Stadt Walldorf zieht Zwischenbilanz im Umgang mit invasiven Arten

Die Bekämpfung der Großen Drüsenameise mit Heißdampf hat sich als wirkungsvoll erwiesen. Dabei werden auch die weißen Eier zu Tage gefördert. Foto: Stadt Walldorf

Stadt setzt auf Information, Früherkennung und gezielte Maßnahmen

(mar 6.6.26) Der Umgang mit invasiven Tier- und Pflanzenarten war Thema in der jüngsten Sitzung des Walldorfer Gemeinderats. Alena Müller, Leiterin des Fachbereichs Ordnung und Umwelt, stellte eine Zwischenbilanz zu den bisherigen Maßnahmen gegen die Asiatische Hornisse, die Asiatische Tigermücke, die Große Drüsenameise und den Götterbaum vor.

„Invasive Arten sind eine Bedrohung für die Biodiversität und das Ökosystem“, erklärte Müller. Da künftig mit weiteren neu eingeschleppten Arten gerechnet werde, wolle die Stadt frühzeitig handeln und Belastungen für Bevölkerung und Umwelt möglichst gering halten. Grundlage dafür seien Information, Überwachung und praktische Gegenmaßnahmen.

Rhein-Neckar-Region besonders betroffen

Invasive Arten – bei Tieren auch Neozoen, bei Pflanzen Neophyten genannt – stammen ursprünglich nicht aus der jeweiligen Region und wurden durch menschlichen Einfluss eingeschleppt. Problematisch werden sie vor allem dann, wenn sie heimische Arten verdrängen, Lebensräume verändern oder gesundheitliche und sicherheitsrelevante Risiken verursachen.

Aufgrund des vergleichsweise warmen Klimas, vielfältiger Lebensräume sowie des intensiven Waren- und Personenverkehrs gilt die Rhein-Neckar-Region als besonders anfällig für die Ansiedlung neuer Arten.

Mehr Nester der Asiatischen Hornisse entdeckt

Bei der Asiatischen Hornisse wurden im Jahr 2025 auf Walldorfer Gemarkung insgesamt 16 Nester registriert. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die Verwaltung führt dies auch auf eine gestiegene Aufmerksamkeit in der Bevölkerung zurück.

Seit März 2025 gilt die Asiatische Hornisse in Baden-Württemberg als etablierte Art. Eine gesetzliche Bekämpfungspflicht besteht daher nicht mehr. Stattdessen wird ein sogenannter Managementansatz verfolgt.

Besonderes Augenmerk legt die Stadt auf Nester in stark frequentierten Bereichen. Vor allem im Herbst können herabfallende oder noch bewohnte Nester ein Sicherheitsrisiko darstellen. Bürgerinnen und Bürger werden deshalb weiterhin gebeten, entdeckte Nester dem Fachdienst Umwelt zu melden. Zudem soll die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert und städtisches Personal sowie externe Dienstleister weiter sensibilisiert werden.

Tigermücke bleibt im Fokus

Auch die Asiatische Tigermücke beschäftigt die Stadt weiterhin. Nach dem ersten Nachweis im August 2024 wurden umfangreiche Überwachungsmaßnahmen eingeleitet. Im Jahr 2025 setzte die Stadt auf Informationskampagnen, Haustüraktionen, Infostände, die Ausgabe von Informationsmaterial sowie die Behandlung potenzieller Brutstätten.

Obwohl die Tigermücke nicht als invasive Art eingestuft wird, gilt sie als potenzieller Gesundheitsschädling, da sie unter bestimmten Bedingungen Krankheiten übertragen kann. Nach Erkenntnissen des Fachdiensts Umwelt hat sich die Art inzwischen in mehreren Bereichen Walldorfs etabliert. Die bisherigen Maßnahmen sollen daher fortgeführt und teilweise erweitert werden.

Große Drüsenameise verursacht Probleme

Die Große Drüsenameise breitet sich insbesondere in warmen und stark versiegelten Siedlungsgebieten aus. In Walldorf tritt sie vor allem auf dem Friedhof sowie im Umfeld des Tom-Tatze-Tierheims auf.

Problematisch sind vor allem ihre weit verzweigten unterirdischen Kolonien, die in anderen Städten bereits Schäden an Gebäuden verursacht haben. Nach Angaben der Verwaltung hat sich der Einsatz von Heißdampf bislang als wirksamste Bekämpfungsmethode erwiesen.

Auf privaten Grabstätten können städtische Mitarbeiter jedoch nicht tätig werden. Hier sind die jeweiligen Nutzungsberechtigten selbst für Gegenmaßnahmen verantwortlich.

Ausbreitung des Götterbaums begrenzen

Auch der Götterbaum steht weiterhin im Fokus der Stadtverwaltung. Die ursprünglich aus Asien stammende Baumart breitet sich stark aus und kann heimische Pflanzen verdrängen. Aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit gilt er insbesondere in städtischen Bereichen als äußerst konkurrenzstark.

Die Verwaltung sieht vor allem dort Handlungsbedarf, wo sich eine weitere Ausbreitung frühzeitig eindämmen lässt.

Zustimmung aus dem Gemeinderat

Die vorgestellten Maßnahmen stießen im Gemeinderat auf breite Zustimmung.

Für die CDU betonte Mathias Pütz die Bedeutung einer umfassenden Information der Bevölkerung sowie einer konsequenten Meldung von Vorkommen. Petra Wahl (SPD) hob hervor, dass eine erfolgreiche Bekämpfung nur durch die Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Grundstückseigentümern möglich sei.

Paula Glogowski (FDP) begrüßte die strategische Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema. Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich für die Fortführung des bisherigen Managements aus. Mihriban Gönenç (Zusammen für Walldorf) lobte den sachlichen Umgang der Stadt mit der Problematik und sprach sich gegen unnötige Panikmache aus.

Text und Foto: Stadt Walldorf

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