Studie sieht großen Handlungsbedarf bei Wärmenetzen
Wärmewende braucht schnelle Abkehr von fossilen Energien
(bund 11.6.26) Eine aktuelle Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zeigt, dass klimafreundliches, bezahlbares und krisensicheres Heizen nur durch einen konsequenten Umstieg von Öl und Gas auf erneuerbare Wärmequellen gelingen kann. Besonders im Fokus stehen dabei die rund 3.800 Wärmenetze in Deutschland, die künftig eine deutlich größere Rolle bei der Wärmeversorgung spielen sollen.
Die Untersuchung wurde vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg im Auftrag des BUND erstellt und analysiert, welche politischen und finanziellen Rahmenbedingungen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045 erforderlich sind.
Fossile Energien dominieren weiterhin
Derzeit werden rund 15 Prozent der Wohnungen in Deutschland über Wärmenetze versorgt. Noch stammt jedoch etwa drei Viertel der dort eingespeisten Wärme aus fossilen Energieträgern wie Erdgas, Kohle und Öl.
Nach Einschätzung der Studienautoren steigt die Bedeutung von Wärmenetzen in den kommenden Jahrzehnten deutlich an. Je nach Szenario könnte ihr Anteil an der Wärmeversorgung bis 2045 auf 17 bis 31 Prozent wachsen. Gleichzeitig müssen die bestehenden Netze umfassend modernisiert und auf erneuerbare Energiequellen umgestellt werden.
Erneuerbare Wärmequellen im Mittelpunkt
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass künftig vor allem Großwärmepumpen, Geothermie und Solarthermie die Wärmeversorgung in Wärmenetzen sichern sollen. Auch ein insgesamt sinkender Energieverbrauch gilt als wichtiger Baustein für das Erreichen der Klimaziele.
Energiequellen wie Wasserstoff, Biomethan, Holz oder Abwärme sollen nach Ansicht der Experten lediglich ergänzend eingesetzt werden. Besonders kritisch bewertet der BUND eine starke Abhängigkeit von Biomasse und Müllverbrennung.
Kritik an kommunalen Wärmeplänen
Die Auswertung bereits vorliegender kommunaler Wärmepläne zeigt nach Angaben des BUND, dass viele Städte und Gemeinden stärker auf Biomasse und Müllverbrennung setzen als in den wissenschaftlichen Zukunftsszenarien vorgesehen.
Dadurch bestehe das Risiko ökologisch problematischer und langfristig kostspieliger Fehlinvestitionen. Die Umweltorganisation fordert daher eine stärkere bundesweite Steuerung sowie klare Nachhaltigkeitskriterien für den Ausbau der Wärmenetze.
Forderungen an die Bundesregierung
Um den Umbau der Wärmenetze zu beschleunigen, fordert der BUND eine gesetzliche Absicherung der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze. Das Fördervolumen soll auf mindestens 3,5 Milliarden Euro erhöht werden.
Zudem spricht sich die Organisation für eine Entlastung bei den Stromkosten aus. Eine Senkung der Stromsteuer könne die Elektrifizierung der Wärmeversorgung erleichtern und den Einsatz von Wärmepumpen attraktiver machen.
Klimaneutralität bis 2045 als Ziel
Die Studie macht deutlich, dass Kommunen in den kommenden Jahren vor einer großen Herausforderung stehen. Bis 2045 sollen alle Wärmenetze vollständig mit erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme betrieben werden. Dafür seien klare politische Leitplanken, ausreichende Fördermittel und langfristige Planungssicherheit erforderlich.
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