gestalten, dass der Lebensraum für seltene Arten wie die Waldschnepfe erhalten bleibt“, ist sich Forstrevierleiter Glasbrenner bewusst. „Dieses Ziel ist in Einklang zu bringen mit anderen berechtigten Interessen wie der Erholung der Bevölkerung im Wald und der Versorgung mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Das ist nicht immer einfach, aber dafür sind wir gut ausgebildet und die Arbeit im Wald macht einfach Freude.“

Weitere Informationen

Nähere Informationen zur Waldschnepfe, zum Monitoring der FVA und Hörbeispiele der Balzrufe finden Interessierte unter:

https://www.wildtierportal-bw.de/de/frontend/product/detail?productId=59
https://www.fva-bw.de/waldschnepfe

Text: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis
Foto: Niels Meffert, Veröffentlichung im Kontext dieses Artikels kostenfrei

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