Pflegebedarf im Rhein-Neckar-Kreis steigt bis 2040 deutlich an
Im Ausschuss für Soziales vorgestellte KVJS-Analyse liefert Datengrundlage für die künftige Pflegeplanung
(rnk 10.7.26) Der demografische Wandel wird den Pflegebedarf im Rhein-Neckar-Kreis in den kommenden Jahren deutlich steigen lassen. Das zeigt der aktuelle Bericht „KVJS Fokus Pflege 2023–2040 – Planungsperspektiven für die Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg“, den der Ausschuss für Soziales des Kreistags in seiner jüngsten Sitzung zur Kenntnis genommen hat. Grundlage ist eine Analyse des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS), die Planungsperspektiven für Baden-Württemberg liefert.
Im Rhein-Neckar-Kreis lebten Ende 2023 rund 37.537 pflegebedürftige Menschen. Bis 2040 wird ihre Zahl auf etwa 44.686 ansteigen – ein Plus von rund 19 Prozent. Die Pflegequote (Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung) steigt dabei von 6,7 auf 7,8 Prozent. Das bedeutet, dass die Menschen nicht nur mehr, sondern vor allem älter werden. War bisher 1 von 15 Personen im Landkreis pflegebedürftig, wird dies prognostisch bis 2040 1 von 13 Personen sein. Nach den Prognosen des KVJS wächst der Bedarf in folgenden Bereichen: Besonders deutlich steigt der Bedarf in der ambulanten Pflege (von 6.071 auf 7.427 Personen) und in der stationären Langzeitpflege (von 4.326 auf 5.408 Plätze). Der größte Teil der Versorgung bleibt jedoch weiterhin bei den Angehörigen, die Pflegegeld beziehen (von 23.286 auf 27.376). Stand April 2026 verfügt der Kreis über 4.929 stationäre Langzeitpflegeplätze und 649 Tagespflegeplätze. Aufgrund des Fachkräftemangels können jedoch nicht immer alle vorhandenen Plätze tatsächlich belegt werden.
Die Zahlen der KVJS-Analyse dienen als Orientierungskorridor und zeigen auf, wie sich die Pflegesituation bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen entwickeln könnte. Sie bilden zugleich die Datengrundlage für die Pflegeplanung im Rhein-Neckar-Kreis und ergänzen die bisherigen Prognosen aus dem Kreisseniorenplan 2017 bis 2027. Veränderungen durch neue gesetzliche Regelungen oder gesellschaftliche Entwicklungen sind jedoch jederzeit möglich.
Pflegende Angehörige weiter stärken
Die Frage, wie unsere Gesellschaft Fürsorge und Pflege gestaltet, gehört zu den zentralen Herausforderungen der Zukunft. Der Großteil der Pflegebedürftigen (85,1 Prozent) wird von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt. Um dies auch künftig zu ermöglichen, braucht es Strukturen, die pflegende Angehörige entlasten. In den vergangenen drei Jahren sind rund 320 neue Tagespflegeplätze im Rhein-Neckar-Kreis entstanden, was nahezu einer Verdopplung entspricht. Auch das Modell „Fix und Flex“ für ganzjährig vorgehaltene Kurzzeitpflege soll weiter gestärkt werden, unter anderem in Zusammenarbeit mit den Kliniken und den stationären Pflegeheimen in der Region. Diese Angebote leisten einen wichtigen Beitrag zur Entlastung pflegender Angehöriger. Zudem setzt der Kreis auf Beratung und Unterstützungsangebote, um die häusliche Pflege zu ermöglichen. Diese hängt oftmals von barrierearmem Wohnraum ab, weshalb seniorengerechte Wohnungen ein weiterer Baustein sind.
Die Kommunale Pflegekonferenz im Rhein-Neckar-Kreis findet abwechselnd vor Ort in den fünf Planungsräumen des Landkreises statt. Sie dient als zentrales Vernetzungsgremium, um regionale Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit den Akteuren vor Ort passgenaue Lösungen zu entwickeln. Für die Zukunft bleibt die zentrale Aufgabe, eine wohnortnahe, qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte Pflege zu gewährleisten und gleichzeitig den Zusammenhalt zwischen den Generationen zu stärken. Dies ist nicht allein Aufgabe des Rhein-Neckar-Kreises, sondern erfordert das gemeinsame Engagement aller Akteure in der Gesellschaft.
Der demografische Wandel lässt sich nicht aufhalten. Wie gut wir ihn meistern, wird maßgeblich davon abhängen, ob Politik und Gesellschaft gemeinsam Antworten finden. Es braucht verlässliche Rahmenbedingungen auf allen politischen Ebenen, um die pflegerische Versorgung langfristig zu sichern – ergänzt durch eine starke familiäre Fürsorge und eine engagierte kommunale Unterstützung. „Die Zahlen zeigen deutlich: Der Handlungsdruck wächst. Deshalb werden wir die Unterstützungsangebote im Rhein-Neckar-Kreis weiter ausbauen und setzen weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten“, betont Landrat Manuel Just.
Quelle: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis
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