Schulweg statt Hundeklo: Wie die Lindenschule den Vogelkefigweg zurückerobert

(eme 13.8.26) „Keinen Abdruck!“ – Die Lindenschule kämpft am Vogelkefigweg gegen Hundekot

Wer in Nußloch mit Hund unterwegs ist, kommt am Vogelkefigweg kaum vorbei – und das ist auch gut so, denn kaum eine andere Strecke im Ort ist so grün, so ruhig und, zugegeben, so beliebt bei allem, was vier Pfoten hat. Erst vor gut einem Jahr wurde der Weg zwischen Römerstraße und Barlachstraße für rund 45.600 Euro neu gepflastert, weil die alte Asphaltdecke an mehreren Stellen arg in die Jahre gekommen war. Frisch verlegte Steine, ordentlich geschnittene Hecken – und dazwischen, gefühlt alle paar Meter, ein Mülleimer. Dazu noch mehrere Tütenspender, die auch tatsächlich befüllt sind und nicht nur dekorativ leer vor sich hin rosten. Auf keiner anderen Strecke in Nußloch steht so viel Infrastruktur für die kleinen Geschäfte der großen und kleinen Vierbeiner bereit. Wer hier noch eine Ausrede braucht, warum die Tüte gerade nicht griffbereit war, muss sich schon wirklich Mühe geben, eine zu erfinden.

Und trotzdem – einige schaffen es.

Wenn der Duft schon von Weitem grüßt
An manchen Tagen riecht der Vogelkefigweg weniger nach Frühling und frisch gemähtem Gras als nach den Konsequenzen eines Spaziergangs, bei dem am Ende doch nur die Leine mitgenommen wurde. Ich gehe die Strecke selbst öfter, und ehrlich gesagt: Es überrascht mich jedes Mal wieder, wie unbeeindruckt manche Hundehalter an den gut sichtbaren Häufchen vorbeischlendern, während der Tütenspender nur wenige Schritte entfernt fast vorwurfsvoll blinkt. Dass Hundehalter in Nußloch verpflichtet sind, die Notdurft ihrer Tiere von Gehwegen und öffentlichen Flächen zu entfernen, ist dabei keine neue Erfindung übereifriger Ordnungshüter, sondern seit Jahren in der örtlichen Polizeiverordnung festgeschrieben. Auch der Friedhof musste sich erst vor zwei Jahren mit demselben Thema herumärgern, wie eine Mitteilung der Gemeinde zeigte  – offenbar ist die Vergesslichkeit beim Wegräumen leider kein reines Vogelkefigweg-Phänomen.

Das Ärgerliche an der Sache: Der Vogelkefigweg ist nicht nur Feierabendroute für Gassigeher, sondern auch ganz offiziell ein Schulweg. Sowohl Kinder der Lindenschule in der Barlachstraße als auch der Schillerschule nutzen die Strecke täglich, um überhaupt erst zum Unterricht zu kommen. Und wer schon mal versucht hat, einer aufgeregten Horde Grundschulkinder zu erklären, warum man jetzt bitte einen großen Bogen um diese eine Stelle im Gehweg machen muss, weiß: Das ist pädagogisch selten ein Erfolg. Kinder haben nämlich ein untrügliches Talent dafür, genau dort hinzuschauen, wo man es am wenigsten möchte, und lautstark all das zu kommentieren, was Erwachsene lieber stillschweigend übergehen würden.

Die Lindenschule schlägt zurück – mit Wortspiel statt Zeigefinger
Genau an diesem Punkt hat die Lindenschule offenbar beschlossen, dass Meckern allein nichts bringt, und ist selbst kreativ geworden. Mitten am Vogelkefigweg, gleich an einem Lichtmast festgeschraubt, hängt jetzt ein grün-blaues Schild, das keinen Zweifel an seiner Botschaft lässt: „Das ist unser Schulweg und kein Hundeklo!“, steht da in großen weißen Buchstaben auf grünem Grund – ein Satz, der wohl auch dem entspanntesten Vierbeinerfreund ein schlechtes Gewissen einreden dürfte. Darunter haben die Kinder der Lindenschule selbst zum Stift gegriffen: Auf einer bunten Zeichnung führen kleine Strichmännchen ihre Hunde brav an der Leine über einen Weg zwischen Bäumen, und mittig, eingerahmt wie ein Gütesiegel, hält eine Comic-Figur stolz die Tüte in der Hand und bückt sich vorbildlich nach dem, was der eigene Hund gerade hinterlassen hat. Man könnte sagen: pädagogisch wertvoller Gruppenzwang, nur eben mit Wachsmalstiften umgesetzt.

Den eigentlichen Treffer landet das Schild mit seinem Schriftzug: „Hinterlasst einen guten Eindruck. Keinen Abdruck!“ Ich muss zugeben, dass mir beim ersten Lesen ein kleines Grinsen entfahren ist – wortspielerischer und trotzdem treffender hätte man das Anliegen kaum verpacken können.

Ob das Schild tatsächlich etwas verändert, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Skeptisch bin ich trotzdem ein bisschen, denn wer regelmäßig an einem gut gefüllten Tütenspender vorbeigeht und trotzdem nichts mitnimmt, lässt sich womöglich auch von der charmantesten Kinderzeichnung nicht gänzlich umstimmen. Aber ein bisschen Hoffnung schadet nie, und vielleicht reicht ja schon der Gedanke an die Kinder, die diesen Weg jeden Morgen entlanglaufen, um wenigstens den einen oder anderen Hundehalter zum Nachdenken zu bringen. Der Vogelkefigweg hätte es verdient – schließlich hat ihm sonst wirklich niemand etwas vorzuwerfen.

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