Raupen auf Entdeckungstour: NABU ruft zur Brennnessel-Aktion auf

Foto: NABU/Frank Hecker

Oft unterschätzt, aber ökologisch wertvoll

(nabu 10.6.26) Brennnesseln haben bei vielen Gartenbesitzern keinen guten Ruf. Die Pflanze gilt häufig als lästiges Unkraut und wird deshalb oft entfernt. Dabei erfüllt sie eine wichtige Funktion in der Natur. Zahlreiche heimische Schmetterlingsarten sind auf die Brennnessel als Lebensraum und Nahrungsquelle angewiesen.

Um mehr über die Entwicklung dieser Arten zu erfahren, haben der NABU und NABU|naturgucker die Mitmachaktion „Raupen an Brennnesseln“ gestartet. Naturfreunde sind eingeladen, Raupen an Brennnesseln zu beobachten, zu fotografieren und ihre Funde zu melden.

Wichtige Nahrung für viele Schmetterlingsarten

Mehr als 30 heimische Falterarten nutzen die Brennnessel als Futterpflanze für ihre Raupen. Besonders häufig lassen sich dort die Raupen bekannter Schmetterlinge wie Admiral, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Landkärtchen, C-Falter oder Nesselzünsler entdecken.

Bislang gibt es nur wenige Daten darüber, wie sich die Bestände dieser Raupen entwickeln. Die neue Mitmachaktion soll dabei helfen, Erkenntnisse über die Verbreitung und Häufigkeit der Arten zu gewinnen. Langfristig könnten die gesammelten Informationen wichtige Hinweise auf Veränderungen der Artenvielfalt in Deutschland liefern.

Schmetterlinge als wichtige Umweltbotschafter

Schmetterlinge gelten unter Wissenschaftlern als sogenannte Bioindikatoren. Das bedeutet, dass Veränderungen ihrer Bestände Rückschlüsse auf den Zustand von Umwelt und Lebensräumen zulassen.

Seit Jahren beobachten Experten einen Rückgang vieler Insektenarten. Davon betroffen sind auch zahlreiche Schmetterlinge. Selbst Arten, die bislang als häufig galten, werden in manchen Regionen seltener. Umso wichtiger ist es, geeignete Lebensräume zu erhalten.

Die Brennnessel spielt dabei eine bedeutende Rolle. Für einige Schmetterlingsarten ist sie sogar unverzichtbar, da die Weibchen ihre Eier ausschließlich auf dieser Pflanze ablegen. Ohne Brennnesseln könnten sich diese Arten nicht erfolgreich fortpflanzen.

Ein ganzer Lebenszyklus an einer Pflanze

Wie eng die Verbindung zwischen Schmetterlingen und Brennnesseln ist, zeigt das Beispiel des Admirals. Bei dieser Art finden mehrere Entwicklungsstadien direkt an der Pflanze statt. Von der Eiablage über die Raupenentwicklung bis hin zur Verpuppung spielt die Brennnessel eine zentrale Rolle.

Gleichzeitig bietet die Pflanze Schutz vor Fressfeinden. Einige Raupenarten haben sich im Laufe der Evolution sogar an die besonderen Abwehrstoffe der Brennnessel angepasst und können deren Blätter problemlos fressen.

Aus den Raupen entwickeln sich später Schmetterlinge, die wiederum zahlreiche Blütenpflanzen bestäuben und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt natürlicher Ökosysteme leisten.

So können Naturfreunde mitmachen

Wer im Garten, beim Spaziergang oder auf einer Wiese Brennnesseln entdeckt, sollte einen genaueren Blick wagen. Besonders in den Sommermonaten können sich die Pflanzen zu echten Raupen-Hotspots entwickeln.

Gefundene Raupen sollten fotografiert und möglichst bestimmt werden. Hilfreich dabei ist unter anderem der Insektentrainer im Internet. Anschließend können die Beobachtungen zusammen mit einem Foto bis zum 8. Juli gemeldet werden.

Mit jeder Meldung tragen Naturfreunde dazu bei, mehr über die heimischen Schmetterlingsarten und ihre Entwicklung zu erfahren – und gleichzeitig das Bewusstsein für den Wert einer oft unterschätzten Pflanze zu stärken.

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