Streuobstwiesen unter Druck: BUND fordert mehr Schutz für artenreiche Kulturlandschaft

Wertvolle Lebensräume mit großer Bedeutung

(bund 20.4.26) Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen in Deutschland und prägen seit Jahrhunderten das Bild vieler Regionen. Sie liefern nicht nur Obst, sondern bieten auch zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum und tragen zur Kühlung des Mikroklimas bei. Anlässlich des Tags der Streuobstwiese am 24. April macht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf die zunehmende Gefährdung dieser besonderen Biotope aufmerksam.

Rückgang seit Jahrzehnten

Trotz ihrer ökologischen Bedeutung sind Streuobstwiesen seit Jahrzehnten auf dem Rückzug. Bereits seit den 1950er Jahren gehen die Bestände kontinuierlich zurück. Studien zufolge schrumpfte ihre Fläche bis 1990 um bis zu 70 bis 75 Prozent. Gründe dafür sind vor allem die Konkurrenz durch intensiven Obstanbau sowie steigender Flächendruck durch Bauprojekte und veränderte Nutzungen.

Zwar wurden Streuobstwiesen im Jahr 2021 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, dennoch bleiben sie weiterhin gefährdet.

Artenvielfalt auf kleinstem Raum

Streuobstwiesen zeichnen sich durch ihre besondere Struktur aus: Hochstämmige Obstbäume stehen locker verteilt und werden häufig mit Wiesen oder Weideflächen kombiniert. Diese Form der Mehrfachnutzung schafft ideale Bedingungen für eine große Vielfalt an Arten.

Je nach Standort und Pflege können sich hier bis zu 5000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten ansiedeln. Dazu gehören unter anderem Wildbienen, Fledermäuse und verschiedene Vogelarten sowie zahlreiche blühende Pflanzen.

Forderungen nach gezielten Schutzmaßnahmen

Nach Ansicht des BUND sind konkrete Maßnahmen notwendig, um den Fortbestand der Streuobstwiesen zu sichern. Dazu zählen unter anderem regelmäßige und fachgerechte Pflege der Bestände sowie gezielte Pflanzaktionen.

Darüber hinaus fordert der Verband eine stärkere Förderung alter Obstsorten im Rahmen nachhaltiger Landnutzungskonzepte sowie den Ausbau regionaler Vermarktungsstrukturen. Auch der Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel wird als wichtiger Schritt angesehen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einer bundesweit einheitlichen Erfassung und kontinuierlichen Überwachung der Streuobstbestände, um Schutzmaßnahmen besser steuern zu können.

Integration statt Verdrängung

Auch im Zusammenhang mit neuen Bauprojekten sieht der BUND Handlungsbedarf. Statt Streuobstwiesen zu beseitigen, sollten sie nach Möglichkeit in neue Siedlungen integriert werden. So könnten sie nicht nur erhalten bleiben, sondern gleichzeitig als attraktive Grünflächen für die Bevölkerung dienen.

Engagement vor Ort

Der BUND setzt sich bundesweit für den Erhalt von Streuobstwiesen ein. In verschiedenen Bundesländern wurden bereits Förderprogramme angestoßen oder eigene Flächen bewirtschaftet. Auch in urbanen Räumen zeigt sich, dass diese traditionellen Kulturlandschaften weiterhin eine Zukunft haben können, wenn entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden.

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